Beschreibung

Volle Frucht und Geschmeidigkeit

Der fruchtbetonte und saftige Valpolicella ist ein ausgesprochen heiterer Wein. Ausgestattet mit weichen Tanninen und elegantem Trinkfluss, ist eine gute Flasche rasch ausgetrunken. Die Experten der Falstaff-Redaktion testeten ihn in den Varianten Valpolicella, Valpolicella Superiore und Valpolicella Ripasso.

Das legendäre, zwischen Gardasee und Verona gelegene Weinbaugebiet ist eines der reizvollsten in Italien. Der klassische Valpolicella hat lange Tradition, in den vergangenen beiden Dekaden gab es jedoch einen regelrechten Boom. Weinbaubetriebe schossen wie die Pilze aus dem Boden. Und dieser große Erfolg geht auf die Kappe des Amarone. Dieser mächtige, aus angetrockneten Trauben erzeugte Rotwein ist weltweit begehrt. Die Schattenseite des großen große Erfolgs des Amarone hat den ursprünglichen Wein des Gebietes leider immer mehr in den Hintergrund gedrängt. Das ist schade, denn der saftige Rotweinklassiker mit sanftem Tannin hat früher das Valpolicella überhaupt erst bekannt gemacht. Valpolicella entsteht aus Corvina, Corvinone und Rondinella und einigen weiteren lokalen Sorten. Während der »Valpolicella« ohne weiteren Zusatz durch seine frische Frucht charakterisiert ist und oft schon im Frühjahr direkt nach der Lese in den Handel kommt, stellt der »Valpolicella Superiore« die etwas kräftigere Variante dar, die zumindest ein Jahr reifen muss. Der »Valpolicella Ripasso« hingegen vergärt im Frühjahr ein zweites Mal auf den Schalen des Amarone, und das verleiht ihm die charakteristische Dichte und Geschmeidigkeit. Ripasso hat sich in den vergangenen Jahren zu einem richtigen Verkaufsschlager entwickelt.

Als Siegerwein in der Kategorie Valpolicella konnte sich der 2018er von Ca‘ dei Maghi durchsetzen. Der nicht umsonst »Haus der Zauberer« genannte Betrieb liegt in beinahe magisch anmutender Hügellage oberhalb von Fumane und ist Weingut, Restaurant und Landhotel in einem. Der junge Paolo Creazzi zeichnet seit einigen Jahren für die Weine des Familienweingutes verantwortlich. Er bewirtschaftet knappe fünf Hektar und keltert seinen Valpolicella Classico aus Corvina, Corvinone Rondinella und einem kleinen Anteil der alten Sorte Molinara. Neben Creazzi zählt Marinella Camerani zu den vielversprechendsten Winzerinnern der Valpolicella. Schon vor einigen Jahren hat sie ihren Betrieb Corte Sant’Alda im Mezzane-Tal östlich von Verona auf biodynamische Wirtschaftsweise umgestellt. Mitte der 1980er Jahre bepflanzte Camerani ihren »Macie«-Weingarten mit Corvina und Corvinone – als eine der ersten im Gebiet im Guyot-System. Heute entstehen daraus die beiden »Mithas«-Weine, ein Amarone und ein Valpolicella Superiore. Letzterer hat uns in unserer Verkostung am besten gefallen. Tedeschi gehört zu den herausragenden Erzeugern im Valpolicella. Sitz des traditionsreichen Weingutes, das die Geschwister Antonietta, Sabrina und Riccardo Tedeschi betreiben, ist Pedemonte. Seit einigen Jahren besitzen die Tedeschi aber auch Lagen östlich von Verona. Tedeschis »Valpolicella Ripasso Capitel San Rocco« ist eine Wucht und begeistert mit vielen dunklen Waldfrüchten und geschmeidigem Mundgefühl. Bleibt nur zu sagen: Genießen Sie Valpolicella, es lohnt sich!

Text von Othmar Kiem

Notizen von Othmar Kiem und Simon Staffler

Tasting aus Falstaff Magazin Deutschland Nr. 6/2019

Tasting aus Falstaff Magazin Österreich Nr. 6/2019

Tasting aus Falstaff Magazin Schweiz Nr. 6/2019

VON FALSTAFF BEWERTETE WEINE

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