Dolce Vita auf der Deutschen Weinstraße

Sonnenaufgang in der Pfalz – die besten Weinberge liegen an sanften Hängen am Rand des Pfälzer Walds.

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Sonnenaufgang in der Pfalz – die besten Weinberge liegen an sanften Hängen am Rand des Pfälzer Walds.

Sonnenaufgang in der Pfalz – die besten Weinberge liegen an sanften Hängen am Rand des Pfälzer Walds.

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Dieses Detail sagt eigentlich schon fast alles: Die Pfälzer Weinstraße ist so bedeutend, dass sie den Namen »Deutsche Weinstraße« trägt. Denn ganz Deutschland schmückt sich gerne mit der beispielhaften Herzlichkeit und Genussfreude der Pfälzer.

Sage und schreibe 600 verschiedene Weinfeste waren im Jahr 2020 entlang der 85 Kilometer zwischen Bockenheim im Norden und der Elsässer Grenze bei Schweigen-Rechtenbach geplant. Bevor Corona kam.

Doch man darf darauf wetten, dass sich die findigen Pfälzer auch mit den Bedingungen des Infektionsschutzes arrangieren und dennoch fröhlich das eine oder andere Glas heben werden. Nichts wie hin!

Nordpfalz: Land des Kalks

Der Weinbau der Pfalz beginnt schon etwas weiter nördlich als die Weinstraße, nämlich im Zellertal mit seinen berühmten Muschel­kalkböden.

Hier kann man im Örtchen Nie­fernheim stilvoll im Freien oder – je nach Witterung – auch in einer umgebau­ten Scheune speisen: Donnerstags und freitags öffnet mit dem Weingut Bremer ein Weingut seine Türen, dessen Händchen für die Burgundersorten bestens bekannt ist.

Eine nicht minder weinselige und kulinarisch solide Adresse findet man – dann bereits am Verlauf der Weinstraße – in Bissersheim in »Knipsers Halbstück«. Ein ­prima Ort, um auch ein paar gereifte Knipser-Weine zu probieren. Wer danach noch Kapazitäten hat, auf den wartet mit dem Weingut Wageck nur ein paar Schritte weiter schon die nächste Top-Adresse für eine hochwertige Verkostung.

Auch in Großkarlbach im Restaurant »Karlbacher« wird weinfreundlich gekocht, wenngleich eher in der getragenen Tonalität der Sternegastronomie: Aber auch zum Steinbuttfilet mit wildem Brokkoli oder zum Hummermedaillon auf grünem Spargel wird sich ein passender Wein aus Pfälzer Produktion finden. Und wenn es doch lieber ein Champagner sein soll – auch gut, die Pfälzer sind liberal.

Sterne- und gutbürgerliche Küche

Generell ist die Sternedichte in diesem Teil Deutschlands ausgesprochen hoch. Entlang der Weinstraße zählt man nicht ­weniger als acht vom Michelin ausgezeichnete Restaurants. Doch auch das kulinarische Fundament ist stabil: In Hülle und Fülle gibt es gutbürgerliche Restaurants und Landgasthöfe, die mit Freude und Stolz die Frische ihrer Produkte und das handwerkliche Können bei deren Zubereitung in den Vordergrund stellen.

Diese gastronomische Exzellenz ist auch einer der wesentlichen Gründe dafür, dass der Strom an immer noch raffinierteren Pfälzer Weinen niemals zu versiegen scheint.

Ein gutes Beispiel für weinaffine Pfälzer Lokalküche bietet das »Weinhaus Henninger« in Kallstadt. Traditionelle Gerichte und ein gemütlicher Gastraum gehen Hand in Hand mit hellen, auf unaufgeregte Weise modernen Gästezimmern, Weinverstand und großer Gastfreundlichkeit. In fußläu­figer Nähe gibt es das Weingut Koehler-Ruprecht, und im Nachbarort Freinsheim ist das Weingut Rings eine gute Adresse.

Sti­listisch könnte es kaum unterschiedlicher sein, was die beiden Betriebe aus der Spitzenlage Kallstadter Saumagen holen – aber beides sind ausgesprochen genussreiche Facetten der Pfalz.


Forst und Deidesheim

Das Herz der Mittelhaardt schlägt in den Orten Wachenheim, Forst und Deidesheim. In Wachenheim besitzt die Metzgerei Hambel Kult-Status für ihre Würste – und vor allem für ihre Variationen vom Saumagen.

Vis-à-vis dem kleinen Ladengeschäft kann man auch im gleichnamigen Restaurant Platz nehmen und sich Pfälzer Fleschknepp mit Meerrettichsauce oder andere bodenständige Kost schmecken lassen.

Auch die Vinothek von Bürklin-Wolf im Englischen Garten des Weinguts lohnt einen Besuch, oder das Weingut Zimmermann, das eine ebenso schmackhafte wie komplette Reihe von Rieslingen aus Wachenheimer Einzellagen im Sortiment führt.

Forst ist ein Kosmos für sich. Nach einem Spaziergang einmal rund um das Kirchenstück, die teuerste Einzellage der Pfalz, ist die Weinprobe in einem der alteingesessenen Weingüter Pflicht, etwa bei Acham-Magin oder Mosbacher, oder auch – etwas außerhalb des historischen Ortskerns – bei den jungen Inhabern des Weinguts Margarethenhof.

Im Weingut Heinrich Spindler lässt sich die Verkostung mit einer Rast im Gutsausschank gleich nebenan verbinden – bei gutem Wetter im Garten am Fuß des Forster Ungeheuer. Im romantisch-verträumten Forst heißt es vor allem noch einmal Ruhe tanken, bevor man sich in den Nachbarort Deidesheim stürzt.

Dort steht mit den Weingütern Bassermann-Jordan, von Winning und von Buhl ein exquisites Trio auf dem Verkostungsplan, aber auch der Winzerverein Deidesheim lohnt einen Besuch.

Deidesheim hat eine Reihe ausgezeichneter Hotels und Restaurants: vom »Deidesheimer Hof« über den »Ketschauer Hof« (zu Bassermann-Jordan gehörig) bis zum »Kaisergarten« (von Winning) reicht die Reihe der Hotels, die alle auch ein Restaurant (oder sogar mehrere) ihr Eigen nennen. Im Weingut Biffar lässt Inhaberin Fumiko Tokuoka in ihrem Restaurant »Fumi« japanische Küche servieren – ein willkommener Kontrapunkt zur gehaltvollen Pfälzer Küche.

Südpfalz

Bewegt man sich von Deidesheim südwärts, hält die Perlenkette der Dörfer noch viele Schätze bereit: In jeder einzelnen der Ortschaften Ruppertsberg, Königsbach, Gimmeldingen, Haardt und so weiter könnte man problemlos einen ganzen Tag beim Wein verbringen.

Doch auch die Südpfalz, in die es uns nun zieht, hat ihre Reize: Der um Forst und Deidesheim vorherrschende Buntsandstein weicht hier dem Kalk, und bei Siebeldingen und Burrweiler tritt sogar Schiefer zutage.

Die beste Einführung in die Weinwelt ­der südlichen Weinstraße bekommt man ­in der Stadt Landau, wo eine Gruppe von Winzern die regionale Vinothek »Par Terre« eingerichtet hat. Die Weine von rund 60 Betrieben der Gegend stehen zur Verkostung und zum Kauf bereit. Auch für kleine Häpp­chen ist gesorgt, um sich vor der Weiterfahrt heraus aus der Stadt zu stärken.

Ein erster Anlaufpunkt kann der Ort Rhodt unter Rietburg ein klein wenig nördlich von Landau sein, dessen Ortskern ein wahres Postkarten-Idyll ist.

Unter den zahlreichen guten Weingütern ist jenes von ­Herbert Heußler ganz besonders bemerkenswert, denn dieser Winzer arbeitet seit eh und je mit dem Pferd – nicht erst, seit dies in jüngster Zeit wieder in Mode kam. 70.000 Liter Diesel habe er in den letzten 15 Arbeitsjahren eingespart, sagt Heußler. Mit etwas Glück kann man ihn oder seinen Sohn Christian auch im Einsatz mit Kaltblut Rico erleben.

Auch hier ist die Dichte an hervorragenden Weinbaubetrieben enorm, nennen wir nur Rebholz in Siebeldingen, Minges in Flemlingen, Siegrist in Leinsweiler und Münzberg in Godramstein. Ein weiterer Magnet ist der Ort Ilbesheim mit seinem Grand-Cru-Berg Kalmit. Mit den Weingütern Kranz und Jürgen Leiner stehen hier zwei Bio-Betriebe allererster Kategorie für Besucher offen. Highly recommended!

Weingut und Boutiquehotel

Hoch über Burrweiler lohnt das Wein­gut Sankt Annaberg samt Restaurant der Familie Lergenmüller einen Besuch. Victoria Ler­genmüller unterhält hier ein kleines, aber feines Weingut und erzeugt zum Beispiel fulminant würzigen Riesling aus der Lage Burrweiler Schäwer.

Im zugehörigen Gutsrestaurant sitzt man wie auf einem Hochsitz mit Blick über die Weinberge und weit hinab in die Rheinebene. Kulinarisch kann man mit schottischem Wildlachs oder Pôt-au-feu à la Paul Bocuse eine internationale Richtung einschlagen oder sich auf die Wildgerichte aus eigener Jagd hin ori­entieren – den passenden Wein zum Gericht wird man auf der »Sankt Annagut«-Karte ohne Mühe finden.

Da das Haus zugleich Boutiquehotel ist und über moderne, stilvoll renovierte Gästezimmer verfügt, muss man sich bei all diesen Genüssen um seinen Führerschein keine Sorgen machen.

Burgunder-Eldorado der Pfalz

Den südlichen Schlusspunkt der deutschen Weinstraße bildet der Ort Schweigen-Rechtenbach. Hier, direkt an der deutsch-französischen Landesgrenze, liegt das Pfälzer Burgunder-Eldorado: Mit den Weingütern Friedrich Becker, Bernhart, Jülg und Nauerth-Gnägy freut sich ein wahres Kleeblatt an Burgunder-Spezialisten auf den Besuch neugieriger Weinfreunde. Und man muss nicht bei flüssiger Nahrung bleiben, auch für das leibliche Wohl ist bestens gesorgt, denn die »Weinstube« der Familie Jülg ist geradezu legendär.

Zu den hauseigenen Weinen, die sich inzwischen zur Gebietsspitze rechnen können, kommt deftige Hausmannskost auf den Tisch: warme Rippchen mit Sauerkraut, Leberknödel und Straßburger Wurstsalat. Wer hier seinen Hunger und seinen Durst gestillt hat, wird es ohne jeden Zweifel bedauern, dass die Deutsche/Pfälzer Weinstraße nach nur 85 Kilometern schon zu Ende ist.

Der beste Weinbergder Pfalz: das Forster Kirchenstück direk tbei der KircheSankt Margareta.

© Dominik Ketz

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