Alpenwein: Weinwandern im Wallis

Alpenwein par excellence: Weinberge bei Chamoson, umrahmt von hohen Gipfeln.

© Christian Pfammatter

Alpenwein par excellence: Weinberge bei Chamoson, umrahmt von hohen Gipfeln.

Alpenwein par excellence: Weinberge bei Chamoson, umrahmt von hohen Gipfeln.

© Christian Pfammatter

Es geht bergauf. In Serpentinen schlängeln wir uns in Richtung Lötschberg-Basistunnel und kaufen uns an der Kasse das Ticket für den Autozug. Nachdem die Handbremse angezogen ist, ruckelt es leicht, der Zug setzt sich in Bewegung, und wir fahren hinein in den stockfinsteren Tunnel, der getrost als Eintrittspforte in die Unterwelt durchgehen könnte. Umso erleichternder das Licht, das uns am Ende erwartet, wir müssen unsere Augen kurz bemühen, aber dann sind wir endlich da, im Wallis, auf dem Weg zu unserer ge­nüsslichen Weinwandertour. Unsere erste Station ist Visp, das kleine Städtchen an der Mündung von Vispa und Rhône. Dort am Bahnhof beginnt unsere Wanderung mit Ziel Visperterminen, auch Heidadorf genannt. Auf 1150 Metern über Meer befindet sich hier der höchste Weinberg Europas.

Alpines Weinbaudorf

Zunächst geht es durch die malerische Altstadt Visps mit ihren engen Gassen, bevor wir die ersten Rebstöcke am Ufer der Vispa erreichen. Im Zickzack wandern wir entlang des Berghangs und der von kilometerlangen Trockensteinmauern getragenen Rebterrassen, immer den gelben Infotafeln nach, die die Geschichte des Weinbaus erklären. Nachdem wir die etwa 500 Höhenmeter bezwungen haben, erreichen wir weiter südlich das Dorf Visperterminen mit seinen romantischen Bergchalets.

Hier angekommen, geniessen wir zunächst die wunderschöne Aussicht auf das Vispertal und die umliegenden schneebedeckten Berggipfel. Die Rebberge von Visperterminen werden heute von Hunderten Teilzeitwinzern bewirtschaftet, die kleine Parzellen pflegen, die über Generationen weitervererbt wurden. Der grösste und wichtigste Produzent ist die St. Jodern Kellerei, die sich in Unterstalden, knapp einen halben Kilometer südlich der Rebterrassen, befindet. Neben der Rebsorte Heida sind vor allem die Weine der Rebsorte Johannisberg von gutem Ruf.

Von Sierre nach Salgesch

Als Nächstes ruft uns Sierre, das von den Wallisern gerne als Hauptstadt des Schweizer Weins bezeichnet wird. Unser Ziel: Salgesch. Der Ausgangspunkt unserer Weinwanderung liegt beim Château de Villa. Wer sich eine Stärkung zum Start gönnen möchte, sollte auf keinen Fall das Restaurant im Schlösschen verpassen, denn kaum sonst wo im Wallis wird das Nationalgericht der Region – das Raclette – derart zelebriert. Nach der Stärkung geht es los, entlang der 80 Hinweistafeln, die uns dezidierte Informationen über Rebsorten, Geschichte und Weinbau liefern. Gegen Ende der Wanderung machen wir einen Abstecher in die wildromantische Schlucht der Raspille. Hier befindet sich die Sprachgrenze zwischen dem Französisch sprechenden und Deutsch sprechenden Teil des Wallis. Unsere Wanderung endet beim historischen Zumofenhaus in Salgesch. Wer Winzer besuchen möchte, wird in dem renommierten Weinbaudorf fündig. Hier sitzen einige prestigeträchtige Häuser, darunter beispielsweise Adrian & Diego Mathier.

Hoch über Martigny

Oberhalb von Martigny werden seit Generationen Reben kultiviert. Die Terrassen sind so steil, dass sie nur von Hand bearbeitet werden können, eine Herausforderung für die Winzer – und unser Glück, denn unsere Rundwanderung hier ist einfach traumhaft. Wir überqueren den Nebenfluss Dranse über eine historische Holzbrücke und folgen der Strasse rechts, um zur mittelalterlichen Burg La Bâtiaz zu gelangen. Damit wir die Gegend aus der Vogelperspektive bet­rachten können, steigen wir den Burgturm hinauf. Hier erwartet uns ein einmaliges Panorama.

Anschlies­send geht es durch die Rebterrassen. An der Strasse zum Col de la Forclaz erreichen wir den höchsten Punkt unserer Wanderung. Nun geht es hinab in das urchige, mit seinen traditionellen Holzchalets mitten in den Reben gelegene Dörfchen Plan Cerisier. Eines der Chalets wurde zum «kleinsten Museum der Schweiz» umgestaltet. Hier finden regelmässig Ausstellungen regionaler Künstler statt. Wir gönnen uns eine Verschnaufpause, bevor wir unseren Rückweg entlang der Dranse zurück ins Städtchen Martigny auf uns nehmen. Auch hier lassen sich nach Voranmeldung diverse Winzer besuchen, unter anderem Gérald Besse, der seit Jahren zur Winzerelite des Wallis gehört.


Tipps abseits der Wege

Weinbaumuseen Salgesch/Sierre
An gleich zwei Ausstellungsorten können Weinliebhaber in die Weinhistorie des Oberwallis eintauchen. In Salgesch gibt es eine Dauerausstellung, in Sierre werden wechselnde Ausstellungen gezeigt.
museeduvin-valais.ch  

Walliser Alpentherme
Nach einer anstrengenden Wanderung der perfekte Ort, um von Bergriesen umgeben auszuspannen. Das Bad wird von alpinen Quellen versorgt.
alpentherme.ch


Weinwanderwege

Wanderwege sind im Wallis überall und reichlich vorhanden. Für Weininteressierte besonders attraktiv ist der Heidaweg – ein Themenweg vom Talgrund des Rhônetals zu den höchsten Weinbergen Europas in Visperterminen. Für Familien empfiehlt sich der rund 7,5 Kilometer lange Reblehrpfad zwischen Sierre und Salgesch. Auf dem Weg erfährt man viel über den Weinbau im Wallis. Wer dem alpinen Weinbau näherkommen will, wird in den Rebterrassen oberhalb von Martigny fündig.
valais.ch

Die besten Adressen im Überblick

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