Thomas Podsednik (Weingut Cobenzl), Rainer Christ, Fritz Wieninger, ­Michael Edlmoser, Alexander Skoff (Weingut Zahel) und Gerhard Lobner (v. l. n. r.) / Foto: Steve Haider
Thomas Podsednik (Weingut Cobenzl), Rainer Christ, Fritz Wieninger, ­Michael Edlmoser, Alexander Skoff (Weingut Zahel) und Gerhard Lobner (v. l. n. r.) / Foto: Steve Haider

Auf den Bergen um Wien wird schon jahrtausendelang Wein angebaut, und dennoch ist es noch gar nicht so lange her, da konnte man in den Restaurants der Stadt kaum Wiener Wein bekommen. Die besten Winzer der österreichischen Hauptstadt belieferten zwar schon Spitzenrestaurants in Weltmetropolen, aber in der eigenen Stadt war die Nachfrage nach Wiener Qualitätswein ähnlich stark wie nach deutschen Kreszenzen – also kaum vorhanden. Winzer Fritz Wieninger erinnert sich: »In den Neunzigerjahren habe ich vom Grünen Veltliner Herrenholz mehr in
New York verkauft als in Wien.« Das Image des Wiener Weins war im Keller – abgesehen von wenigen Ausnahmen handelte es sich um gefällige Massenware, die sich vor allem für »G’spritzte«, also zur Verdünnung mit Sodawasser, eignete.

Wieninger war einer von wenigen Wiener Winzern, die bei Vergleichsverkostungen mit favorisierten Weinen aus bekannteren Gebieten wie der Wachau oder dem Kamptal mithalten konnten. Michael Edlmoser, Richard Zahel und Rainer Christ zählten auch zu dieser raren Spezies und ärgerten sich ebenso über die geringe Nachfrage vor der eigenen Haustür. So verabredete sich das Quartett zu einem Treffen im Restaurant »Steirereck«, und obwohl sich davor gar nicht alle persönlich kannten, war man sich schon vor der Vorspeise einig, dass man etwas gegen das ramponierte Image des Wiener Weins unternehmen müsse. Es war zu Beginn des Jahres 2006, als die ­WienWein-Gruppe von den vier engagierten Winzern gegründet wurde.

Blieck von der begehrten Lage Nussberg auf die Donaumetropole/ Foto: ÖWM, Gerhard Elze
Blieck von der begehrten Lage Nussberg auf die Donaumetropole/ Foto: ÖWM, Gerhard Elze



Neues Selbstbewusstsein
Nur fünf Jahre später haben die Bemühun­gen der Gruppe sichtbar Früchte getragen: Jedes Wiener Restaurant, das etwas auf sich hält, hat mehrere Wiener Labels auf der Weinkarte. Auch bei Hobby-Weintrinkern ist die Nach­frage um ein Zigfaches gestiegen. Der Ruf des Wiener Weins hat sich radikal verbessert, und die Namen der Winzer sind wie die der besten Lagen wohlbekannt. Die Renaissance des ­Wiener Weins geht zu einem großen Teil auf das Konto der Gründungsmitglieder von ­WienWein. »Wir haben uns auf Anhieb blendend verstanden, wir sind eine absolut eingeschworene Truppe ohne Wenn und Aber!«, schwärmt Fritz Wieninger. »Die Wiener sind stolz auf ihren Wein und sehen ihn nicht mehr als Touris­tengag und Mitbringsel. Wiener Wein wird mit Selbstverständlichkeit bestellt, und man bekommt ihn auch!« Im Jahr 2010 stießen zwei große und traditionsreiche Weingüter zur Gruppe: das Weingut Cobenzl unter der Leitung von Thomas Podsednik und das Weingut Mayer am Pfarrplatz, angeführt von Gerhard Lobner. WienWein hat sich stets als offene Gruppierung verstanden, und es war mit Quereinsteiger Stefan Hajszan auch schon ein siebtes Mitglied im Gespräch.

Fritz Wieninger ist die treibende Kraft der WienWein-Gruppe / Foto: beigestellt
Fritz Wieninger ist die treibende Kraft der WienWein-Gruppe / Foto: beigestellt



Einst ein hässliches Entlein ...
Wein gehört zu Wien wie der Stephansdom und das Riesenrad, die Donaumetropole verfügt über die größte innerstädtische Rebfläche der Welt. Traditionen werden besonders bei den »Heurigen«, den typischen rustikalen Weinlokalen mit deftigem Speisenangebot und weinseliger Schrammelmusik, hochgehalten. Der dort mit Vorliebe ausgeschenkte »Gemischte Satz« ist eine Wiener Besonderheit, dessen dürftige Qualität lange zum schlechten Ruf des dortigen Weins beigetragen hat.

Es ist unbestritten das Verdienst der WienWein-Winzer, dass der im Mischsatz erzeugte Wein nun populärer ist denn je. »Wir haben aus einem hässlichen Entlein einen Wein gemacht, auf den die Wiener so richtig stolz sind!«, bringt es Fritz Wieninger auf den Punkt. Anders als bei einer Cuvée, bei der die Weine reinsortig vergoren und meist kurz vor der Füllung verschnitten werden, findet hier die Vermählung schon in der Natur statt. Die Trauben werden gemeinsam gelesen und vergoren. Wie früher treten daher die Charakte­ristika der Sorten in den Hintergrund und die Vorzüge des jeweiligen Terroirs in den Vordergrund. Den Weinfreunden der Großelterngeneration war es nie wichtig, welche Rebsorten ins Glas kamen, entscheidend war immer die Lage.

Richard Zahel gehört zu den Gründern der WienWein-Gruppe / Foto: beigestellt
Richard Zahel gehört zu den Gründern der WienWein-Gruppe / Foto: beigestellt

Forbestand sichern
Die Wiener Weingärten liegen zum Großteil an malerischen Hängen und bieten nicht selten einen herrlichen Ausblick über die Stadt. Kein Wunder, dass derartig schöne Grundstücke auch Begehrlichkeiten von anderen Freunden guter Lagen und schöner Aussicht wecken. Mit großer Sorge wird das Treiben von Spekulanten beob­achtet, die Weingärten aufkaufen, brach liegen lassen und auf Umwidmungen hoffen. Die Preise werden dadurch so stark in die Höhe getrieben, dass Winzer oft nicht mehr mithalten können. Der Quadratmeterpreis liegt um das bis zu Zehnfache höher als in anderen Weinbaugebieten. »Den Leuten, die glauben, sie machen aus unseren Weingärten Golfplätze, denen werden wir’s zeigen«, fasst Fritz Wieninger die neueste Initiative von WienWein zusammen und übt mit öffentlichkeitswirksam vorgebrachten Forderungen Druck auf die ­Politik aus. Im Kern geht es darum, dass die in der Weinbauflur als Weinberge eingetragenen Flächen auch verpflichtend mit Reben bepflanzt werden müssen. Wer sich dem widersetzt und entsprechende Grundstücke als Ziergarten oder Spielwiese nutzt, der soll eine massive »Liebhaberei-Abgabe« entrichten, die zweckgebunden dem Weinbau zugutekommen soll. Die Wiener Stadtpolitik ist den Winzern traditionell gewogen, und die Umsetzung der Forderungen ist keineswegs unrealistisch.

Das Weingut Christ ­ spiegelt den modernen  Ansatz der Gruppe wider / Foto: beigestellt
Das Weingut Christ ­ spiegelt den modernen Ansatz der Gruppe wider / Foto: beigestellt



INFO
Wiener Wein im Überblick: Im Wiener Stadtgebiet betreiben etwa 230 Weinhauer auf fast 700 Hektar Weinbau. 86 Prozent der Rebfläche entfallen auf den 19. und den 21. Bezirk. Von Stammersdorf, Strebersdorf und Jedlersdorf im Norden der Stadt über die Donau nach Nussdorf, Heiligenstadt, Grinzing, Sievering und Neustift am Walde, Dornbach und Ottakring bis ins südliche Mauer und Oberlaa erstreckt sich die Weinregion Wien. Das ist die weltweit größte innerstädtische Rebfläche überhaupt. Mit einem Anteil von 80 Prozent nehmen die Weißweine einen Großteil der Rebfläche der Weinregion Wien ein.



Text von Bernhard Degen
Aus Falstaff Nr. 4/2011

Mehr zum Thema

  • Die WienWein Winzer (v.l.n.r.): Stehend - Alex Skoff, Rainer Christ, Fritz Wieninger, Michael Edlmoser; Sitzend - Gerhard Lobner, Thomas Podsednik;
    12.04.2011
    Denkmalschutz für den Wiener Wein
    Mit dieser ungewöhnlichen Forderung treten die sechs WienWein Winzer für den Erhalt der Weingartenflächen in der Bundeshauptstadt ein.
  • Mehr zum Thema

    News

    Weine aus Übersee: Die Entdeckung der Neuen Welt

    Weine aus Übersee werden in Österreich inzwischen gerne verkostet, trotz eines vielfältigen Angebots werden sie aber öfter gelobt als gekauft –...

    News

    40 Jahre Falstaff: Winzer die Geschichte schrieben

    Jede Weinbau-Nation, aber auch jede Winzer-Generation hat ihre Ausnahmekönner, deren Geschick in der Kunst des Weinmachens Außergewöhnliches...

    News

    Top 3 Trends für die Wein-Zukunft

    Nachhaltigkeit ist DAS Zukunftsthema schlechthin. Kühlere Lagen, Begrünung, alternative Rebsorten sind die Top-Trends.

    News

    Wein aus Österreich: Bio-Boom in den 2010er-Jahren

    40 Jahre Falstaff: der ökologische Weinbau boomte in den vergangenen zehn Jahren. Eine gute Basis für die Zukunft – denn auch hierzulande wird der...

    News

    Wein & Co kürt Winzertalente des Jahres

    Pasler, Dockner und Schauer wurden mittels Kundenbefragung und Blindverkostung der Profis als Winzertalente des Jahres erkoren.

    News

    Wein zu Pasta: Das passt zu Ravioli mit Fleischfüllung

    Die italienische Küche kennt unzählige Pasta­varianten. Je nach Sauce und Zubereitung braucht es unterschiedliche Begleiter. Die Falstaff...

    News

    VDP-Präsident Christmann: Schutzgemeinschaften sollen klassifizieren

    Die Neuordnung der Qualitätspyramide für den deutschen Wein ist auf der Zielgeraden. Konfliktpotenzial gibt es allerdings noch reichlich.

    News

    Jahrgang 2020: Weinjahr der Gegensätze in Österreich

    Eine erste Analyse des Jahres 2020 verspricht animierend frische Weiße, fein ausgewogene Rote und manche süße Rarität.

    News

    Teil 2 Bordeaux 2018: Die Besten aus Sauternes und Barsac

    Hohe Bewertungen gab es für Château d’Yquem und Château Suduirau bei der Arrivage-Verkostung des Jahrgangs 2018 im Sauternes und Barsac.

    News

    Penfolds bringt kalifornische Weine auf den Markt

    Das australische Weingut Penfolds stellt vier neue Weine mit Trauben aus den amerikanischen Regionen Paso Robles, Napa und Sonoma vor.

    News

    Corona: Die VieVinum wird auf 2022 verschoben

    Trotz aller Energie, die in ein innovatives Sicherheitskonzept investiert wurde, muss die österreichische Wein-Leitmesse für dieses Jahr abgesagt...

    News

    Moët & Chandon: Neues Design für Impérial Flasche

    FOTOS: Legendäre Luxusmarke erstrahlt im neuen Design: Gemeinsam mit der gefeierten Künstlerin »Yoon« präsentiert Moët & Chandon die neue Limited...

    News

    Wein aus Sizilien: Tanz auf dem Vulkan Ätna

    Der Ätna spuckt nicht nur aktuell wieder Feuer, er gilt auch als Hotspot der Weinbaugebiete Italiens. Die Weinregion Etna bietet die Grundlage für...

    News

    Top 8 Weinempfehlungen zu Hering

    Zum Start in die Fastenzeit steht bei vielen der beliebte Heringsschmaus auf dem Programm: Wir haben acht Spitzen-Sommeliers nach dem perfekten...

    News

    Valpolicella mit erster digitaler Veranstaltung

    Valpolicella geht online mit der ersten vollständig digitalen Veranstaltung eines Konsortiums und setzt somit innovative Schritte.

    Advertorial
    News

    Buchtipp: Fassenacht-Krimi von Andreas Wagner

    Der Winzer, Historiker und Autor nimmt den Leser mit auf eine Reise in einen tödlichen Karnevals-Trubel in Rheinhessen: »Winzerschuld«.

    News

    Die Sieger der Vulkanland-Trophy 2021

    Die Weine der südöstlichen Steiermark steuern klar auf Erfolgskurs: Das bestätigt die Falstaff »Vulkanland Steiermark DAC Trophy 2021«, bei der...

    News

    Teil 1 Bordeaux 2018: Zwei Mal 100 Punkte im Médoc

    Die Arrivage-Verkostung der gefüllten Weine des Jahrgangs 2018 brachten im Médoc Fabelbewertungen, u.a. für Cos d'Estournel, Palmer, Mouton...

    News

    Ornellaia & Sassicaia – Bolgheri 2018 im Test

    Von den beiden bekanntesten Weinen aus Bolgheri an der toskanischen Küste wurden in diesen Tagen der aktuelle Jahrgang – 2018 – präsentiert. Wie sind...