Werbeverbot für Milchprodukte und Fruchtsäfte?

Drohendes Werbeverbot für österreichische Heumilch, Joghurt, Käse etc.

© Shutterstock

Drohendes Werbeverbot für österreichische Heumilch, Joghurt, Käse etc.

Drohendes Werbeverbot für österreichische Heumilch, Joghurt, Käse etc.

© Shutterstock

http://www.falstaff.at/nd/werbeverbot-fuer-milchprodukte-und-fruchtsaefte/ Werbeverbot für Milchprodukte und Fruchtsäfte? Österreichische Zeitungsherausgeber sind alarmiert: Noch vor der EU soll in Österreich Werbung für Lebensmittel mit hohem Fett- bzw. Zuckeranteil verboten werden. http://www.falstaff.at/fileadmin/_processed_/a/d/csm_csm_Kaese-O__sterreich-Shutterstock-2640_1881e73db9_5d7d08d04a.jpeg

Wenn es nach der Nationalen Ernährungskommission geht, soll schon Ende Mai ein sogenanntes Nährwertprofil beschlossen werden, das Werbung für Lebensmittel mit hohem Fett-, Zucker- oder Salzgehalt verbietet. Im Klartext heißt das, dass weder Bio-Heumilch, Käse, Fruchtsäfte oder Marmeladen beworben werden dürften. Den österreichischen Medien, die durch die Corona-Krise ohnehin herbe Rückschläge hinnehmen mussten, droht der Verlust eines Werbevoluens von rund 200 Millionen Euro. Auch für heimische Produzenten sind in weiterer Folge Einbußen zu befürchten, wenn sie nicht wie internationale Konzerne auf Low-Fat/Low-Sugar-Kunstprodukte setzen.

In der Medienbranche herrscht Unverständnis darüber, dass Österreich einen nationalen Alleingang starten will, denn in der EU wird ohnehin an einer europaweiten Richtlinie gearbeitet, die frühestens 2022 in Kraft treten soll. Dem Vernehmen nach sind die in Österreich geplanten Maßnahmen deutlich strenger als jene, die von der EU zu erwarten sind.

Das vorgelegte österreichische Nährwertprofil legt Maßstäbe an, die sogar die strengen Kriterien des Modells der Weltgesundheitsorganisation (WHO) überbieten. Dabei funktionieren freiwillige Beschränkungen der heimischen Medien tadellos. Einem entsprechenden Verhaltenskodex zufolge verpflichtet sich die Branche zur Einhaltung konkreter Richtlinien bei der Bewerbung von Lebensmitteln mit hohem Fett-, Zucker- oder Salzgehalt gegenüber Kindern in audiovisuellen Medien inklusiver diverser digitaler Kanäle. Seit 2017 bestand lediglich in zwei Beschwerdefällen zu Lebensmittelwerbung ein Zusammenhang mit Kindern. 

Entsetzen bei Zeitungsherausgebern

Markus Mair, Präsident des Verbandes Österreichischer Zeitungen (VÖZ), zeigt sich in einer ersten Reaktion entsetzt: »Ein Werbeverbot für alltägliche Lebensmittel ist nicht nur weltfremd, sondern schadet der gesamten Wirtschaft. Gerade in Zeiten, in denen es um die Ankurbelung der Konjunktur geht, wäre eine solche Maßnahme absolut kontraproduktiv. Darüber hinaus gibt es keinerlei wissenschaftliche Evidenz, dass Werbeverbote die Ernährungsgewohnheiten beeinflussen. Wesentlich sinnvoller wäre eine öffentliche Kampagne, die alle Bevölkerungsgruppen für ausgewogene Ernährung und mehr Bewegung sensibilisiert.«

Inkriminierte Lebensmittel

Der vorliegende Entwurf des Gesundheitsministeriums sieht absolute Werbeverbote etwa folgende Lebensmittel vor: 

  • Süßwaren
  • süße Backwaren
  • Speiseeis
  • pikante Snacks (Knabbereien)
  • Öle
  • frittierte, panierte und vorgebackene Lebensmittel 

De facto würden die Werbeverbote zahlreiche weiter Lebensmittel betreffen. Unzulässig wäre etwa die Bewerbung von Bio-Heumilch, Käsesorten wie Emmentaler, griechischem Joghurt, Smoothies, 100 %-Fruchtsäften, Gebäck wie Semmeln, Müsliriegeln, Maisstangen und Reiswaffeln, Fischstäbchen und Hühnernuggets, Kipferl und Brioche, Marmeladen, Milchreis, Cornflakes, Mozzarella-Sticks etc. 

Frage des Alters ist entscheidend

Die aus dem österreichischen Nährwertprofil resultierenden Werbeverbote würden – anders als die EU-AVMD-Richtlinie – für sämtliche Medien und Kanäle gelten, von Zeitungen und Plakaten bis hin zu sozialen Medien. Mangels Altersobergrenze ist zu befürchten, dass Lebensmittelwerbung für Personen bis 18 Jahre eingeschränkt werden soll. Das würde einem generellen Werbeverbot gleichkommen. In der Praxis gibt es nämlich keine Möglichkeit der inhaltlichen Abgrenzung des Medienkonsums von Personen im Alter von 17, 19 oder 35 Jahren. 

MEHR ENTDECKEN

Mehr zum Thema

News

»Mein Bayern«: Kulinarische Erkundungstour

In seinem neuen Buch nimmt Andreas Schinharl die Leser:innen mit auf »neue Wege« durch die bayerische Küche.

News

Wild Cuisine: Wilde Tiere auf dem Teller

Es muss nicht immer Reh oder Wildschwein sein: Schon mal Biber, Dachs oder Waschbär verkocht? Was heute teils exotisch anmutet, galt früher als...

News

Wien: Umar Fisch Bar sperrt Lokal am Naschmarkt

Ab September schließt der hoch antizipierte Umar-Ableger mit Küchenchef Stefan Doubek seine Türen im sechsten Bezirk. Das Restaurant und der...

News

Top 10: Rezepte mit Kürbis

Ob Hokkaido oder Butternuss: Kürbis eignet sich für viel mehr als bloß zur Herbst-Deko. Wofür? Das verraten wir hier mit einem Best of unserer...

News

Weltmilchtag: Kauf von Milchprodukten in Österreich wieder leicht rückläufig

Milch aus der Glasflasche und Bio-zertifizierte Produkte immer beliebter. Selbstversorgungsgrad in Österreich bei 177 Prozent.

News

»Weltmilchtag«: Weil Milch eben nicht gleich Milch ist

Kuhmilch oder Pflanzendrink? Eine Frage, bei der in Österreich immer mehr Menschen zur pflanzlichen Variante greifen. Anlässlich des heutigen Tages...

News

»Kartoffelmilch« aus Schweden

Aus Kartoffeln Klassiker wie Pommes, Püree oder Gratins machen – das kann doch jeder. Aber seinen Frühstückskaffee mit Kartoffelmilch pimpen? Ein...

News

Wissenschaftlich bestätigt: Heumilch ist nachhaltig

Die Universität für Bodenkultur hat der Heumilch-Wirtschaft ein hervorragendes Nachhaltigkeits-Zeugnis ausgestellt.

News

Heumilch erobert Marktanteile nachhaltig

2020 liegt der Fokus weiterhin auf Tierwohl und Nachhaltigkeit. ARGE Heumilch setzt auf ein Rundum-Marketingpaket für bessere Vermarktung.

News

Beste Rohmilchqualität als oberstes Ziel

Die AMA kontrolliert 530.000 Milchkühe um höchste Milchqualität sicherzustellen.

News

Kaffee am liebsten mit Frischmilch

Interessante Fakten zum Weltmilchtag: Österreicher lieben Kaffee mit Milch, Frischmilch wird in einer Blindverkostung erkannt, das Milchglas wird 50.

News

SalzburgMilch als Trendsetter am Food Festival Vienna

Von der hohen Produktqualität, die auf dem Slogan »Geht’s den Tieren gut, geht’s allen gut« basiert, konnten sich die Besucher im Wiener...

Advertorial
News

SalzburgMilch: Glückliche Kühe, beste Milch

Als erste Molkerei Österreichs hat SalzburgMilch gemeinsam mit führenden Experten eine Initiative zur Tiergesundheit gestartet, die höchste...

Advertorial
News

Versteckter Zucker in Milchprodukten

Jüngsten Studien zufolge sind satte zwei Drittel der Milchprodukte im österreichischen Handel zu süß um gesund zu sein. Der Trend ist aber positiv.

News

Neue Premium-Linie von SalzburgMilch

Milch und Joghurt können nur so gut sein, wie das Glück der Tiere und deren Bauern. Gemeinsam setzt man auf Tiergesundheit und Qualitätsmaximierung.

Advertorial
News

Heumilch immer beliebter

2017 brachte 24 Millionen Euro Mehrwert für die Heumilchbauern, 480 Millionen Kilogramm Heumilch wurden verarbeitet. 2018 wird das Tierwohl in den...

News

Graz feiert den Weltmilchtag

Milch schmeckt den Grazern: Am heutigen Weltmilchtag schenken die Milchbauern ihr kostbares Gut kostenlos an die Bevölkerung aus. Reichlich...

News

Frisch von der Weide: Heumilch auch in der Schweiz

Die ARGE Heumilch schließt das Jahr 2016 mit einer positiven Bilanz und verweist auf stabile Preise für ihre Milchbauern.

News

Gewinner des AMA-Milchinnovationspreises

Ja!Natürlich, Schärdinger und Ennstal Milch gehören zu den Siegern des begehrten Preises der Milchindustrie.

News

Am 1. Juni ist Weltmilchtag

Wirtschaftliche und ernährungsphysiologische Bedeutung der Milch – Preisverfall nach Aufhebung der Milchquote.