Die besten Sekte aus Deutschland

Die Sekttradition wird heute von vielen Weingütern gepflegt.

© David Schoenen | imageBROKER | picturedesk.com

Die Sekttradition wird heute von vielen Weingütern gepflegt.

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»Fluxus«, sagt Carolin Bergdolt über ihren gleichnamigen Sekt, der bei der Falstaff-Verkostung die höchste Bewertung aller deutschen Schäumer davontrug, »Fluxus klingt nach Luxus, und das sind solche Weine ja auch. Und man denkt auch an »fliessen« und »im Fluss sein«, was ja ebenfalls zu Wein und Sekt passt.« – Da muss man natürlich nachfragen: Oder ist der Name auch eine Anspielung auf die Avantgarde-Bewegung »Fluxus«, die in den sechziger Jahren die Kunstszene aufmischte? »Kann schon sein«, lacht Bergdolt, der eine solche Assoziation sicher nicht fremd ist, war sie doch einige Jahre im Berliner Kulturbetrieb tätig, bevor sie das elterliche Weingut übernahm.

Da es den Fluxus-Künstlern darum ging, den Blick der Kunstwelt weg vom gegenständlichen Kunstwerk und hin zur künstlerischen Idee zu richten, ermöglicht der Name einen weiteren Brückenschlag zur Welt der Schaumweine: »Fluxus« stünde dann für die Idee der Schaumweinbereitung in traditioneller Flaschengärung, pur und mit Kreativität umgesetzt, unabhängig davon, ob später ein prestigereiches (Champagner-)Etikett auf der Flasche kleben wird oder nicht.

So gesehen, sind die neuen deutschen Sekte alle »Fluxus«: Es geht um die Idee des hochwertigen Schaumweins. Und diese Idee ist im Fluss, wird mal auf diesen Böden verwirklicht, mal auf jenen, mal mit Burgundersorten, mal mit Deutschlands stolzestem Eigengewächs, dem Riesling

Die eigene Welt des Riesling-Sekts

Die Ergebnisse gleichen immer häufiger wahren Kunstwerken, wie bei Caro Bergdolts staubtrocken-mineralischer Cuvée aus Pinot noir und Chardonnay. Oder auch bei den Rieslingsekten, die Mark Barth aus Hattenheimer Lagen gewinnt. Mit seinem 2014er Rieslingsekt aus der Hattenheimer Lage Schützenhaus ist Barth ein Wein gelungen, der Rieslingwürze mit perlender Finesse paart: Platz eins bei den deutschen Riesling-Sekten, geteilt mit dem für seine delikate Reife ebenso hoch bewerteten 2009er aus dem Wein- und Sektgut Bamberger aus Meddersheim an der Nahe. 

Aber wie kommt es denn, dass Barth ausgerechnet die Lage Schützenhaus mit ihrem schweren, tonigen Lösslehm für einen Lagen-Sekt gewählt hat, also ein ganz anderes Terroir als in der Champagne? Bath muss für die Antwort keinen Augenblick nachdenken: »Wir machen ja auch was ganz anderes, nämlich Riesling-Sekt!« 

In der Tat führt der Riesling-Sekt ein stilistisches Eigenleben: »Riesling hat eine viel stärkere Eigenaromatik als Burgundersorten«, erklärt Barth, »dadurch ist die Balance zwischen den Autolyse-Aromen der Hefe und dem Sortenaroma sehr viel schwieriger hinzubkommen«. Bei den besten Weinen des Falstaff-Tests ist diese Balance meisterhaft getroffen, wobei die Häufung an Sekten aus Jahrgängen wie 2013, 2014 und 2015 in der Spitzengruppe zeigt, wohin die Reise geht: ein mittellanges Hefelager von vier, fünf Jahren lässt Rieslingwürze mit einer Prise von champagnerhafter Brioche-Aromatik entstehen, bei jüngeren Sekten dominiert eher die Rieslingfrucht, bei älteren das unter dem Einfluss der Hefe entstehende Spiel aus Reduktion und Oxidation.

Das Sekt-Wunder gewinnt an Breite

Inzwischen wird immer sichtbarer, wie gross der Sog der Begeisterung ist, den Avantgardisten wie Volker Raumland, Mathieu Kauffmann und die Aldinger-Brüder in den letzten Jahren ausgelöst haben. Da Sekt ein notorisch langsames Geschäft ist – von der Idee bis zur physischen Verfügbarkeit eines hochwertigen Sekts vergehen in der Regel vier, fünf Jahre oder mehr – steht uns ganz sicher das Beste noch bevor. Aber auch die äußeren Fakten zeigen bereits, wie tiefgreifend der Wandel ist: Raumland wurde als erster reiner Sekt-Betrieb in den VDP aufgenommen, Kauffmann hat nach seinem Abschied von von Buhl gemeinsam mit Sophie und Steffen Christmann ein vielversprechendes neues Pfälzer Sektprojekt gegründet. Und last not least steht endlich jene halbsüße Industrieware aus Tankvergärung im Abseits, die sich aus unerklärlichen Gründen ebenfalls »Sekt« nennen darf.

»Wir sehen Sekt als Wein an und wollen auch ganz gezielt eine weinige Charakteristik«, stellt auch Mark Barth fest. Natürlich sei Sekt auch ein wunderbarer Aperitif, aber gerade bei den gehobenen Qualitäten empfehle er Sekt vor allem zur Speisenbegleitung: »Zu Fischgerichten, Meeresfrüchten, Lachs. Das kennt man. Aber probieren Sie einen Rieslingsekt auch mal zu einem Entrecôte ohne Sauce, das nur mit Salz und Pfeffer gewürzt ist. Das geht richtig gut.«

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