Weinparadies Waadtland: Chasselas

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La Côte – Groß, aber oho!

Tony Heubi kümmert sich um die Weinproduktion auf Château de Châtagneréaz bei Rolle.

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La Côte ist das größte aller Waadtländer Weinbaugebiete. Es erstreckt sich über rund 45 Kilometer zwischen Lausanne und Genf entlang des Sees. Auf den kiesigen Böden am Seeufer und den schwereren Böden an den Juraausläufern findet nicht nur der Chasselas ideale Bedingungen, auch andere Traubensorten gedeihen hier prächtig. Rund 50 Prozent des Waadtländer Rotweins wächst in der Region. Zu den berühmtesten Weindörfern von La Côte gehören Bursins, Echichens, Féchy, Tartegnin, Vinzel und Rolle. Gerade die Weißweine aus La Côte – Féchy, Mont-sur-Rolle und Co. –  gelten als hervorragende Apéroweine, das bestätigt auch François Schenk, der hier unter anderem die Domaine Château de Châtagneréaz besitzt. Vor einigen Jahren hat Schenk von diesem Weingut bei Mont-sur-Rolle eine Spezialbox lanciert, die mehrere Chasselas-Jahrgänge vereint. Gereifter Mont-sur-Rolle, lohnt sich das denn? »Chasselas sollte man reif trinken«, sagt François Schenk bestimmt. »Erst nach zwei bis drei Jahren zeigt er sein volles Aromenprofil – fast wie ein Champagner.« Immer mehr Kunden würden diese Meinung teilen und gerade in der Gastronomie seien die gereiften Flaschen von Château de Châtagneréaz gefragt. Die Probe zeigt es: Die vermeintlich einfachen Weißweine von La Côte profitieren durchaus von einigen Jahren in der Flasche und müssen sich vor vielen Weinen berühmterer Waadtländer Provenienzen alles andere als verstecken.


Die Weinregion Chablais mit ihren berühmten Herkunftsbezeichnungen Yvorne und Aigle befindet sich am Ostufer des Genfersees. Die noch junge Rhône ergießt sich hier in den Genfersee und bildet die Grenze zwischen den Kantonen Waadt und Wallis. Das Chablais ist ein Ort der Kontraste und damit wie gemacht für ausgedehnte, önotouristische Abenteuer – vom See bis in die Berge sind es nur wenige Autominuten, die Terroirs wunderbar vielfältig. Der berühmteste Wein der Region – und wohl auch des ganzen Waadtlandes – ist der Aigle les Murailles der Henri Badoux SA, ein Waadtländer Weißwein, wie er im Buche steht. Seit mehr als 100 Jahren existiert die Marke, und darauf ist man hier sichtlich stolz. Erst kürzlich wurde der Lausanner Street-Art-Künstler Jasm.1 mit der Bemalung der Kellereigebäude beauftragt: Prominentestes Motiv dabei ist natürlich die ikonenhafte Eidechse vom Etikett. So vielfältig wie die Terroirs des Chablais sind, so vielfältig sind die Konzepte und Ausrichtungen der einkellernden Betriebe. Bernard Cavé aus Ollon gehört zu den absoluten Spitzenproduzenten der Region, seine unglaublich mineralischen, tiefgründigen Weine entstehen im Einklang mit der Natur. Besonders sein Syrah beeindruckt. »Wir sind hier am Beginn des Rhônetals«, sagt der sympathische Weinmacher und lacht. »Chasselas ist zwar die Waadtländer Identität, unsere Lagen lassen aber noch ganz andere Dinge zu.«


Die Weinregion Vully zwischen Neuenburger- und Murtensee reicht vom Kanton Waadt bis zum Kanton Freiburg. Das tönt groß, in Tat und Wahrheit ist Vully aber die kleinste Weinregion der Schweiz. 150 Hektaren umfasst die AOC Vully, wobei 100 davon im Kanton Freiburg und 50 im Kanton Waadt liegen. In der Region sind sowohl traditionelle Winzerhäuser zu finden, die auf Chasselas setzen, wie auch innovative junge Weinproduzenten, die neue Wege gehen. Zu den wichtigsten Protagonisten gehört die Winzerin Madeleine Ruedin. Viele Jahre arbeitete sie mit dem bekannten Produzenten Bernard Cavé zusammen, seit 2011 ist sie in Vully erfolgreich, die junge Winzerin setzt dabei auf Innovation wie den Ausbau in Amphoren. Auch in Vully spielt der Chasselas zwar eine Hauptrolle, die Rebsorte Pinot Noir fühlt sich auf den Molasseböden aber ebenso wohl wie auch viele andere Spezialitäten. Familie Bovard-Chervet vom Weingut Château de Praz gehörte zu den Ersten, die Gewürztraminerstöcke aus Colmar im Elsass nach Vully brachte. Heute ist der Wein aus dem Sortiment des Familiengutes nicht mehr wegzudenken und begeisterte unter anderem auch die Falstaff-Kritiker. Und natürlich haben sich auch viele Nachahmer gefunden. Kein Wunder, scheinen der Boden und das Klima in Vully ideal für die Elsässer Paradesorte zu sein.


Die Anbauzone von Bonvillars erstreckt sich vom Ufer des Neuenburgersees bis an den Fuß des Juragebirges. Die meisten Reben stehen hier natürlicherweise an Hanglagen bis auf 500 Meter über Meer. Die Böden sind verhältnismäßig jung, vorherrschend sind sehr durchlässige, lockere Kiesböden auf kalkhaltigem Muttergestein – ideale Voraussetzungen für den Weinbau also. Kein Wunder, dass hier bereits vor mehr als 1000 Jahren die Weinherstellung florierte. Einzigartig macht die Gegend vor allem auch ihr Klima. Mit rund 900 Millimetern Niederschlag pro Jahr handelt es sich dabei um die trockenste Region im ganzen Waadtland. Der See zu Füßen der Reben und das Gebirge in deren Rücken sorgen für große Temperaturschwankungen zwischen Tag und Nacht während der Reifezeit, ideale Bedingungen für aromatisch ausbalancierte Weine. Weinbaumäßig geschichtsträchtigster Ort der Region Bonvillars ist das kleine Örtchen Champagne. Die Verwendung des Namens auf den Weinetiketten wurde von den französischen Champagnerproduzenten schon lange unterbunden. Die findigen Produzenten von Bonvillars lassen sich davon aber nicht abschrecken, so produziert etwa die »Cave des Viticulteurs de Bonvillars« einen Chasselas mit dem Namen »C-ampagne« mit Trauben aus ebendiesem Ort. Verwechslungsgefahr ausgeschlossen.


Côtes de L'Orbe – Eine rote Rebeninsel

Château d’Eclépens gehört zu den ältesten Weingütern der Schweiz.

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Die Côtes de l’Orbe erstreckt sich vom Neuenburger- in Richtung Genfersee, befindet sich also nördlich der berühmten Waadtländer Provenienzen. Das rund 180 Hektaren Rebland umfassende Gebiet gehört zu den ältesten Weinbauregionen der Schweiz. Bereits die Römer brachten den Wein in die Gegend und die Mönche verfeinerten ihn. Die heute noch existierende Domäne Château d’Eclépens ist eines der ältesten Weingüter der Schweiz. Sie fand bereits im Jahr 814 in einem Schriftstück von Louis le Débonnaire, Sohn von Karl dem Großen, Erwähnung. Die Côtes de l’Orbe ist ein roter Fleck inmitten der weiß dominierten Walliser Reblandschaft, rund 80 Prozent der angebauten Trauben sind von dunkler Farbe. Geschuldet ist diese nicht etwa einem Trend, sondern ganz einfach den einzigartigen Gegebenheiten. Die Reben wachsen auf nach Südosten ausgerichteten Mergelhängen und auf sandigem Kies. In den Ebenen dominieren sandige Mergelböden – perfekt für Rotweine! Erkannt wurde dieses Potenzial von vielen Produzenten relativ spät, zu den Pionieren der Côte de l’Orbe gehört etwa Christian Dugon, der unter anderem auch mit pilzresistenen Neuzüchtungen große Erfolge feiert.

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