Gargano: Wir geben uns den Sporn!

Die Altstadt von Vieste, auf Kalksteinfelsen weit in die Adria hinausgebaut, ist eine von vielen Attraktionen am Sporn des italienischen Stiefels.

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Die Altstadt von Vieste, auf Kalksteinfelsen weit in die Adria hinausgebaut, ist eine von vielen Attraktionen am Sporn des italienischen Stiefels.

Die Altstadt von Vieste, auf Kalksteinfelsen weit in die Adria hinausgebaut, ist eine von vielen Attraktionen am Sporn des italienischen Stiefels.

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Man kann verstehen, dass sich der Erzengel Michael ausgerechnet diese Gegend ausgesucht hat, um im Jahr 492, nur wenige Jah­re nach dem Untergang des römischen Imperiums, einen Stier zu retten und den Gläubigen zu bedeuten, dass sie ihm genau hier eine Pilgerstätte errichten sollten: Der Gargano, die Gegend, die man vom Kartenlesen als den Sporn Italiens kennt, ist einer der landschaftlich wohl schönsten Flecken überhaupt. Die Normannen als Eroberer des südlichen Italiens verloren denn auch keine Zeit, um in Monte Sant’Angelo dem Anführer der himmlischen Heerscharen eine einzigartige, in schieren Fels gehauene Grottenkirche zu erbauen. Wer San Michele, die von außen nur durch einen achteckigen Turm als Kirche zu erkennen ist, betritt, dem werden der Legende nach alle Sünden vergeben.

Die unbekannte Perle der Adria

San Michele wäre allein schon ein Grund, den Gargano zu besuchen. Hier aber gibt es noch ganz andere, in den Fels gehauene Wunder zu besuchen. Der Trabucco da Mimi nahe der Küstenstadt Peschici ist so eines – eine alte, gut vierzig Meter über dem Meer spektakulär mitten in die Felsenklippe gehauene Fischerhütte, von der aus bis heute die Netze in die azurblauen Tiefen herabgelassen werden, um dem Meer seine Schätze zu entreißen. Heute ist die Hütte aber auch eines der vielleicht schönstgelegenen Restaurants der Welt, in dem man fangfrische, für jede Portion frisch aus der tief unten tobenden Gischt mittels Körben heraufgeholte Meeresfische als klassisches »Crudo« genießen kann. Der Zugang über eine enge, schwindelerregend steile Treppe würde hierzulande niemals genehmigt werden, in Italien aber weiß man bekanntlich besser, dass wahre Schönheit nicht immer mit den Buchstaben des Gesetzes vereinbar sein muss.

Wenn Mimi sein Holzfeuer anheizt, um die Glut für seine zur Perfektion gegrillten Orate, Spigole und anderen Prachtfische zu generieren, dann verwendet er einen mittels Schwungrad betriebenen Blasebalg, den die amerikanischen Truppen bei der Befreiung Italiens von den Faschisten zurückgelassen haben – »das Beste für die Glut, das ich je gesehen habe«, wie er versichert. Und tatsächlich: So makellos knus­prig außen, so vor Saft berstend innen hat man die Goldbrassen noch kaum je genießen dürfen.

Ombrelloni, Lettini, ein g'schaftiger Bademeister

Zwischen den wild zerklüfteten Klippen, ­an die sich immer wieder uralte Städte wie das romantische Vieste schmiegen, öffnen sich bezaubernde kleine Buchten mit feinem Sandstrand und der klassisch italienischen Badekultur: Ombrelloni, Lettini, ein g’schaftiger Bademeister, der für ein kleines Trinkgeld gern gekühlte Getränke oder brennheißen Espresso zum Sonnenschirm bringt. Im Landesinneren lockt ein Na­tionalpark mit prachtvollem, mediterranem Wald Wanderer und Radfahrer und an der Küste gibt es Meeresfrüchte sonder Zahl zu genießen. Die anderswo selten gewordenen Tartufi di mare etwa, eine Seescheiden-Art mit ledrig-faltiger Oberfläche, werden ob ihres explosiv jodigen Fleisches als besondere Delikatesse von Kennern gesucht. Seeigel oder Ricci di mare ­lieben die Italiener ob ihrer Gonaden, die auf wundersame Weise bei aller meeres­frischen Intensität auch ein wenig an den Geschmack von Mangos erinnern. Venus­muscheln gibt es ebenfalls roh oder, wie gewohnt, mit Weißwein gekocht auf ­Spaghetti.

Die zerklüftete Küstenlandschaft gibt immer wieder charmante kleine Buchten mit makellos feinem Sandstrand frei.
Die zerklüftete Küstenlandschaft gibt immer wieder charmante kleine Buchten mit makellos feinem Sandstrand frei.

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Wein können sie am Gargano auch

Auch der Wein, speziell jener von renommierten Gütern wie dem Biobetrieb Cantine Losito, hat in den letzten Jahren markant an Profil gewonnen. Falanghina und Fiano sind würzige, frische Weiße, die keineswegs nur als Speisenbegleiter taugen. Die autochthonen Roten wie Nero di Troia begeistern mit vielschichtigen, frischen Aromen von Brombeeren, Johannisbeeren, Veilchen und Gewürzen.

Dank guter Flugverbindung ist der Sporn des Stiefels via Bari ideal erreichbar. Und das vielleicht Angenehmste: Die Touristen hier sind fast ausschließlich Italiener. Das sorgt für amikale Atmosphäre und nicht zuletzt für beständig hohe Qualität gerade auch der einfachen Restaurants.

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