Alpe-Adria-Region: Genuss mit Weitblick

Herzstück des Borgo Teresiano ist der Canal Grande mit der Kirche Sant’Antonio Nuovo.

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Herzstück des Borgo Teresiano ist der Canal Grande mit der Kirche Sant’Antonio Nuovo.

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Für viele ist es die schönste Ansammlung von Wasser außerhalb des Meeres. Die Rede ist vom Wörthersee in Kärnten und dem ersten Ziel des Gourmet-Wochenendes. Südliches Flair mit idyllischen Innenhöfen, historisch bedeutenden Sehenswürdigkeiten, traumhaften Naturlandschaften und gelassenen Bewohnern. Die Rede ist von Klagenfurt, der Stadt am See. Alles zusammen macht den unvergleichlichen Charme aus. Donnerstag und Samstag sind die Tage des Benediktinermarkts, und der ist der beste kulinarische Einstieg in das Alpe-Adria-Lebensgefühl. Bauern aus Kärnten, Friaul und Slowenien bieten hier ihre Produkte an. Man schmeckt, kostet, riecht und probiert das Beste aus allen drei Ländern.

Wer hungrig ist und keine Küche in der Stadt hat, der besucht die Kochwerkstatt. Hier ist Christian Cabalier am Herd, einst jüngster Drei-sternekoch der Schweiz und weltweit in vielen Toprestaurants geschult. Nun kocht er an seinem Marktstand, der nun (s)ein Kleinod für den guten Geschmack ist. So gestärkt lohnt sich ein Bummel über den Alten Platz hin zum Neuen Platz mit dem berühmten Lindwurm und dann zum Museum Moderner Kunst. Hier trifft man auf berühmte Namen und Bilder von Maria Lassnig über Kiki Kogelnik bis Erwin Wurm. Ein Platz, ein Gymnasium, ein Café und ein berühmter Literaturpreis tragen ihren Namen – Ingeborg Bachmann –, Kärntens berühmte Schriftstellerin kann man beim Literaturwandern kennenlernen.

Dolce Vita ist nicht nur ein südliches Lebensmotto, sondern auch der Name eines feinen mediterranen Restaurants. Mit Blick auf den berühmten Lindwurm übernachten kann man im »Hotel Palais Porcia«. Den südlichen Flaneur zieht es an den See. Besondere Bade- und Genussplätze gibt es hier mehr als genug. Etwa »Werzer’s Badehaus« oder das Strandbad und das »See Restaurant Saag« Hier werden Sie von Haubenkoch Hubert Wallner mit regionalen Kreationen verwöhnt. Im feinen »Schlosshotel Velden« kocht Thomas Gruber im »Restaurant Schlossstern« mit Slow-Food-Produkten aus dem Alpe-Adria-Raum. Fast ein Paradies ist »Werzer’sBadehaus« aus 1895, hier genießt man zum Beispiel in der Sunset Suite himmlische Momente mit Seeblick und Top-Restaurant.

Vom Wörthersee in die grüne Hauptstadt Sloweniens

Von Klagenfurt und dem Wörthersee nicht einmal hundert Kilometer entfernt liegt Ljubljana, die grüne Hauptstadt Sloweniens. Da lohnt sich auf dem Weg ein kleiner Abstecher nach Kranj, mit dem Caňon im Zentrum und seinem kulinarischen Triangel – der Krainer Wurst, den Kranjski štruklji und dem Bier.

Weiter geht es dann, vorbei an der wunderschönen UNESCO-Stadt Škofja Loka, nach Ljubljana. Die kulturelle Verbindung zwischen Ljubljana und Kranj sind der Dichter France Prešeren und der Architekt Jože Plečnik, der das Bild der Stadt am Fluss mit den malerischen Brücken und dem Marktplatz prägte. Sie ist eine Mischung verschiedener Architekturstile und Epochen, die sich perfekt mit den genialen Ideen des visionären Jože Plečnik, der slowenischen Architektur-Ikone, verbinden. Mediterrane Leichtigkeit, der Charme des alten Österreich und ein quirliges Studentenleben sind die Parameter für diesen besonderen Ort, den man viel zu wenig kennt.

Einen coolen Genussweitblick hat man vom Nebotičnik, dem »Wolkenkratzer von Ljubljana«, erbaut 1933 und heute mit Café und Rooftop-Bar »Skyscraper« sehr angesagt. Das ist auch die Musik- und Kulturszene vom Museum für zeitgenössische Kunst bis zu den vielen Festivals. 14.000 Kulturveranstaltungen im Jahr machen Ljubljana zu einer brodelnden Kulturhauptstadt. Die Drachenbrücke, der Marktplatz, die Nationalgalerie, das Plečnik-Haus – mit den jungen Free-Walking-Tour-Guides erlebt man die Stadt, wie sie Einheimische leben. Dazu gehört auch die Ljubljanska glavna tržnica, die Markthalle, wo man regionale Spezialitäten zum Kosten und Menschen aus der Stadt zum Plaudern findet.

Die Geschichte der Stadt und des Landes hat überall Geschmacksspuren hinterlassen, das Meer, die Seen und die nahen Alpen spiegeln sich in den Gerichten. Das Geheimnis der slowenischen Küche ist der Rückgriff auf alte Traditionen, gepaart mit Kreativität und frischen Zutaten. Eine süße Pause im »Café Union« genießen? Im »Strelec« im Schützenturm der Burg Ljubljana fein speisen und den Stadtblick genießen oder beim Großmeister Janez Bratovž im »JB« Küche auf höchstem Niveau probieren? So vielfältig wie die Stadt ist auch das Angebot an Kulinarik. Und man sollte unbedingt hier übernachten, um auch das Nachtleben zu erleben, vielleicht im »Žmauc«, der Lieblingsbar der jungen EinwohnerInnen? Oder in der »Opera Bar?« Einen kleinen Luxus gönnt man sich im »Hotel Antiq Palace«, das zu den Small Luxury Hotels of the World gehört und in dem als außergewöhnlicher Service slowenische Spitzenköche für ein Dinner for two aufkochen.

Triest: Mitteleuropa und Kaiserlich-Königlich

»Machen Sie es so wie in Wien, nur ein bisserl kleiner«, soll Kaiser Franz Joseph seinen Stadtplanern gesagt haben, und so finden wir in Triest und im Karst K.-u.-k.-Österreich vom Feinsten, verbunden mit dem Geist des Kosmopolitischen. Ein Schmelztiegel auch und vor allem in den Kochtöpfen – Kaiserfleisch mit Kren, Zwetschkenknödel, arabische Desserts, herrlichen Wein und Jause im Karst. Und dazu alles, was das Meer bietet. Ein Tag in der Stadt der Cafés, Dichter und der Bora ist natürlich nicht genug, um die Vielfalt kennenzulernen, aber man kann ja wiederkommen.

»Es gibt keinen Ort in Europa, an dem es mehr Grenzen gibt«, sagt Veit Heinichen, Schriftsteller und Wahl-Triestiner mit Hang zur Kulinarik. Das Meer, das fast in die Stadt hineinspielt, öffnet den Blick und die Gedanken. Kultur ist allgegenwärtig, man trifft sie in Form von Bronzestatuen von James Joyce, Umberto Saba oder Italo Svevo, in natura im »Caffè San Marco« mit Claudio Magris oder in der »Gran Malabar« mit Veit Heinichen. Man kann Kunst im Museo Revoltella anschauen oder Geschichte in der Risiera di San Sabba erleben. Triest ist eine spröde Kosmopolitin, hat man sie aber einmal erobert, kann man nicht mehr von ihr lassen. Daran haben auch die wunderbaren Buffets und Restaurants einen Anteil.

Nach einem Morgenkaffee mit Weitblick im »Caffè degli Specchi« locken die Buffets, das »Da Pepi« oder das »L’Approdo« zum Beispiel, bevor man am Abend im »Nerodiseppia« oder bei Ami Scabar feinste Adria-Küche genießt. Noch ein Geheimtipp ist das »Da Angelina«, und wer einen der wenigen Tische ergattert, fühlt sich im Fisch-Himmel. Man übernachtet im »Grand Hotel Duchi D’Aosta« auf der Piazza Unità oder an der Costiera im »Hotel Riviera« mit dem schönsten Meerblick. Den Abend genussreich ausklingen lassen kann man auch im »Harry’s Piccolo Restaurant & Bistrò«. Am nächsten Tag geht die Genusstour dann weiter, vielleicht im ältesten Kaffeehaus der Stadt, dem »Tommaseo«?

Auf dem Weg zurück nach Kärnten lohnt immer ein Abstecher in den Karst, um in einer Osmica, die die alte Buschenschanktradition von Maria Theresia leben, ein Glas Terrano oder Vitovska zu trinken. Und man sagt, Triest ohne Karst ist nicht Triest. Auf der Route durch das Kanaltal locken Udine, Cormòns, Venzone, San Daniele und die schönsten Weingegenden zu einem Genuss-Sidestep.

All die verlockenden Namen und was sich dahinter verbirgt sind Grund genug, bald wiederzukommen und in Kärnten, Slowenien und Norditalien das Alpe-Adria-Lebensgefühl zu atmen und zu kosten.

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