Whisky aus den Swiss Highlands

Der Alpstein im Appenzellerland ist die Heimat des »Säntis Malt«, einem der bekanntesten Schweizer Whiskys, gebrannt von der Brauerei Locher.

© Säntis Malt

Der Alpstein im Appenzellerland ist die Heimat des »Säntis Malt«, einem der bekanntesten Schweizer Whiskys, gebrannt von der Brauerei Locher.

© Säntis Malt

Die ländliche Schweiz ist geprägt von der Landwirtschaft – in vielen Regionen reiht sich Getreidefeld an Getreidefeld. Gerste – die Basis eines klassischen Malts – war ursprünglich die wichtigste Getreideart in der Schweiz. Aufgrund ihrer Anpassungsfähigkeit und Frühreife konnte sie von den tiefsten Lagen bis hoch hinauf in den entlegensten Alpentälern angebaut werden. Und auch das Brennen von Schnaps hat in der Schweiz eine uralte Tradition. Ideale Voraussetzungen für die Whisky-Produktion, könnte man meinen. Doch die Whisky-Tradition der Schweiz ist gerade einmal 20 Jahre alt und Schweizer Whisky ein waschechter Geheimtipp.

Nach dem Zweiten Weltkrieg nämlich wurde der Gerstenanbau nach einem anfänglichen Rückgang komplett eingestellt. Ertragreichere Sorten mussten her. Hinzu kam, dass das Brennen von Schnaps auf Basis von Grundnahrungsmitteln in dieser Zeit verboten wurde – die Nahrungsmittelversorgung der Bevölkerung hatte Vorrang. Neben Getreide betraf dies auch Kartoffeln. Erst seit 1997 dürfen Kartoffeln in der Schweiz gebrannt werden, Getreide sogar erst seit Ende 1999. Die ersten Schweizer Whiskys entstanden also vor genau 20 Jahren. Whisky ist, vereinfacht gesagt, nichts anderes als gebranntes Bier, und so war es eine Brauerei, die den ersten Schweizer Getreidebrand der Neuzeit herstellte – Rugenbräu bei Interlaken.

Verschiedene, nur zu Fuß zugängliche Berggasthäuser im Appenzellerland haben ihr eigenes Fass Whisky. Der Whisky-Trek lädt Gäste ein, diese zu entdecken.

Foto beigestellt

Ausgezeichnet!

Seit den Anfängen hat sich viel getan in der Schweizer Whisky-Welt. Rund sechzig verschiedene Schweizer Whisky-Brands gibt es bis heute, wobei die meisten nur in Kleinstmengen produziert werden. Zu den bekanntesten Schweizer Whiskys gehört der »Säntis Malt« von der Appenzeller Brauerei Locher, die mitunter das bei Schweizern beliebte »Quöllfrisch«-Bier braut. Braumeister Karl Locher, damals bekannt für seine kreativen Biersorten, begann 1999, kurz nach der Abschaffung des Brennverbots für Getreide, mit der Herstellung, er verwendete dafür Quellwasser aus dem Alpstein und reifte seinen Whisky in gebrauchten Bierfässern. 2002 lancierte die Brauerei ihren ersten eigenen Whisky. Lochers setzten nicht nur auf lokales Wasser, sondern auch auf Gerste aus den Alpen. 2010 wurden die Mühen belohnt – der Appenzeller »Säntis Malt Dreifaltigkeit« wurde vom Whisky-Experten Jim Murray zum »European Whisky of the Year 2010« erkoren. Eine kleine Sensation. Die Gerste für die betreffende Edition des »Säntis Malt« wird über Hochmoortorf und Holzspänen gedarrt – ein rauchiger, durch und durch appenzellischer Whisky also.

Auf Regionalität und Swissness setzen die meisten Schweizer Whisky-Brenner. Neben Brauereien sind es oft auch Fruchtbrenner, die im Holzfass gereifte Getreidebrände für sich entdeckt haben. Zu den prominentesten Beispielen gehört dabei Familie Etter, berühmt für ihren ikonenhaften Etter Kirsch. Deren Whisky »Johnett« wird aus heimischem Gerstenmalz und Quellwasser aus den nahe der Brennerei gelegenen Höllgrotten eingemaischt. Die Eichenfässer für die Reifung stammen vom bekannten Luzerner Winzer Toni Ottiger vom Weingut Rosenau. Ein echter Innerschweizer Whisky, der vor allem mit seinem Fruchtausdruck glänzt.

Bourbon made in Switzerland

Eine ganz andere Ausrichtung wählt die verhältnismäßig junge Destillerie Macardo. Seit 2007 brennt diese – neben anderen Edelbränden – auch Whisky in Strohwilen im Kanton Thurgau. Einerseits einen Single Malt aus Schweizer Gerste, andererseits einen Bourbon – der einzige der Schweiz. Es handelt sich dabei um einen der wenigen Bourbons überhaupt, die außerhalb der USA produziert werden. Der Brand erfüllt auch alle Kriterien, die an einen US-amerikanischem Bourbon-Whiskey gestellt werden. Er wird aus Schweizer Getreide hergestellt – davon wie vorgegeben mehr als 51 Prozent Mais –, anstatt aus Kentucky stammt dieser aber aus dem Kanton Thurgau. Zudem reift der Brand nicht wie beim Bourbon vorgegeben nur zwei, sondern mindestens fünf Jahre in getoasteten Fässern aus Amerikanischer Weiß-Eiche. Markantes Detail: Das für die Herstellung verwendete Quellwasser stammt aus kalkhaltigen Thurgauer Quellen, wie man sie auch in der Heimat des Bourbons – Kentucky – findet.

Die Schweiz mit ihrer langen Tradition im Getreideanbau, der hohen Wasserqualität und nicht zuletzt dem milden Klima scheint wie gemacht für die Produktion von Whisky. »Swiss Highlands« – warum auch nicht.

Die Falstaff-Bewertung


ERSCHIENEN IN

Falstaff Whisky Spezial
Zum Magazin

MEHR ENTDECKEN

Mehr zum Thema

News

Schottland: Homeland of Whisky

Schottland ist nicht nur die Heimat des Whiskys, sondern auch die Region der Welt mit der höchsten Whisky-Brennereien-Dichte.

News

Top 10: Cocktails mit Champagner

Champagner ist bereits pur ein exklusiver Genuss. Im Drink sorgt er für Eleganz und das besondere Etwas. Hier unsere Favoriten.

News

Österreich: Seit 20 Jahren Whiskyland

Whisky ist freilich nicht das Allererste, was einem im Zusammenhang mit österreichischen Edelbränden in den Sinn kommt. Doch im Laufe der Zeit...

Cocktail-Rezept

Jim Beam klassischer Highball

Erfrischend spritzig: Die Cocktails für den Fühling präsentiert Jim Beam im Highball-Glas.

Cocktail-Rezept

Chivas XV Sour

Der klassische Whisky-Drink wird mit 15 Jahre gereiftem Chivas gemixed, der in Cognac-Fässern aus der Region »Grande Champagne« gefinished wird.

Cocktail-Rezept

Bank of Greenock

It’s Teatime – der Whisky-Drink aus der »The Bank Bar« wird mit Jasmintee aufgefüllt.

News

Glenmorangie Allta ist zehnte Private Edition

Die schottische Traditionsdestillerie präsentierte im Rahmen eines exklusiven Live Tastings in Wien die Jubiläumsabfüllung seiner legendären Private...

News

Bowmore & Breitling: Zeit für Genuss

Der schottische Whisky-Produzent stellt in der Wiener Breitling-Boutique den 27 Years Old Port Cask vor. Reich belohnt wird, wer den Wert der Zeit...

News

The Balvenie Port Wood 21 Years

Der außergewöhnliche Single Malt aus der schottischen Traditions-Destillerie erhält seinen unverkennbaren Charakter durch das Finish in alten...

Advertorial
News

Johnnie Walker launcht Game of Thrones Whisky

Winter is coming: Der White Walker by Johnnie Walker wurde von den dunklen Charakteren der HBO-Erfolgsserie inspiriert.

News

25 Jahre gereift: The Balvenie DoubleWood

Nachdem der »Balvenie Double Wood« ein Viertel Jahrhundert reifte, kommen nun 60 limitierte Flaschen der Whisky-Rarität in den Handel.

News

The Macallan: Single Malts an der Weltspitze

Die schottische Destillerie steht für Tradition, hohe Handwerkskunst und für Whiskys mit dem Ruf, zu den weltbesten Single Malts zu zählen.

News

Erste Einblicke in die neue Macallan Destillerie

Die neue Macallan Destillerie eröffnet am 2. Juni auf dem schottischen Easter Elchies Anwesen und hat 140 Millionen Pfund gekostet.

News

Erster AWA-Botschafter Österreichs ausgezeichnet

Die Austrian Whisky Association zeichnete den ersten Whisky Botschafter Österreichs im Planter's Club in Wien aus.

News

On the Rocks: Leitfaden durch die Welt des Whiskys

Whisky wird heute auf verschiedenste Arten rund um den Globus erzeugt. Damit ist das Thema ziemlich unübersichtlich geworden. Kennt sich da überhaupt...

News

Whisky aus Österreich auf Erfolgskurs

Die Austrian Whisky Association (AWA) hat es sich zum Ziel gesetzt die heimische Whiskykultur hochzuhalten und bekannter zu machen.

Advertorial
News

Superpremium-Whiskys in würdigem Alter

Beam Suntory Österreich brachte gereifte Islay-Whiskys von Bowmore und Laphroaig in den Weinclub 7.

News

Aus der Mitte Schottlands

Die schottischen Midlands sind nicht nur landschaftlich und kulturell eine Reise wert. Whisky hat in dieser Region schon immer eine große Rolle...

News

Schottland im Cocktailglas

Zum ersten Mal durften heuer Wiener Bartender auf Einladung von Chivas Regal in Schottland zu Gast sein. Die Reiseerlebnisse gibt’s jetzt in gemixter...

News

Gordon & McPhail: Geschichte schmecken

Gordon & Mac Phail bringen einen der weltweit seltensten und ältesten Single Malt Whiskies auf den Markt - den 70 Jahre alten Glenlivet 1943.