Zwischen Lust und Laster

Im Gespräch: Schauspielerin Ursula Strauss und Peter Simonischek

© Ingo Pertramer, Xenia Hauser

Im Gespräch: Schauspielerin Ursula Strauss und Peter Simonischek

© Ingo Pertramer, Xenia Hauser

Essen sei der Sex des Alters, behaupten böse Zungen. Zwar zeigen Enttabuisierungsoffensiven wie die Festwochenproduktion »All the Sex I’ve Ever Had«, dass sich Lustbefriedigung im hohen Alter keineswegs auf Schweinsbraten und Sachertorte beschränkt – doch sind auch kulinarische Genüsse in keinem Lebensabschnitt zu verachten. Im Gegenteil, bestätigt sich doch auf beiden Gebieten: Mit der Erfahrung wächst der Genuss. Doch wie beeinflusst zunehmendes Alter den Geschmackssinn, und verlangt es dem Vergnügen Entbehrungen ab? Aus ihrem reichen kulinarischen Erfahrungsschatz erzählen acht Prominente von ihren ersten Gourmetgenüssen, nahrhaften Höhenflügen und süßen Sünden. Außerdem verraten sie, wo sie am liebsten auswärts essen.

Ursula Strauss

Die österreichische Schauspielerin schlüpft nicht nur beruflich in die verschiedensten Rollen, sie liebt auch beim Essen die Abwechslung. Egal, ob deftige österreichische Hausmannskost oder französische Küche, an der sie die Raffinesse und das »Selbstbewusstsein« schätzt – Ursula Strauss liebt einfach »gutes Essen«. Vor allem die libanesische Küche hat es ihr angetan: »Ich finde sie großartig, abwechslungsreich und bunt. Ich bin ein Zitronenfan, ich liebe diesen leichten erfrischenden Geschmack. Den findet man in der libanesischen Küche überall.« Obwohl ihr ältester Bruder in Dänemark lebt, ist ihr diese Küche bisher unbekannt geblieben – »da sich alle ausgewanderten Familienmitglieder bei Zusammenkünften eher auf österreichische Kost freuen«. Auf jeden Fall möchte sie aber das wiedereröffnete »Noma« besuchen. Denn bevor sie dazu kam, im berühmten Kopenhagener Lokal einen Tisch zu reservieren, schloss René Redzepi sein Lokal, um es neu zu konzipieren. Wenn Ursula Strauss Zeit und Muße findet, kocht sie sowieso am liebsten selbst. Sogar ein Kochbuch hat die Schauspielerin 2012 herausgebracht, eine Hommage an ihre Familienküche mit dem Titel »Mir schmeckt’s«. Damals meinte sie zur Veröffentlichung: »Dieses Kochbuch ist das Intimste, das man je von mir gekriegt hat und kriegen wird.« 

Der Genuss einer »Noma«-Kreation steht bei Ursula Strauss noch aus.
Der Genuss einer »Noma«-Kreation steht bei Ursula Strauss noch aus.

Foto beigestellt

Eine ihrer Leibspeisen sind Knödel in allen Variationen: »Das beste Mittel, um fit zu bleiben, ist Bewegung – dann geht sich auch ein Knödel mehr aus.« Dafür versucht Strauss wenigstens am Set ihrer Krimiserie »Schnell ermittelt« die Kohlenhydrate niedrig zu halten, um die »nötige Leichtigkeit zum Spielen« auch nach der Mittagspause beizubehalten. 

Peter Simonischek

Schauspieler reisen für gewöhnlich viel herum und können dadurch auch kulinarisch die Welt entdecken. Doch der gebürtige Steirer Peter Simonischek liebt es bis heute bodenständig und traditionell. Seine Lieblingsspeise ist Backhendl mit Salat, mariniert mit Kürbiskernöl, »am liebsten im Freien unterm Apfelbaum genossen«. Doch auch die italienische Küche lässt sein Herz höherschlagen. Mit Begeisterung erzählt er von dem grandiosen Bistecca alla fiorentina, das er einmal in einem kleinen Vorort von Florenz gegessen hat und das so »herrlich mit italienischem Rosmarin gewürzt« war. Auch die mediterranen Klassiker wie Spaghetti aglio e olio oder Risotto mit Steinpilzen liebt Simonischek. Er braucht kein großes kulinarisches Brimborium, die einfachen Dinge genügen dem »Nachkriegskind«, wie er sagt, voll und ganz. Noch heute erinnert er sich gerne an die Kochkünste seiner Oma zurück, die ihrem Enkel oft einfache Gerichte wie Polenta mit Zucker oder Kärntner Nudeln mit Topfen-Erdäpfel-Füllung kochte. Auch Innereien standen damals auf dem Speiseplan und begeistern Simonischek bis heute. Doch sein absolutes kulinarisches Highlight hat ihm sein Sohn Kaspar beschert, als er ihm als Praktikant im Gasthaus »Haberl« ein Wiener Schnitzel mit der Botschaft »Für meinen Papa« serviert hat.

Peter Simonischek mag's gerne deftig-österreichisch.
Peter Simonischek mag's gerne deftig-österreichisch.

© Steiermark Tourismus/Ikarus.cc

Wenn Simonischek nicht von seinem Sohn oder seiner Frau bekocht wird, geht er auch gerne auswärts essen, am liebsten in den Lokalen von Robert Huth, aber auch die Küchen des »Mochi«, der »Pizza Mari« oder des »Tian« haben es ihm angetan. Sein einziges Problem: Nach den späten Abendvorstellungen im Burgtheater gibt es in der Nähe kaum noch Lokale, die geöffnet haben, und im »Vestibül« ist es ihm »zu laut und die Akustik generell zu schlecht«. Doch um seinen Hunger zu vertreiben, hat Simonischek ein probates Mittel: Er erinnert sich einfach an die Pizza zurück, die ihm in einem Düsseldorfer Restaurant serviert wurde – inklusive gebrauchtem Pflaster.

Sechs weitere Porminente verraten ihre kulinarischen Highlights im Falstaff Spezial Wiener Festwochen 2017. Mit: Jude Law, Maria Grossbauer, Chris Lohner, Heinz Marecek, Leo Hillinger und Werner Gruber.

Festwochen-Thema: Genuss

In »All the Sex I’ve Ever Had« sprechen Senioren von den erotischen Highlights ihres Lebens.
Premiere: 30. Mai 2017

Hier geht's zum Festwochen-Programm

Aus dem Falstaff Wiener Festwochen Spezial 2017

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