Blick vom Reisenberg auf Wien © WienWein/Rumpler
Blick vom Reisenberg auf Wien © WienWein/Rumpler

Bei ihrer schon traditionellen Pressekonferenz anlässlich der Präsentation des neuen Jahrgangs haben die sechs WienWein-Winzer zwei zentrale Themen präsentiert. Rainer Christ, Michael Edlmoser, Thomas Huber (Fuhrgassl-Huber), Gerhard J. Lobner (Mayer am Pfarrplatz), Thomas Podsednik (Cobenzl) und Fritz Wieninger zeigten sich über die durchgesetzte Bewirtschaftungsverpflichtung, die der zunehmenden Grundstücks-Spekulation Einhalt gebieten soll, erfreut. »Der Traum vom Swimming Pool mit Liegewiese am Nussberg ist für viele ausgeträumt!» bringt das Wieninger auf den Punkt. Das zweite Hauptthema birgt wesentlich mehr Sprengstoff, denn ein Vorstoß zur Klassifizierung der besten Wiener Lagen wird nicht nur Befürworter finden.

Vorbild VDP
Das Ziel skizziert Gerhard J. Lobner vom Weingut Mayer am Pfarrplatz, der sich durch eine schlüssige Lagen-Klassifikation mehr internationales Gehör erhofft. Er führt den VDP (Verband Deutscher Prädikats- und Qualitätsweingüter) als positives Beispiel an, wo man auch in den Top-Restaurants in New York weiß, was eine »Grosse Lage« und ein »Grosses Gewächs« ist. Fritz Wieninger streicht die Vorteile des deutschen Systems hervor: »Die Lagen sind entscheidend, in einer Grossen Lage muss kein Grosses Gewächs entstehen«. Das Zugpferd der Wiener Winzer lobt den erstklassigen Weinbaukataster, den es in Wien bereits gibt und verweist darauf, dass bereits in der Monarchie Lagen klassifiziert wurden. Seinerzeit aus steuerlichen Gründen, denn für die wertvollsten Lagen mussten die meisten Steuern bezahlt werden.

Edlmoser, Christ, Wieninger, Lobner, Podsednik und Huber © Raimo Rudi Rumpler

Diskussionen mit Reibung
Wieninger betont, dass die WienWein-Mitglieder zuerst ihre Hausaufgaben machen müssen: die historische Grundlage recherchieren und positive und negative Beispiele aus der Weinwelt sammeln. Wieninger will Fakten schaffen, und dann mit anderen Akteuren diskutieren. Diese Taktik habe auch beim Wiener Gemischten Satz zum Erfolg geführt. In weiser Voraussicht merkt Wieninger an, dass die ÖWM (Österreich Wein Marketing) damit nicht glücklich sein wird, aber manche Projekte müssten kleinere Gruppen angehen, damit sie umgesetzt werden.

Reaktion der ÖWM

Willi Klinger/ÖWM
Willi Klinger/ÖWM

Wie recht Wieninger hat, zeigt eine Falstaff-Nachfrage bei ÖWM-Chef Willi Klinger, der von »durchsichtigen Marketing-Interessen spricht« und sogar noch deutlicher wird: »Ich finde das ganz blöd, wenn von ein paar Wenigen verordnet werden soll, was eine gute Lage ist und was nicht. Ich bin für einen demokratischen Prozess, aber dieses Lagen-Denken ist ein hierarchisches Relikt. Eine Klassifikation ergibt sich ohnehin demokratischerweise aus der Preisliste.« Klinger beklagt zudem eine Kakophonie, die mehr Probleme schafft als Lösungen bringt und für sein Dachmarketing kontraproduktiv ist. Dennoch gesteht Klinger ein, dass er die Vorarbeit von Vereinen nicht grundsätzlich negativ sieht, es bestehe aber die Gefahr von endlosen Streitereien. Als ersten Schritt müssten Winzer aber auch Lagenwahrheit einhalten.

Jahrgang 2014 mit Vorzügen
Etwas in den Hintergrund geriet der eigentliche Anlass für den Presseauftritt der WienWein-Winzer, der Jahrgang 2014. Rainer Christ betonte, dass ein »schwieriges Jahr kein schlechtes sein muss«. Viele hätten nur den verregneten Sommer im Hinterkopf, allerdings war 2014 das wärmste Jahr der Geschichte. Bei einem ersten Überblick über die 2014er-Weine der anwesenden Winzer zeigte der Jahrgang seine Vorzüge: Frische, Fruchtigkeit, geringe Alkoholwerte und lebendige Säurestruktur. Dass die grundlegende Idee des Gemischten Satzes hervorragend funktioniert, bewiesen die alten Reben, die sich voller Finesse und Tiefgang präsentierten.

www.wienwein.at

(von Bernhard Degen)

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