Die Grand-Prix-Sieger 2010: ­Philipp Grassl, Michael Allacher und Franz Netzl stellten die ­besten drei Weine.
Zweigelt Grand Prix 2010, die besten drei Winzer: Philipp Grassl, Michael Allacher und Franz Netzl/Foto: Ingo Pertramer

Blauer Zweigelt ist das Rotwein-Pendant zum Grünen Veltliner. In allen Weinbaugebieten, vom Weinviertel im Norden bis in die Südsteiermark, wird Zweigelt erfolgreich angebaut. Be­reits 12,4 Prozent der Gesamtanbaufläche
in ­Österreich sind mit Blauem Zweigelt bestockt, das entspricht rund 6500 Hektar. Dieser ­Anteil ist in den letzten zehn Jahren um 50 Prozent gewachsen. Besonders stark ist die mit Zweigelt bepflanzte Fläche in der letzten Dekade in ­Niederösterreich gewachsen – und zwar um 61,2 Prozent, dort nimmt er gut 3500 Hektar der Rebfläche ein. Ähnlich stark war die Zunahme der Verbreitung im Weinbaugebiet Neusiedlersee im Burgenland, wo die Zweigelt-Anbaufläche in den vergangenen zehn Jahren um 55,6 Prozent gewachsen ist. In allen anderen burgenländischen Gebieten ist der Blaufränkisch der Platzhirsch, in der Steiermark liegt der Blaue Wildbacher der­zeit noch knapp vor dem Zweigelt. Insgesamt ­zeigen die Entwicklungen, dass die Sorte nicht nur der klare Favorit der Konsumenten, sondern auch der Weinerzeuger ist.

Ein Wein mit vielen Qualitäten
Die Rebsorte Zweigelt ist keine alte autoch­thone Varietät, sondern sie wurde im Jahr 1922 von Dr. Friedrich Zweigelt an der Weinbauschule Klosterneuburg gezüchtet. Sie ist eine Kreuzung aus St. Laurent und Blaufränkisch und wurde von Dr. Zweigelt mit dem Namen »Rotburger« bedacht, was eine Verneigung vor der Rebzuchtanstalt Klosterneuburg war. Ein Jahr später kreuzte Zweigelt ­erfolgreich Blauen Portugieser mit Blaufränkisch, daraus entstand der farbintensive und robuste, aber weit weniger erfolgreiche »Blauburger«. Der Rotburger erwies sich in den folgenden Jahrzehnten als voller Erfolg: Hoher Ertrag bei guten Mostgewichten und größere Widerstandskraft gegen diverse Rebkrankheiten zählen aus Sicht der Winzer zu seinen Stärken. Er lässt sich reinsortig vinifizieren, ist aber auch zum Verschnitt mit anderen Sorten sehr gut geeignet. Zweigelt kann bereits als Jungwein genossen werden, besitzt eine angenehme Weichsel-Kirsch-Frucht, gute Substanz und weiche Tannine. Wird er im Barrique ­vi­nifiziert, dann entsteht ein stoffiger, oft ­charmanter Rotwein, der über ein exzellentes Lagerpotenzial verfügt. Bei so vielen Qualitäten ist es interessant, dass sich die Sorte außerhalb Österreichs bisher nicht oder nur sporadisch durchsetzen konnte. In Deutschland gibt es knappe 100 Hektar Zweigelt-Anbaufläche, die Hälfte davon in Württemberg, kleine ­Verbreitungen gibt es in der Schweiz, Ungarn, Tschechien, und zuletzt wurden ­einige Hektar in Kanada ausgepflanzt.

 

Zweigelt Grand Prix Sieger 2010, Franz Netzl/Foto: Ingo Pertramer
Zweigelt Grand Prix Sieger 2010, Franz Netzl/Foto: Ingo Pertramer

 

Traubenwelke tut »rosiger Zukunft« keinen Abbruch
Im Zusammenhang mit dem Zweigelt berichten die Winzer in den letzten Jahren in zunehmendem Maße von einer beunruhigenden Entwicklungsstörung: der »Traubenwelkekrankheit«, für die sich mittlerweile der falsche Begriff »Zweigelt-Krankheit« eingebürgert hat. Diese physiologische Störung im Stoffwechselhaushalt der Rebe tritt zwar bei allen anderen Sorten ebenso auf, zeigt aber etwas unterschiedliche Symptome. Zurückgeführt wird diese Traubenwelke auf eine mangelnde Kaliumversorgung in den Böden, aber auch Stress in der Vegeta­tionsperiode und zu hohe Erträge unterstützen das Auftreten des Welkwerdens der Trauben am Rebstock. Betroffene Winzer haben längst begonnen, den Nährstoffgehalt ihrer Böden zu verbessern – dies lässt sich aber nur mittel- bis langfristig bewerkstelligen. Die Traubenwelke führt bei der Verarbeitung des Leseguts zu niedrigeren Zuckergehalten als bei gesunden Trauben, der Säuregehalt hingegen ist etwas höher. Durch dieses Phänomen dürfte die rosige Zukunft des Blauen Zweigelts nicht gefährdet sein, aber in Jahren wie etwa 2010 schmerzt den Winzer jeder noch so geringe Verlust an Erntemenge.

Mehr als 250 Einreichungen beim Zweigelt Grand Prix
Für den diesjährigen »Falstaff-Zweigelt-Grand-Prix« wurden die Weine aus dem Jahrgang 2009 verkostet, insgesamt wurden 255 Muster für den Bewerb eingereicht. Der Grand Prix ­bedeutet zugleich auch den Auftakt der umfangreichen Verkostungen für die alljährliche ­»Falstaff-Rotweinprämierung«, die schließlich im Rotweinguide zusammengefasst wird und deren Sieger bei der großen Gala in der Wiener Hofburg am 7. Dezember bekannt gegeben werden. Die Qualität der Weine aus 2009 war auf einem sehr guten Niveau: Nur einem Dutzend gelang der Sprung in den Weinguide nicht, in den alle Produkte mit mindestens 85 Punkten als »empfehlenswert« Aufnahme finden. Dies war die geringste Drop-out-Quote seit dem Bestehen dieser Zweigelt-Verkostung und ist ein guter Beweis für die allgemeine Güte der 2009er. Was sich für den Weinfreund besonders erfreulich darstellt, ist das Preis-Leistungs-Verhältnis bei den geprüften Weinen: Keiner der drei Grand-Prix-Sieger kostet ab Hof mehr als zehn Euro; Weine, die von der Jury mit stattlichen 90 Punkten bewertet wurden, gibt es bereits ab sechs Euro. Die Zahl der »Best buy«-Weine (jener, die unter zehn Euro kosten und mindes­tens 88 Punkte erreicht haben) ist dreistellig. Hier wird mit Sicherheit jeder Weinfreund fündig. Am bes­ten begibt man sich dafür in eines der Zentren der hohen Zweigelt-Kunst. Diese wird von den Winzern in Carnuntum ebenso beherrscht wie von jenen aus dem burgenländischen Gols. Aber auch in der Thermen­region entstehen ausgezeichnete klassische Zweigelt-Weine in großer Zahl.

Zweigelt Grand Prix Zweiter 2010, Michael Allacher/Foto: Ingo Pertramer
Zweigelt Grand Prix Zweiter 2010, Michael Allacher/Foto: Ingo Pertramer

 

2009: »Sehr gut« bis »Exzellent«
Das Jahr 2009 ist der Sorte zweifellos um einiges mehr entgegengekommen als 2008. Geprägt durch eine kühle Periode während der Blüte und ein wunderbar stabiles Hochdruckwetter während der Haupterntezeit, konnten fruchttiefe und gut ausgereifte Trauben gelesen werden. Die Blüte verlief in vielen Regionen problematisch, was sich in einer geringeren Erntemenge niedergeschlagen hat. Die Qualität hat davon in jedem Fall nur profitiert. Die Weine zeigen sowohl eine ausgezeichnete Farbe als auch eine entsprechende aromatische Tiefe, sind kompakt und stoffig. Der Jahrgang 2009 dürfte sich also, was den Rotwein betrifft, in der Kategorie »Sehr gut« und im besten Fall sogar unter »Exzellent« einreihen und gibt bei den großen Weinen Anlass zu den freudigsten Vorahnungen. Eigentlich ist das unglaublich, denn gerade dieser Jahrgang hatte mit schlimmen Wet­terkapriolen zu kämpfen, Regen ohne Ende im Frühsommer, ­Rekordniederschläge im Juni, »Land unter« in zahlreichen östlichen Regionen. Dazu kamen verheerende Hagelunwetter, dann wieder tropische Hitze. »Viel zu nass und dazu deutlich zu warm«, stellten die Meteorologen fest. Aber als wollte die Natur nach all den Unbilden des Vegetationsjahres wieder etwas gutmachen, zeigte sich die Witterung im September, ja sogar bis Anfang ­Oktober großteils von ihrer schönsten Seite.

Jahrgangsserie fortgesetzt
Der »Altweibersommer« ließ den Saft in den ­Beeren auf natürliche Weise konzentrieren, und die Zuckereinlagerung war enorm. Dort, wo doch ein regnerisches Intermezzo zu verzeichnen war, mussten die Fäulnisnester bei der Lese penibel aussortiert werden.
Heiße Tage und kühle Nächte schafften es, dass bei Österreichs Paradesorten die charakteristischen Aromen in den Beeren bewahrt wurden. So konnte sich der Jahrgang 2009, dem Gesetz der Serie folgend, unter die großen Neuner-Jahrgänge einreihen, die beginnend mit 1959 den österreichischen Winzern Glück ­gebracht ­haben.

 

Zweigelt Grand Prix Dritter 2010: Philipp Grassl/Foto: Ingo Pertramer
Zweigelt Grand Prix Dritter 2010: Philipp Grassl/Foto: Ingo Pertramer

 

Die drei Besten
Zwanzig Weine haben in diesem Jahr den Sprung ins Finale geschafft, und hier hatte die Jury eine überaus an­genehme Qual der Wahl, denn alle Letztrunden-Teilnehmer zeigten sich von ihrer besten Seite. Die besten drei wurden am Ende in einem Stechen ermittelt. Der dritte Platz geht an das Weingut Hans und Philipp Grassl aus Göttlesbrunn für den stoffigen Rubin Carnuntum, der mit enormer Frucht und Finesse glänzte. Den zweiten Platz errang das Weingut Vinum Pannonia Allacher aus Gols für den feinwürzigen Zweigelt All Red 2009, der bereits heute mit Harmonie und viel Charme aufwarten kann. Über den Grand-Prix-Sieg können sich Franz und Chris­tine Netzl aus Göttlesbrunn freuen, die mit dem Zweigelt Selection Rubin Carnuntum einen jungen Bilderbuch-Zweigelt vorstellten, einen komplexen und dunkelfruchtigen Wein mit angenehmer Mineralik und gutem ­Potenzial. Alle Spitzenweine können Sie persönlich bei der großen Falstaff-Rotweingala am 7. Dezember in der Wiener ­Hofburg verkosten.

Hier finden Sie alle Verkostungsnotizen zum Falstaff Zweigelt-Grand-Prix 2010.


Die Sieger des Falstaff-Zweigelt-Grand-Prix 2010

91 Punkte: Zweigelt Selection Rubin Carnuntum 2009
Weingut Franz und Christine Netzl

91 Punkte: Zweigelt All Red 2009
Weingut Vinum Pannonia Allacher

91 Punkte: Zweigelt Rubin Carnuntum 2009
Weingut Hans und Philipp Grassl


Die erfolgreichen Winzer in der Falstaff-Datenbank:

Von Peter Moser aus Falstaff Nr. 8/2010

Fotos von Ingo Pertramer

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