Konsument Sekt-Test schockiert Winzerszene 6 Kommentar(e)
»Auch wenn es Nobelwinzer und ihre Kunden nicht gerne hören: Qualität ist bei Sekt nach wie vor keine Frage des Preises. Im Gegenteil!« - damit wird dem Leser der aktuellen Ausgabe des Testmagazins »Konsument« der Einstieg in den Sekttest gegeben.
Klingt spannend? Ist es auch. Vor allem dann, wenn man von den eigentlichen Ergebnissen absieht und das Zustandekommen dieser hinterfragt.
Billigst-Produkt
Dass Sekt dieser Tage wohl das gefragteste Produkt im Supermarkt-Weinregal ist, steht außer Frage. »Mehr als 22 Millionen Flaschen Sekt werden in Österreich pro Jahr geleert. Und der Markt wächst weiter. Auch die Wirtschaftskrise ändert daran nichts«, stellen die Autoren des Sekttests fest. Umso besser, wenn man mit dem besten Sekt des vom Verein für Konsumenteninformation (VKI) durchgeführten Test bereits um weniger als zwei Euro die Korken knallen lassen kann. »Unter Sekt versteht man einen Qualitätsschaumwein«, wie viel »Qualität« sich allerdings in einem Produkt, das rund zwei Euro kostet befindet, ist fraglich. Wenn man Produktions- und Personalkosten, Verpackung und Transport abzieht, bleiben wohl nicht viel mehr als ein paar Cent übrig, die der Grundwein für ein solches Produkt gekostet haben kann.![]()
Experten, Laien und Labor-Angestellte
Und wer hat da überhaupt verkostet? Nach welchen Kriterien wurde bewertet? Das Verkostungspanel bestand laut Konsument aus Experten und Laien - beide waren zu je 40 Prozent am finalen Ergebnis beteiligt. Die amtliche Kostkommission vom Bundesamt für Weinbau in Eisenstadt stellte sechs Kostsachverständige, außerdem wurden pro Produkt rund 25 Laienurteile in die Bewertung mit einbezogen.
Profis und Laien in einem Panel? Wer etwas Erfahrung in Sachen Weinverkostung hat, der weiß, dass es sich dabei um ein unübliches Vorgehen handelt. Die Problematik bei einer Vermengung der Urteile von Laien und Profis ist, dass das Ergebnis ebenso nichtssagend ist, wie wenn man Äpfel und Birnen vergleicht. Daran ändert auch der Umstand nichts, dass »rund« 25 Laienmeinungen mit sechs Expertenbewertungen in ihrem prozentuellen Anteil an der Endnote gleichgesetzt werden. »Die Ergebnisse der Laien- und Expertenverkostung fielen teils sehr unterschiedlich aus«, heißt es in der Presseaussendung. »Der Testverlierer ›Rittsteuer Primus brut‹ konnte bei den Laien in punkto Geschmack beinahe die meisten Punkte einheimsen, während die Experten diesen unter die am schlechtesten bewerteten Sekte reihten.« - fasst man die Ergebnisse zusammen, heben sich diese gegenseitig auf. Ein sehr fragwürdiges Vorgehen, denn dadurch schwindet auch die Aussagekraft für den Konsumenten.
Zehn Prozent des Endergebnisses wurden durch die Herkunftsinformation bestimmt. Dafür wurden die Hersteller ersucht, den Produktionsort ihres Sektes und die Herkunft der verwendeten Trauben bekanntzugeben. Abgeschlossen wurde die Bewertung durch die Bezugnahme auf die chemische wie physikalische Analyse der Inhaltsstoffe, die weitere zehn Prozent des Endergebnisses ausmachte.
Interpretationsversuch
Zurück zum eigentlichen Testgegenstand - dem Sekt. 27 Produkte - der billigste 1,39 Euro und der teuerste 13,32 pro 750-ml-Flasche - der »Geschmacksrichtungen« (sic.!) trocken, extra trocken und brut wurden getestet. 23 Produkte erhielten ein prickelndes »gut« - darunter auch der alkoholfreie Light live -, drei bekamen ein »durchschnittlich« und als Schlusslicht wurde der Rittsteuer Primus brut mit »nicht zufriedenstellend« bewertet. 23 mal »gut«? Wo bleibt hier die Aussagekraft? ![]()
Während der Gesamtsieger, der Ritter Sekt trocken (bei Merkur) die Tester auf ganzer Linie überzeugte, findet sich der Favorit der Experten mit dem klingenden Namen »Monte Christo dry« (erhältlich bei Zielpunkt) auf Platz 10, unter anderem weil der Hersteller keine Angaben zur Herkunft der Trauben machte. Aber ganz ehrlich: Haben Sie beim Sektkauf schon mal bewusst darauf geachtet (am Etikett nachgelesen) woher die Trauben für den Sprudel kamen?
Die Top 3 des »Konsument«-Sekttests
1 Ritter Sekt trocken
Preis: € 1,94
Erhältlich bei: Merkur
Gesamtwertung: gut (77 von 100 möglichen Punkten)
Testurteil von »Konsument«: »Unser Testsieger. Ein Sekt aus Deutschland, der bei der Gesamtqualität im Spitzenfeld liegt. Sehr gutes Preis-Leistungs-Verhältnis.«
2 Winzerhaus Brut
Preis: € 3,99
Erhältlich bei: Hofer
Gesamtwertung: gut (75 von 100 möglichen Punkten)
Testurteil von »Konsument«: »Ein Sekt vom Diskonter. Hergestellt im Inland aus österreichischen Trauben. Gute Gesamtqualität. Kräftiges, lang anhaltendes Perlenspiel.«
3 MM Extra Sekt trocken
Preis: € 2,99
Erhältlich bei: Billa, Interspar, Merkur und Penny
Gesamtwertung: gut (74 von 100 möglichen Punkten)
Testurteil von »Konsument«: »Ein deutscher Sekt aus französischen, spanischen und italienischen Trauben. Gute Gesamtqualität. Kräftiges Perlenspiel.«
Falstaff verkostet
Vom Endergebnis hoffnungsfroh motiviert (endlich werden die privaten Ausgaben für Schaumwein sinken!), hat die Falstaff-Redaktion den Gesamtsieger sowie den Favoriten der Experten nachverkostet. Eines kann vorweg genommen werden: Die Produkte schmeckten nicht so schlimm, wie wir uns das vorgestellt haben. Aber vom Genuss der köstlichen österreichischen Winzersekte wird uns der Konsument-Test auch in Zukunft nicht abbringen. Hier unser Eindruck:
Ritter Sekt trocken (Gesamtsieger)
In der Nase Noten von Trockenfrüchten, Blüten, und etwas Birne. Am Gaumen schwach, kein weiniger Charakter, erinnert eher an Fruchtsaft mit Soda. Wenn die Kohlensäure sich nicht so schnell verflüchtigen würde.
Monte Christo dry
Fruchtig mit Nuancen von Steinobst und Blüten in der Nase, artifizielle Fruchtgummi-Aromen. Rustikale Perlage, die sehr schnell abbaut. Der fruchtige Eindruck wiederholt sich am Gaumen, flach, kaum Stuktur, schmächtiger Körper, kurz.
Anmerkung: Die Vorweihnachtszeit lässt auch die Preise steigen. Hat der Ritter Sekt trocken laut »Konsument« zum Testzeitpunkt noch 1,94 Euro gekostet, mussten wir bereits 2,19 Euro bezahlen.
Falstaff-Tasting: Die besten Schaumweine aus Österreich
(Degen/Topitschnig)
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Der Test beweist nur, dass Laien billige Weine / Schaumweine bevorzugen, und "Experten" die teueren Exemplare.
Wo steht eigentlich geschrieben, dass ein teurer Wein jedem auch besser schmecken muss?
Ich kenne genügend Leute die einfache, fruchtige Weine mehr bevorzugen, als die komplexen und kräftigen Vertreter.
Teilweise kommt es mir sogar vor, dass einige am liebsten einen „Brombeersaft mit Alkohol“ lieber haben würden, als z.B.: einen anständigen Blaufränkisch.
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