Zukunftsvisionen für den Weinbau in Georgien

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FALSTAFF Herr Paulsen, was war Ihre Motivation, hier in Georgien ein solches Weininvestment zu machen?
Frederik Paulsen: Das war reiner Zufall. Ich bin hier in Kontakt mit georgischen Geschäftsleuten gestanden, die beiden haben mich eingeladen, als Aktionär zunächst mit fünf Prozent mitzumachen. Schließlich ist das mehr und mehr geworden. Am Ende habe ich achtzig Prozent gekauft.

Welche Weine oder Weinstile präferieren Sie persönlich?
Meine Lieblingsweine sind ganz eindeutig die weißen Burgunder, das ist klar. Es ist wahrscheinlich eine Frage der Entwicklung. Man fängt mit Rotwein aus Bordeaux an, dann entdeckt man die weißen Burgunder, und schließlich kommen die roten Burgunder.

Was ist Ihre emotionale Beziehung zu Wein?
Wein ist etwas Schönes, und wir machen das ja nicht nur hier in Georgien, sondern auch auf Föhr und in Österreich, auch in der Ukraine haben wir es versucht, allerdings ohne großen Erfolg.

Wein ist also Ihre Passion?
Ich könnte das auch anders erzählen. Wenn in der Antike die römischen Soldaten und Offiziere ihren Militärdienst absolviert hatten, ich denke, das waren so fünfzehn Jahre, dann konnten sie entweder in die Politik einsteigen oder Wein machen. Ich komme nun auch in ein Alter, in dem ich meine Legionärszeit fertig habe, und ich fühle mich beim Wein besser aufgehoben als in der Politik.

Könnte man sagen, das Geld verdient man in der Pharmabranche und gibt es in der Weinwirtschaft aus?
Sie haben schon recht, dass es viel Geld kostet, aber langfristig muss es sich selber tragen. Man muss sicher eine gewisse Anlaufzeit in Kauf nehmen, dann sollte es aber funktionieren.

Wo wollen Sie in fünf bis zehn Jahren mit Château Mukhrani stehen?
Ich möchte gerne, dass es für Besucher mit Weinaffinität die Nummer eins in Georgien wird.

Mukhrani soll also in jeder Hinsicht die Benchmark für georgischen Wein werden?
Das ist das klare Ziel, aber dazu müssen wir das Projekt noch weiter ausbauen, um höhere Einkünfte für zukünftige Investitionen zu erwirtschaften. Vielleicht werden wir ein Hotel bauen, wichtig ist, dass sich die Sache selbst trägt. Wenn man über Geschäfte sprechen will: Ich glaube, Georgien als kleines Land kann nicht vom Tourismus, auch nicht vom Weintourismus leben, Exporte sich absolut essenziell. Für vieles, was früher in die Comecon-Länder gegangen ist, muss man jetzt neue Märkte finden.

Welche Länder hat man da im Fokus?
Es wird viel von China gesprochen, wo schon einiges hingeht. Ich bin bei China aber skeptisch, denn die bauen intensiv ihre eigene Weinwirtschaft aus. Ich glaube daher immer noch, dass Russland der natürliche Absatzmarkt für georgische Weine ist. Das Verhältnis zwischen Georgien und Russland ist wie das von Deutschland oder Österreich mit Italien. Die Nordeuropäer fahren gerne in den Süden, für die Russen ist Georgien nicht nur das Land, wo die guten Weine herkommen, sondern auch der Ort, wo man auf Urlaub hinfährt. Georgien hat eine positive Anmutung: Da fahren Frauen gerne hin, weil es große, gut aussehende Männer gibt, hier ist es warm, das Meer, Romantik, gutes Essen. Dieses positive Klischee ist tief im russischen Bewusstsein eingewurzelt. Hoffentlich können wir darauf wieder aufbauen, aber das wird nicht einfach.  

»Das Verhältnis zwischen Georgien und Russland ist wie das von Deutschland oder Österreich mit Italien. Die Nordeuropäer fahren gerne in den Süden, für die Russen ist Georgien nicht nur das Land, wo die guten Weine herkommen, sondern auch der Ort, wo man auf Urlaub hinfährt.«
Frederik Paulsen Investor und Philanthrop

Sie haben ja in Österreich die traditionsreiche Sektkellerei Schlumberger erworben, wie sind Ihre Visionen, wohin geht da die Reise?
Wir sind dort bereit, weiter zu investieren, aber ich bin persönlich etwas traurig und enttäuscht, dass die Politiker die Entscheidung getroffen haben, die Sektsteuer wieder aufleben zu lassen. Das ist doch gegen den gesunden Menschenverstand. Schlumberger-Sekt ist ein Qualitätsprodukt. Wir haben es jüngst in Russland eingeführt, und es verkauft sich sehr gut – und warum? Weil die Russen die Qualität erkennen und bereit sind, dafür zu bezahlen. Wir werden weiter investieren, um die Produktion noch effizienter zu machen, und daher bauen wir eine neue Produktionsanlage, die sich aber auch lohnen muss. Im Vergleich dazu ist Château Mukhrani ein Groschengeschäft.

Aber Sie akquirieren ja auch im Bereich Spirituosen auf der ganzen Welt interessante Betriebe, was ist da die mittelfristige Strategie dahinter?
Aktuell beträgt der Umsatz der Getränkegruppe etwa 250 Millionen, wir wollen relativ schnell eine Milliarde erreichen. Und das werden wir auch schaffen. Und Österreich spielt dabei als Standort eine zentrale Rolle, dort schlägt sozusagen unser Herz.

Warum, glauben Sie, hat Diageo George Clooney eine Milliarde für eine kleine Tequila-Produktion bezahlt?
Alle Geschäfte müssen für beide Teile gut sein. Und ich glaube, das war der Fall, Clooney und seine zwei Freunde haben ein gutes Geschäft gemacht, und Diageo wird seinen Einsatz sehr schnell wieder zurückbekommen. 

Das heißt, Sie glauben an die Zukunft der Genusswelt?
Nicht nur das. Ich habe gerade in New York einen Freund getroffen, der arbeitet im Bereich der Kosmetika. Die großen Kosmetikfirmen in den USA haben Probleme, weil jeder halbwegs Prominente heute seine eigene Marke macht. Und das bringt die großen Markennamen in die Zwickmühle, weil die Konsumenten eine starke Präferenz für Personen wie Clooney zeigen, sie wollen eine Beziehung haben. Dazu kommen völlig neue logistische Wege im Vertrieb. Und das zusammen hat Auswirkungen. Ein Filmstar kann seine eigenen Marken, egal ob Cognac oder Parfum, auf den Markt bringen und kann das über diese neue Medien machen – das ist eine ganz neuen Welt. So wie wir das heute machen, das wird sich ändern müssen.  

Die Genusswelt muss also stärker auf Personifizierung setzen?
Ja, teilweise. Der Kunde muss sich mit dem Produkt identifizieren können, das ist ein Teil der Aufgabe. Noch kritischer ist die Logistik, hier müssen völlig neue Wege beschritten werden. Die Leute bestellen direkt im Internet eine Flasche Wein, und wenn sie vom Büro nach Hause kommen, muss sie bereits vor der Tür stehen. 

Hat Wien eine Chance, Headquarter zu werden?
Wien ist ja eine Weltstadt, eine Hauptstadt im weiteren Sinne, eine Stadt mit Kultur, eine Stadt, die Leute gerne besuchen, wie Paris. Wir wollen ja kein Geld vom Staat, aber wir wollen es schon mit Leuten zu tun haben, die logisch denken. Sektsteuer ist Quatsch, darauf können wir zukünftig gerne verzichten.

ZUR PERSON

© Peter Moser

Frederik Paulsen ist eine facettenreiche Persönlichkeit.
Als erfolgreicher Geschäftsmann steht er dem schwedisch-schweizerischen Pharmakonzern Ferring vor, den sein Vater gegründet hat. Als Weltreisender und Extremsportsmann hat er beide Pole der Welt erreicht und das Schweizer Polarinstitut mitbegründet. Philanthropische Interessen in Sachen Kultur, Wissenschaft und Bildung führten zu Engagements in den südgeorgischen Inseln, in Russland, Europa, den USA und in Bhutan. Er besitzt einen Buchverlag, ist im Bereich Real Estate tätig und nicht zuletzt im Wein- und Spirituosenbereich, wo er unter dem Dach des Marussia-Konzerns bereits zahlreiche Qualitätsmarken versammelt hat. In Österreich wurde man durch die Übernahme der traditionsreichen Sekt- und Weinkellerei Schlumberger auf den diskreten Investor aufmerksam, der für die Marke große Pläne hat.

ERSCHIENEN IN

Falstaff Nr. 01/2018
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