Wohntrends im Big Apple

Fifteen Hudson Yards – 285 Wohnungen in einem 88 Stockwerke hohen Turm, der Teil eines Stadtentwicklungsprojekts an der West Side ist. livehudsonyards.com

© Related Oxford

Fifteen Hudson Yards – 285 Wohnungen in einem 88 Stockwerke hohen Turm, der Teil eines Stadtentwicklungsprojekts an der West Side ist. livehudsonyards.com

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Wenn die Aktienkurse der New Yorker Wall Street fallen, merkt man das auf den Aktienmärkten der ganzen Welt. Dass es sich mit dem Immobilienmarkt zwar nicht ident, aber doch in vielen Punkten ähnlich verhält, ist angesichts der Bedeutung der US-Metropole wenig überraschend – New York gilt eben in vielerlei Hinsicht als Gradmesser für andere. Im heurigen Jahr wird das bestätigt: Eine Reihe interessanter Projekte steht vor der Vollendung, an allen Ecken und Enden sprießen aufsehenerregende Wohntürme in Manhattan aus dem Boden. 
Doch zunächst ein Rückblick: Das Jahr 2017 verlief für den New Yorker Immobilienmarkt weitgehend stabil, allerdings verzeichnete das Luxussegment einen Durchhänger. Das kam nicht von ungefähr und war vielfach prophezeit worden, denn in den Jahren davor war die Geschwindigkeit, in der neue Luxus-Wohnprojekte im Big Apple aus dem Boden gestampft wurden, besorgniserregend. 

Der Eifer, mit dem sich die Immobilienbüros auf den Luxusmarkt stürzten, machte die Angst vor einer Blase zum ständigen Begleiter. Ganz so schlimm war das Vorjahr am Ende dann aber doch nicht. 

Der ­Eifer, mit dem sich Immobilienbüros auf den Luxusmarkt stürzten, machte die Angst vor einer Blase zum ständigen Begleiter. Ganz so schlimm war das Vorjahr am Ende dann aber doch nicht: 2400 Objekte gingen in den Verkauf, das waren nur 100 Objekte weniger als der Durchschnitt der vorangegangenen zehn Jahre. Von den neu geschaffenen Objekten werden zudem mehr als 1700 tatsächlich verkauft, was ebenfalls nur ein Minus von knapp 100 Objekten war. Dieser vorübergehende leichte Einbruch des Kauf- und Baubooms in New York zumindest was den Luxusmarkt betrifft – ist also glimpflich verlaufen, und nun geht es mit unvermittelter Kraft bergauf. New York ging es besser als den meisten anderen Regionen: Die sogenannten High-End- und Ultra-High-End-Listings, wie die super­­teuren Objekte in den USA genannt werden, entpuppten sich beinahe überall im Land als Ladenhüter; die Preise vieler Objekte mussten gesenkt werden. 


Angesichts der bereits aufkeimenden Hoffnung auf ein besseres Jahr 2018 wundert es nicht, dass der teuerste Verkauf einer Luxusimmobilie in den allerletzten Tagen des Vorjahres passierte: Für umgerechnet knapp 77 Millionen Euro kaufte ein anonymer Käufer ein mehrstöckiges Penthouse des »432 Park Avenue« Hochhauses. Nicht nur deshalb sieht die Prognose für heuer einen stabilen Luxusimmobilienmarkt vor. Tatsache ist aber auch, dass ausländische Käufer weniger Vorab-­Verträge auf momentan im Bau befindliche Objekte abschließen – ein Indikator dafür, dass der Markt einen Wandel vollzieht. Man wartet lieber ab und sieht sich an, welche Preise letztlich möglich sein werden; der Konkurrenzkampf steigt und die Entwickler müssen schon etwas Besonderes bieten, um amerikanische Käufer und jene aus dem Ausland zu begeistern. Dass es immer mehr Käufer aus dem Ausland – und da vor allem aus Europa – gibt, hat mehrere Gründe: Es hat selbstverständlich mit New York selbst zu tun, denn das alte Sprichwort von der »City that never sleeps« ist aktueller denn je. Ein weiteres Kaufargument ist die Entwicklung der US-Wirtschaft. Wer einen Zweitwohnsitz in New York hat, könnte bei einem Wiederverkauf kräftig abcashen. Der Faktor Trump hat sich für die Wirtschaft bisher als gar nicht so negativ he­rausgestellt, so bizarr das jetzt auch klingen mag. Allerdings bleibt angesichts der labilen Geisteslage des Präsidenten stets die Gefahr, dass auch die US-Wirtschaft unter politischen Harakiri-Aktionen leidet.

Steilvorlagen

Wie auch immer: Das wachsende Interesse an Luxusimmobilien seitens ausländischer Käufer und der Wirtschaftsaufschwung ermöglichen es Firmen, eine Vielzahl neuer Bauprojekte im Luxussektor anzugehen. So hat beispielsweise für den »Central Park Tower« die heiße Verkaufsphase der Wohnungen begonnen. Der mehr als 400 Meter hohe Wolkenkratzer, wegen des Ankermieters im Untergeschoß auch als »Nordstrom Tower« bezeichnet, wird heuer fertiggestellt; spätestens 2020 sollen die letzten der 223 Luxuswohneinheiten ihren Eigentümern übergeben werden. 
Der höchste Wohn-Wolkenkratzer New Yorks geht aber nicht nur in Sachen Höhe neue Wege – auch die Preise für die Wohneinheiten könnten Schwindelgefühle auslösen. Der Entwickler Extell Development erhofft sich einen Verkaufswert der Wohnungen von insgesamt rund 3,3 Milliarden Euro, was im Durchschnitt 15 Millionen Euro pro Wohnung entsprechen würde. Im Central Park Tower sollen jedenfalls ganze 20 Apartments mehr als umgerechnet 50 Millionen Euro kosten – ganz schön gewagt, wenn man bedenkt, dass seit 2012 nur 13 Apartments in der Stadt mit einem solchen Verkaufswert angebracht wurden. Wer mehr urtypisches Flair sucht und dennoch auf Luxus nicht verzichten will, dürfte am ebenfalls gerade entstehenden »220 ­Central Park South«-Komplex nicht vorbeikommen. Entwickelt von der Vornado Realty Trust und gestaltet vom Architekturbüro Robert A. M. Stern sowie dem Designer Thierry W. ­Despont, sollen Wohnungen mit moderner Ausstattung und einem architektonischen Design entstehen, das an die historischen Bauten New Yorks erinnert. Der Ausblick auf den Central Park ist ebenso ein Verkaufsargument wie der Zugang zu privaten Entertainment-Räumlichkeiten und einem Spa- und Fitnessbereich. 

Der Faktor Trump hat sich für die Wirtschaft als gar nicht so negativ herausgestellt – so bizarr das jetzt auch klingen mag.

In Manhattan türmt es sich

Auch an weiteren Projekten mit Mehrwert in Sachen Luxus mangelt es in Manhattan nicht:
243 Meter hoch ist etwa der Wolkenkratzer mit beeindruckender Glasfront, der am Rande des Hafens an der Lower East Side entsteht und den klingenden Namen »One Manhattan Square« trägt. Die 9000 Quadratmeter Innen- und Außeneinrichtung geben einen ersten Vorgeschmack darauf, was hier entstehen soll: Ein vertikales Dorf. In dem Gebäudekomplex wird es neben Geschäften, einem Kino, einer Bowlingbahn und einem Spa- und Fitnesscenter auch Wohnungen geben. Diese sind ganz klar auf das Luxussegment ausgerichtet, was sich preislich zeigt: Man bewegt sich deutlich im siebenstelligen Bereich. Der Entwickler von One Manhattan Square ist ebenfalls Extell ­Development, und der Verkauf der 815 Wohneinheiten, der seit 2016 läuft, macht dessen Aussagen zufolge gute Fortschritte. 
Dass der New Yorker Hafen und die Gegend am Hudson River in puncto Luxusimmobilien stark im Kommen sind, beweist auch »Fifteen Hudson Yards«, ein Wohnturm mit einer Höhe von 270 Metern; vorgesehen sind 285 Wohnungen. Hier wird damit geworben, den Käufern eine kleine Ruhepause vom Stress des New Yorker Großstadttreibens zu verschaffen Understatement und Privatsphäre sind hier also die Stichwörter. Dabei geht beinahe unter, dass die deckenhohen Fenster faszinierende Panoramablicke auf Fluss und Skyline erlauben. 

Staararchitektur

Zudem braucht es auch in der New Yorker Luxusliga immer ausgefeiltere Verkaufsargumente zusätzlich zu den bereits obligatorischen Zugängen zu Fitness-Center, Pool oder den beliebten Squash-Courts. Im Wohnturm »53 W 53«, entworfen vom Stararchitekten Jean Nouvel, der sich bei der Gestaltung an den klassischen Wolkenkratzern orientierte, entstehen 145 Wohnungen mit einem bis fünf Wohnzimmern. Der Clou beim Gebäude, das noch heuer fertiggestellt wird: Im Untergeschoß werden ­Galerien des Museum of Modern Art untergebracht sein.  Und das 88 Stockwerke hohe Wohn­hochhaus »125 Greenwich Street«, ent­worfen von Rafael Viñoly, lockt mit einer Topadresse. Es wird einen Block vom neuen One World Trade Center entfernt sein. Die geplanten 273 Wohnungen sollen 2019 fertiggestellt werden. 

ERSCHIENEN IN

LIVING Nr. 01/2018
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