Fritz Wieninger und Stefan Hajszan vor dem Wiener Panorama © ÖWM/Elze/beigestellt
Fritz Wieninger und Stefan Hajszan vor dem Wiener Panorama © ÖWM/Elze/beigestellt

Fritz Wieninger ist Wegbegleiter und Mentor von Stefan Hajszan, der sich vor wenigen Jahren den Traum eines eigenen Weinguts erfüllt hat. Hajszan ist erfolgreicher Gastronom und hat sich neben seinen Betrieben »Universitätsbräu im Alten AKH« und dem »Raxkönig« in Niederösterreich ein eigenes Weingut am Fuße des Wiener Nussbergs aufgebaut. Hajszan hat von Wieninger gelernt, wie man bio-dynamischen Weinbau betreibt und hat seine Anbaufläche auf 20 Hektar ausgebaut. Vor zwei Jahren hatte sich Hajszan den Architekten Heinz Neumann als strategischen Partner mit ins Boot geholt. Dennoch war die Doppelbelastung Winzer und Wirt in einem schwierigen Umfeld auf Dauer zu viel. Schweren Herzens trennt sich Hajszan nun von seinem Weingut und übergab die gesamte Anbaufläche sowie die Buschenschank am Nussberg an Fritz Wieninger.

»Man kann nicht beides auf Top-Niveau machen«, sagt Hajszan im Gespräch mit falstaff.at. Die Gastronomie ist laut Hajszan intensiver geworden, die Einhaltung der überbordenden Auflagen beanspruchen immer mehr Zeit und auch im Weinbau nimmt die Administration immer mehr Raum ein. »Ich will mich jetzt wieder voll in die Gastronomie stürzen, das muss 100-prozentig funktionieren«. Das Restaurant »Winzerei« in der Grinzinger Straße, das Teil des Weinguts war, wird von Hajszan weiter geführt. Und für seine Familie bleibt nun hoffentlich auch mehr Zeit, denn Hajszan ist vor kurzem Vater von Zwillingen geworden.

Die Buschenschank am Nussberg wird ein Wieninger-Betrieb, Siegi Machatschek wird »Heurigenwirt« © Falstaff/Degen

Fritz Wieninger streut seinem Freund Rosen und will die Marke »Hajszan-Neumann« beibehalten: »Die Marke ist gut eingeführt und steht für bio-dynamischen Weinbau. Ich will nicht alles auf ›Wieninger‹ branden.« Wieninger freut sich auf 20 Hektar in den besten Lagen am Wiener Nussberg, die lückenlos Demeter-zertifiziert (also kontrolliert bio-dynamisch bewirtschaftet) sind. Der Wiener Paradewinzer kann seine Anbaufläche somit auf 70 Hektar ausbauen, was bei einer Gesamt-Weinanbaufläche von rund 560 Hektar in Wien einen erklecklichen Teil darstellt. Wieninger übernimmt auch alle Mitarbeiter des Betriebes. 

Rückblickend zeigt sich Hajszan etwas zerknirscht und hadert mit den extrem strengen Auflagen, die man als bio-dynamischer Winzer einzuhalten hat. »Als Biobauer wird man manchmal wie ein Verbrecher behandelt! Ich werde bestraft, weil bei mir im Keller noch Backpulver gefunden wurde, auch wenn ich es gar nicht mehr verwendet habe.« Auch in der Gastronomie kommen Auflagen, die für viele Betriebe eine existenzbedrohende Hürde darstellen. Bei der Nachweispflicht der Rezepturen müssen alle Inhaltsstoffe und mögliche Allergieauslöser auf der Speisekarte dokumentiert werden. Von der Politik fühlt er sich im Stich gelassen und unterstützt künftig aktiv die Neos.

Auch wenn viele den Rückzug Hajszans als Winzer bedauern werden, seine Weingärten sind bei Wieninger in guten Händen und man muss sich keine Sorgen machen, dass an der bio-dynamischen Bewirtschaftung etwas geändert wird.

(von Bernhard Degen/top)

Weingut Hajszan/Neumann mit Falstaff-Bewertungen
Weingut Wieninger mit Falstaff-Bewertungen
Die »Winzerei« im Falstaff-Restaurantguide

 

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