Die außergewöhnliche Hitze dieses Sommers ist Dauerthema in den Medien, wo im Bezug auf den Weinbau zum Teil dramatische Szenarien skizziert werden: Von einer frühen Noternte oder Einbußen von bis zu 50 Prozent ist da die Rede. Falstaff Online hat mit Weinbaupräsident Johannes Schmuckenschlager gesprochen, der die Lage zwar ernst, aber nicht fatalistisch sieht. Er berichtet von Reife-Messungen bei den Trauben, die in etwa mit jenen des Vorjahres zu vergleichen sind. (Viele werden sich erinnern, der Sommer 2014 war mit viel Niederschlag so ziemlich das Gegenteil vom diesjährigen). Das scheinbare Paradoxon begründet sich darin, dass die Reife durch die vielen Sonnenstunden zwar schon weit fortgeschritten war, allerdings sind die Trauben durch die Trockenheit im Moment in ihrer Entwicklung gestoppt. Jetzt heißt es, auf ausgiebigen Niederschlag ohne Unwetter zu hoffen. Wenn es Anfang September noch regnet, kann die Erntemenge sogar leicht überdurchschnittlich ausfallen.

Interview mit Johannes Schmuckenschlager

FALSTAFF: Welche Maßnahmen können Winzer treffen, um ihre Trauben vor großer Hitze zu wappnen?
SCHMUCKENSCHLAGER: Einerseits gibt es die Möglichkeit, dort wo Bewässerungen vorhanden sind, die Reben zu bewässern und damit auch die Trauben bestmöglich zu versorgen. Da es heuer ja bereits schon im Mai und Juni sehr heiß war, haben viele Winzer bei der Entblätterung weniger Blätter entfernt und dadurch haben die Trauben jetzt auch eine Beschattung. Es zeigt sich auch dass in sehr heißen Jahren die Traubenbeeren eine dicke, feste Schale entwickeln und dadurch auch widerstandsfähiger gegenüber sogenannten Sonnenbrandschäden sind. (vergleichbar mit südlicheren Ländern wie Italien und Spanien)

Ist die andauernde Hitze noch gut für die Qualität des Weines?
Das kann man so eindeutig nicht sagen. Die Weinreben sind ja als Tiefwurzler sehr strapazierfähig und können auch längere trockenen Phasen gut verkraften. Die Hitze hat einerseits die Folge dass wir in der Reifeentwicklung schon sehr weit vorgeschritten sind, aber die Trockenheit hat in den vergangenen Tagen dazu geführt, dass die Reben ihre Wachstumsaktivität stark reduziert haben und daurch momentan auch die Reifeentwicklung der Trauben gestoppt ist. Für die Qualität ausschlaggebend sind sicherlich die letzten August und ersten Septemberwochen. Zur Weiterentwicklung brauchen wir unbedingt entsprechende Niederschläge und hoffen auch auf kühlere Nächte die für die Aromaausprägung entscheidend sind. Der große Vorteil der Trockenheit ist auf jeden Fall das die Krankheitsgefahr durch Pilzkrankheiten fast gleich Null ist. Damit werden wir ein sehr gesundes Lesegut ernten können, was für die Reintönigkeit und Fruchtausprägung der Weine eine Top-Voraussetzung ist.

Welche Hitzeschäden kann es konkret geben?
Hier gibt es mehrere Gefahren. Die oben schon erwähnte Problematik von Sonnenbrand (Beeren haben Verbrennungserscheinungen und damit eine Qualitätsbeeinträchtigung. Solche Trauben sollten dann bei der Lese ausselektioniert werden. Die Folge wären gerbstoffbedingte Bittertöne im Wein). Auch die Rebanlagen selbst können Schaden nehmen vor allem bei Junganlagen kann es zu Wachstumsdepressionen kommen die auch auf das Folgejahr Auswirkungen haben können. Und dann die Problematik, dass bei zu hohen Erntetemperaturen die Gefahr von mikrobiologischen Infektionen (Essiggeschmack) sehr hoch ist.

Welche Auswirkungen haben die hohen Temperaturen auf die Erntemenge?
Hier müssen wir noch bis ca. Ende August abwarten, ob noch Regen kommt oder nicht. Kommt kein Regen mehr müssen wir wieder einmal eine leicht unterdurchschnittliche Erntemenge hinnehmen, da sicherlich die Saftausbeute sehr gering sein wird. Kommt noch entsprechender Niederschlag gehen wir von einer leicht überdurchschnittlichen Erntemenge aus. Das werden die nächsten Wochen entscheiden.
 
Wie ist der Reifezustand der Trauben? Ist mit einer frühen Ernte zu rechnen?
Es wurden bereits die ersten Reifeproben bei den Versuchsanstalten genommen. Man merkt, dass der vermeintliche Reifevorsprung aufgrund der Trockenheit schon wieder verloren ist, und wir momentan etwa Werte haben wie im Vorjahr. Jedoch sind sich erfahrene Winzer und die weinbauliche Fachwelt einig, dass sich die Reife der Trauben bei den ersten nennenswerten Niederschlägen sehr dynamisch entwickeln wird und wir mit der Hauptlese in Österreich schon ab Anfang/Mitte September rechnen können.

(von Bernhard Degen)

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