Travelguide Tegernsee

Das türkise Wasser des Sees, Wälder auf den Hängen, Kirchen, deren Türme in den Himmel stechen, so idyllisch ist der Tegernsee.

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Das türkise Wasser des Sees, Wälder auf den Hängen, Kirchen, deren Türme in den Himmel stechen, so idyllisch ist der Tegernsee.

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Wenn es einen Ort gibt, mit dem Ausländer ihr Bild von Deutschland beschreiben sollten, ein Tegernsee-Panorama läge wohl weit vorn: die Holzhäuser mit blumengeschmückten Balkonen, das türkise Wasser des Sees, Wälder auf den Hängen, Kirchen, deren Türme in den Himmel stechen. Wer von hier kommt, trägt sonntags gern Tracht, und wer zugezogen ist, egal ob aus Hamburg, Köln oder Gelsenkirchen, der hat zumindest eine im Schrank.

Keine Frage, es ist ziemlich idyllisch hier. Nationaltorwart Manuel Neuer hat gerade neu gebaut, FC Bayern-Präsident Uli Hoeneß wohnt schon lange hier, wie auch etliche andere Menschen, für die Geld nicht die größte Sorge ist. Das Städtchen Rottach-Egern ist so etwas wie das Zentrum der Seebewohner – es dürfte wenig andere Orte mit so hoher Juweliersdichte in Deutschland geben. Auch die Zahl an guten Restaurants ist hoch – und wird in Zukunft weiter steigen. Spitzenkoch Christian Jürgens, der auf einer Bank am See (»Welche, ist geheim!«) das erste Mal seine spätere Frau geküsst hat, hält seit 2013 drei Sterne. Das Seehotel, in dem sich sein Restaurant »Überfahrt« befindet, gehört zu den luxuriösesten Hotels Deutschlands, und die Küche ist eine zauberhafte Mischung aus herzerwärmender Regionalküche und der weiten Welt.

Jürgens kombiniert zarte Rotbarbe mit Oliven, Fenchel und Amatriciana-Sud, er verbindet Milchferkel mit Spitzmorchel und Sherry. »Der See bietet mir noch immer Inspiration«, sagt er. Etwa für die Präsentation des Aperitifs: Er baut die Eichen des Seeufers mit Bonsaibäumen nach und füllt die Eicheln mit Brathähnchenmousse oder Auberginenrelish. Sein Gang »Die Kiste« ist mittlerweile ein Klassiker: ein Kartoffelwürfel, der mit Eigelb gefüllt ist, trifft auf eine Trüffelmousseline vom Perigord und einen Trüffelsalat mit Madeirasauce. Wenn diese Aromen im Mund verschmelzen, sollen manche sogar den idyllischen See vergessen.

Könnte man für Kitsch halten, sieht aber wirklich so aus: malerischer Blick vom Ufer des Tegernsees.
Könnte man für Kitsch halten, sieht aber wirklich so aus: malerischer Blick vom Ufer des Tegernsees.

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Nur 600 Meter weiter kocht ein Mann, der erst kürzlich in seine Heimat zurückgekehrt ist. Thomas Kellermann kommt aus einem Dorf ganz in der Nähe, hat aber sein Berufsleben bislang an anderen Orten Deutschlands verbracht: auf Sylt, in München und zuletzt zehn Jahre in der Oberpfalz. Den Tegernsee kennt er noch gut vom Mountainbiken, als er in seiner freien Zeit als Souschef des Münchner »Tantris« nach einer langen Tour aus 1500 Metern Höhe ungebremst auf dem Fahrrad in den See hineinrauschte. Sind Sie nicht vorher abgestiegen, Herr Kellermann? »Nein, direkt hinein«, sagt er, »das gibt dir ein Gefühl von Freiheit!«

Kellermann hat im Juni die Küchenleitung der Egerner Höfe von Vorgänger Michael Fell übernommen – und er hat einiges vor. Ein Wettrüsten gegen Christian Jürgens weist er zwar von sich – »Ich sehe das eher als Miteinander« –, aber die Gäste der Region werden am Ende auf jeden Fall profitieren, wenn die zwei Alpha-Köche vor Ort ihre Ideen präsentieren. Am 16. Juni hat die »Dichterstub’n«, das Gourmetrestaurant der Egerner Höfe, nach den Vorstellungen von Kellermann neu eröffnet. Das große Menü stand erst nach Redaktionsschluss fest, doch hat Kellermann Falstaff schon einen kleinen Einblick in seine Pläne gewährt.

Gourmettempel am Tegernsee

Sein Fokus, sagt er, liege auf einfachen Viktualien. »Das kann ein Kohlrabi sein, eine Seeforelle, eine Rote Bete – die Region ist immer der erste Schritt.« Doch wie er die Zutaten schließlich mit Aromen aus allen Ländern zusammenstellt, das zeugt von großer Kunst. Etwa das Rindermark mit Rhabarber: Gebeiztes Rindermark, das er im Anschluss grillt, setzt er mit einer Pernod-Fenchel-Anis-Creme zusammen, fügt Ochsenschwanz­ragout und ein Stück fruchtig eingelegten Rharbarber hinzu. Obenauf ein Gewürzchip aus schwarzem Pfeffer und Kreuzkümmel, fertig ist eine halbe geschmackliche Weltreise.

Doch auch abseits der Haute Cuisine haben sich viele gute Köche rund um den See etabliert, die das Niveau hoch halten. Beliebtes Ausflugsziel bei Münchnern ist etwa Gut Kaltenbrunn in Gmund am Nord- ufer des Sees. Lange geschlossen, hauchte Caterer Michael Käfer dem Gasthof vor drei Jahren neues Leben ein. Weiter südlich wartet der »Voitlhof zum Zotzn« – Pflichtprogramm für jeden, der die klassische Biergartenküche nicht missen möchte: Eine Scheibe Schweinekrustenbraten, dazu ein Helles, und der (Kurz-)Urlaub beginnt sofort. Und wenn eine solche Tour müde gemacht hat? Ist doch klar, ein Sprung ins kristallklare Wasser des Sees hilft immer. Wahlweise kann man sich auch in eines der Hotels fallen lassen. Die Träume können an diesem Ort nur gut werden.

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Falstaff Nr. 05/2018
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