Wien: Boom der Gourmet-Kantinen

Hannahs Kantine im Amtsgebäude Radetzkystraße

© Mato Johannik

Hannahs Kantine im Amtsgebäude Radetzkystraße

© Mato Johannik

»Wurstsemmel oder Kebap?« – Für eine kulinarische Gestaltung der Mittagspause bleibt oft wenig Spielraum, einerseits aus Zeitmangel und andererseits wegen einer überschaubaren Auswahl an Optionen. Doch mit den Engagements von mehreren Wiener Vorzeigegastronomen wird das Angebot nun deutlich vielfältiger. Die jüngste im Bunde der anspruchsvollen Mittagsverpfleger ist Hannah Neunteufel, die mit Catering, Eventmanagement und als Betreiberin der stylish-barockigen Eventlocation Vienna Ballhaus aktiv ist. Nun betreibt sie auch die Kantine im Bundesamtsgebäude Radetzkystraße 2 (Bundesministerium für Gesundheit und Frauen), in dem rund 1.800 Staatsbedienstete ihren Büroalltag fristen.

Hannahs Speisesaal

Das Küchenteam ist gut aufgestellt – eine gesunde Mischung aus Erfahrung (Michael Wimmer) und Innovation (Jakob Neunteufel) zeichnet für das kulinarische Konzept verantwortlich. Gesund soll es sein, abwechslungsreich sowie wohlschmeckend. Und natürlich muss es schnell gehen. Das Angebot reicht beispielsweise von Klassikern wie Schinkenfleckerln (6,40 Euro) über Zeitgenössisches wie Hokkaido-Gulyas bis hin zu Trendigem wie diversen Bowls. Der Speisesaal ist neu eingerichtet, die schnörkellose Einrichtung rückt die Kulinarik in den Vordergrund. Zusätzlich zum Mittagsangebot gitb es ein Take away Service, in weiterer Folge soll auch in die nähere Umgebung zugestellt werden.

Wo: Radetzkystraße 3, 1030 Wien
Wann: Werktags von 11 bis 15 Uhr, frei zugänglich
Infoswww.hannahs-speisesaal.at 

»Die Kantine« von Marco Simonis

Marco Simonis hat sich in der Wiener City mit seiner weltstädtischen Genussgreisslerei einen Namen gemacht. Wenn es um die besten erhältlichen Lebensmittel und ästhetische Komplementärprodukte geht, dann ist die Dominikanerbastei 10 wohl die erste Adresse (gefolgt von der Thobaldgasse 14 im 6. Bezirk, wo sich eine Dependence befindet). Simonis raffinierte Küche in Kombination mit den hochqualitativen Zutaten führte zu einer regen Nachfrage an Catering-Leistungen. Da die Küche in der Wiener Innenstadt dafür aber zu klein dimensioniert ist, machte sich der Gastronom auf die Suche nach einer günstig gelegenen Großküche – und wurde in der Nähe des Gasometers fündig. Es handelt sich dabei um die perfekt ausgestattete Küche der Kantine im Bürokomplex mit Wiener Wohnen und Statistik Austria. Deren Mitarbeiter dürfen sich nun über einen ausgezeichnete Küche als »Nebenprodukt« freuen. Die Preise bewegen sich zwischen 2,80 und 9,90 Euro, zur Auswahl stehen biologisch dominierte Fleischgerichte wie Asia-Schweinebauch oder Paprikahendl sowie eine Vielzahl an vegetarischen und leichten Gerichten wie indisches Gemüsecurry oder Wallerfilet provencal.

Wo: Modecenterstraße 14, 1110 Wien
Wann: werktags von 11:30 bis 14 Uhr, frei zugänglich
Infoswww.marcosimonis.com

Impressionen: Marco Simonis' Kantine

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Weitere Top-Adressen

Das neue Restaurant von Sohyi Kim (»Kim kocht«) ist zu Mittag die Kantine der KPMG Wirtschaftsprüfungsanstalt und mutiert am Abend zur koreanischen Genuss-Kantine mit Schwerpunkt Fleisch. Im »Kim Chingu« stellt man sich das Menü selbst zusammen und teilt es dem Konzept zufolge im »Family Style«. Die Mittagskantine von Kim ist leider nicht für die Öffentlichkeit zugänglich, ab 18 Uhr dürfen aber alle rein. Schon etwas länger betreiben Tobias Müller und Edi Dimant das »Iki« am Campus der Erste Bank – ein japanisches Bistro im Kantinen-Stil mit Wiener Charme und isrealischem Lebensgefühl.

Soviel zu den Novitäten. In einem Artikel über Wiener Kantinen darf man aber die besten Klassiker nicht unerwähnt lassen. Dazu gehören das »Justizcafé« auf dem Dach des Wiener Justizpalastes mit Terrasse und traumhaftem Ausblick über Wien. Wenn man den von Flughäfen bekannten Security-Check passiert hat, kann man unkomplizierte Küche sowie Kaffee und Mehlspiesen genießen. Wiener Schmäh und Wiener Küche serviert seit vielen Jahren der bekannte Fernsehkoch Andi Wojta im »Minoritenstüberl«, der Kantine im Unterrichtsministerium am Minoritenplatz 5. Vermutlich der kultigste Ort, für die Mittagspause in der Donaumetropole.

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