Long Weekend Capri: Luxus, Liebe und Limonen

I Faraglioni heißen die vier Felsnadeln vor der Südostspitze Capris – ein Anblick, der bereits den römischen Kaiser Tiberius (Statue) begeisterte.

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I Faraglioni heißen die vier Felsnadeln vor der Südostspitze Capris – ein Anblick, der bereits den römischen Kaiser Tiberius (Statue) begeisterte.

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Freitag

Ein spätes Mittagessen könnte sich aus­gehen. Wenn wir den Austrian-Airlines-Direktflug nach Neapel nehmen, mit dem Taxi vom Airport zum Hafen eilen und dort in einen der pfeilschnellen Aliscafi springen, landen wir um 13 Uhr im stets quirlig brodelnden Hafen Marina Grande. Zehn Minuten später sitzen wir auf der Terrasse des Hotels »J. K. Place«, blicken über den Golf von Neapel auf den Vesuv und tauchen die Gabel in einen sonnengelben Knäuel Scialatielli al sugo di calamaro (handgemachte Pasta mit Tintenfischsugo), wie sie der Küchenchef Eduardo Estatico so meisterhaft zubereitet. Allerdings müssten wir uns dafür ein bisschen hetzen, und genau das sollten wir nicht tun, nicht hier in der Urheimat der Lebenskünstler und des »Chi te lo fa fa’«? – was so viel wie »Wer zwingt dich dazu?« bedeutet und rund um Neapel als eine Art Mantra der Gelassenheit verwendet wird.

Für unseren Aufenhalt haben wird das »Hotel Punta Tragara« gewählt, auf der Südseite der Insel mit Blick auf die berühmten Faraglioni-Felsen. Die Verlockung wäre groß, den Rest des Tages einfach auf einer der Terrassen am Pool zu verbringen. Wir aber schlendern nach einem kurzen Sprung ins Wasser zurück in den Ort Capri, halten auf dem Weg dorthin vor dem grün gestrichenen Kiosk von Insel-Original Maria, die den ganzen Tag lautstark »O sole mio« schmettert, und nehmen eine frisch gepresste Zitronenlimo. Nach ein paar weiteren Minuten zu Fuß sind wir in der Via Camerelle mit ihren internationalen Nobelboutiquen, zwischen denen sich aber auch ein paar lokale Edel-Handwerksbetriebe behauptet haben. Zum Beispiel der Schuhmacher Canfora, dessen Sandalen schon an Jacky Kennedys Füßen so elegant wirkten. Oder der Juwelier Chantecler gleich um die Ecke in der Via Vittorio Emanuele, jener Straße, die uns schließlich ins Zentrum des Ortes Capri führt, auf die Piazzetta. Jetzt, am späteren Nachmittag, sind die Tagestouristen schon wieder fort, wir finden also Platz in der (nein, natürlich vor der) »Bar Tiberio«, der »Al Piccolo Bar«, dem »Gran Caffè« oder dem »Caffè Caso«.

Abends muss es unbedingt das »Ristorante da Paolini« sein: Man sitzt unter großen, duftenden Zitronenbäumen, holt sich nach Herzenslust vom Antipasti-Büfett, bis man irgendwann dem Cameriere winkt, jetzt die Pescatrice al forno con carciofi (Seeteufel mit Artischocken) zu bringen und noch eine Flasche Falanghina dazu.

Samstag

Sonne und Meer tankt man am besten im »Beach Club La Fontelina«. Das dazugehörende Restaurant hat nur mittags offen.
Sonne und Meer tankt man am besten im »Beach Club La Fontelina«. Das dazugehörende Restaurant hat nur mittags offen.

Foto beigestellt

Den Samstag verbringen wir am Meer, und zwar im exklusiven »Beach Club Fontelina«. Wirkliche Strände gibt es ja kaum auf dieser schroffen Felseninsel. Für den Beach Club wurden einige Stellen zwischen dem zerklüfteten Kalkgestein geglättet, mit Liegen und Schirmen ausgestattet, eine stählerne Leiter führt ins grünlich schimmernde Wasser. Das dazugehörende Restaurant, das nur mittags offen hält, hat sich mit köstlich leichten Fischgerichten einen Namen gemacht, aber wir begnügen uns mit ein paar frisch geöffneten Austern und einem Glas Champagner.

Für das Dinner entscheiden wir uns schweren Herzens gegen das »L’Olivo«, das mit zwei Michelin-Sternen höchstbewertete Restaurant Capris, verzichten auf den legendären Coniglio all’ischitana (geschmortes Wildkaninchen) von Starkoch Andrea Migliaccio und lassen uns mit dem Boot zum Lido del Faro bringen. Ein Ort für Verliebte: Erst versinkt die, ja genau, rote Sonne im Meer, danach glitzert die einsame Bucht feierlich still in der Dämmerung, bis sich der Mond über den elegant gedeckten Tischen erhebt. Hoch oben blinkt der namensgebende Leuchtturm, und die zart gedämpfte Pezzogna (eine Zahnbrassenart) schmeckt so überirdisch, dass man beschließt, ein besserer Mensch zu werden.

Zurück nach Hause nehmen wir den Landweg, der führt uns nämlich wieder auf die Piazzetta (die offiziell eigentlich Piazza Umberto I heißt) zur »Pulalli Wine Bar«. Einen Platz am einzigen Tischchen auf dem kleinen Balkon über dem Platz darf man sich nicht erhoffen, aber auch der Blick von der Terrasse und sogar von der Bar ist fantastisch, und die Auswahl an edlen Gewächsen aus allen Winkeln Italiens macht wirklich Freude.

Sonntag

Anacapri, der Ort am höchsten Punkt der Insel, wartet noch auf einen Besuch. Auf dem Weg dorthin könnten wir anstelle des Frühstücks im Hotel die eine oder andere Pasticceria erkunden. Die »Buonocore Gelateria« zum Beispiel, eigentlich berühmt für ihr Eis, oder »Da Alberto« in der Via Roma, wo es gute Brioche und Plunderteig-Cornettini gibt – und natürlich die Torta Caprese, den saftigen Schokolade-Mandel-Kuchen. Genau die richtige Grundlage für einen Spaziergang durch den Garten der Villa San Michele mit seinen üppigen Blumen und dem süßlichen Duft nach Jasmin, Bougainvilleen und Myrten.

Seefahrer-Utensilien im »Ristorante Il Riccio«. Darüber hängen wie bei Mamma Knoblauch und Peperoncini.
Seefahrer-Utensilien im »Ristorante Il Riccio«. Darüber hängen wie bei Mamma Knoblauch und Peperoncini.

© Guido Fua

In Anacapri kann man auch an heißen Sommertagen stille Gassen und verträumte alte Häuser finden, außerdem ein paar beeindruckende Restaurants wie das in einem Weingarten (ja, tatsächlich) gelegene »Da Gelsomina« oder das schicke »Il Riccio« direkt oberhalb der Blauen Grotte. Blau ist auch der Riccio Spritz, der dort auf der an das Achterdeck eines Kreuzfahrtschiffs erinnernden Terrasse als Aperitivo kredenzt wird. Zum Lunch (pardon, zum Pranzo) kehren wir im angeblich ältesten Restaurant der Insel ein, dem wundervoll heimeligen »Aurora«, wo als besondere Spezialität die Pizza all’acqua gebacken wird, ein himmlisch leichtes Stück Teig, belegt nur mit Mozzarella, Peperoncino und Basilikum. Das sind die Aromen, die wir mit nach Hause nehmen wollen. Na ja, ein Espresso zum Abschluss hat auch noch Platz.

Aus dem Falstaff-Magazin 05/2017

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Reiseorganisation Elfi Baumann
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8700 Leoben
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Falstaff Nr. 05/2017
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