Weites Land: Rebstöcke in »Bush Vine«-Erziehung in den Hügeln von Malmesbury, von der Abendsonne beschienen.
Weites Land: Rebstöcke in »Bush Vine«-Erziehung in den Hügeln von Malmesbury, von der Abendsonne beschienen. / Foto: beigestellt

Swartland ist eine aufstrebende Weinbauregion in der Western-Cape-Region von Südafrika. Der Paardeberg (Pferdeberg) im Südosten des Gebiets trennt das Swartland geografisch vom angrenzenden Paarl. Im Winter wird es dort sehr kalt, im Sommer ist es untertags heiß, die Nächte sind dann angenehm kühl. Dies liegt auch an der Höhenlage, die Weingärten ­befinden sich auf bis zu 700 Meter Seehöhe. Die bestimmende geo­logische Komponente ist im Swartland eine spezielle Schieferforma­tion, die vor bis zu einer Milliarde Jahre entstanden ist, die Malmesbury Shales. Durch eine tektonische Störung liegen diese Schichten vertikal,

Allesverloren Estate auf dem Kasteelberg im Riebeek Valley gehört zu den inter­national bekannten Betrieben im Swartland / Foto: beigestellt
Allesverloren Estate auf dem Kasteelberg im Riebeek Valley gehört zu den inter­national bekannten Betrieben im Swartland / Foto: beigestellt

was für den Weinbau ein besonderer Glücksfall ist, denn so können die Wurzeln besonders tief in den Boden eindringen. Die eingelagerten Tonvorkommen sind ausgezeichnete Wasserspeicher, und so können die Reben dort auch heiße, trockene Sommer gut überstehen. Zusammen mit Granitvorkommen und dem Tafelbergsandstein findet der Rebstock so erstklassige Bodenbedingungen vor. Erstklassige Trauben gibt es nicht nur vom Paardeberg, sondern auch aus dem Riebeek Valley im Südosten von Swartland sowie aus dem Umland der größten Stadt im Swartland, Malmesbury, bekannt auch als die Kornkammer Südafrikas, und aus Berg River mit dem Piketberg im Norden.

Steil aufragende Bergrücken grenzen das Swartland von den Nachbargebieten ab / Foto: beigestellt
Steil aufragende Bergrücken grenzen das Swartland von den Nachbargebieten ab / Foto: beigestellt



Neben den Tonschieferverwitterungsböden macht ein weiterer Faktor den Weinbau in diesem Gebiet für manchen Winzer so interessant: die große Zahl an teilweise bereits uralten »Bush Vines«. Während anderswo im Land längst auf moderne Reberziehungsformen auf Drähten umgestellt wurde, ist man im Swartland der traditionellen, an das warme Klima bestens adaptierten Buschweinerziehung treu geblieben. Die hohe Qualität der dort geernteten Trauben war schon früher ­bekannt. Weingüter aus angrenzenden Weinbauregionen kauften im Swartland gerne und viel zu.

Der sympathische Adi Badenhorst prüft mit seinem Sohn die Trauben / Foto: beigestellt
Der sympathische Adi Badenhorst prüft mit seinem Sohn die Trauben / Foto: beigestellt

In den vergangenen zwei Jahrzehnten sind vor Ort einige neue Weinkellereien entstanden – mehrheitlich ausgesprochene Individualisten, die dort ihr Glück versuchen wollen. Es dominieren mediterrane Rebsorten: Die klassischen südfranzösischen, aber auch italienische und spanische Varietäten wurden ausgepflanzt. Der Syrah macht sich besonders gut, aber auch Weine im Stil der besten Châteauneuf-du-Pape lassen sich entdecken. So individuell wie die Rahmenbedingungen sind im Swartland auch die Menschen, es zählt Nachbarschaftshilfe, und man versteht darüber hinaus auch, das Leben zu genießen. Es hat sich eine Gruppe von Qualitätsfanatikern niedergelassen, die der Region den richtigen »Blues« eingehaucht hat. Und wenn die Herrschaften gemeinsam bei einer internationalen Messe auftauchen, so ist neben tollen Weinen auch für Unterhaltung gesorgt. Damit sich auch genügend Menschen motivieren können, die Winzer direkt im Swartland zu besuchen, wurde »The Swartland Revolution« ausgerufen. Am zweiten Wochenende im November (9. und 10. 11.) wird es in Riebeek Kastel bereits zum dritten Mal in Folge rundgehen. Höhepunkt ist die Street-Party mit offener Verkostung aller führenden Betriebe vor dem großartig renovierten Royal Hotel aus der Kolonialzeit – es verfügt, so sagt man, über die längste Veranda »südlich von Limpopo«. Dort wurde auch die Gruppe »The Swartland Independent« ins Leben gerufen und ein Manifest verabschiedet, mit dem sich die teilnehmenden Weingüter gewissen Spielregeln unterwerfen. Diese zielen darauf ab, Weine zu erzeugen, die dank geringster Manipulationen durch den Winemaker in maximalem Kontext mit dem Terroir stehen.

Der Chenin Blanc von Mullineux ­besticht durch ­Frische und Eleganz / Foto: beigestellt
Der Chenin Blanc von Mullineux ­besticht durch ­Frische und Eleganz / Foto: beigestellt



Zu den ältesten, auch international bekannten Betrieben zählt Allesverloren Estate am Kasteelberg im Riebeek Valley. Der Name geht auf eine Begebenheit aus dem Jahre 1704 zurück: Die einstige Besitzerin der Farm, eine Witwe namens Cloete, hatte sich auf eine Reise nach Stellenbosch gemacht. Als sie zurückkehrte, fand sie den Hof gebrandschatzt vor, sämtliches Vieh war gestohlen – sie hatte alles verloren. Etwa 100 Jahre später wurden dort die ersten Trauben geerntet. 1872 erwarb Familie Malan das Gut und baute es auf über 200 Hektar Rebfläche aus. Rotweine wie der kraftvolle, robuste Cabernet Sauvignon und ein runder, würziger Shiraz bilden den Schwerpunkt der Produktion von Danie Malan, der seit 2003 in fünfter Generation als Kellermeister verantwortlich ist. Bekannt ist er auch für seine »Portweine« namens Fine Old Vintage, für die er die portugiesischen Sorten Tinta Barocca, Roriz und Touriga Nacional verwendet.

Eben Sadie hat seine ­Heimat in der großen Weinwelt ­salonfähig gemacht / Foto: beigestellt
Eben Sadie hat seine ­Heimat in der großen Weinwelt ­salonfähig gemacht / Foto: beigestellt

Seit Ende der 1990er-Jahre drückt ein besonders charismatischer Winzer der gesamten Region Swartland seinen Stempel auf: Der weit gereiste und sympathisch jugendliche Eben Sadie hat das Swartland als Weinbauregion für den internationalen Markt fast im Alleingang erfunden. Er ist noch keine 40 und gilt dennoch bereits als ­einer der visionärsten Winemaker der südlichen Hemisphäre. Zunächst verbrachte er gut eineinhalb Dekaden auf Wanderschaft und arbeitete bei führenden Betrieben in Deutschland, Österreich, Oregon, Frankreich und Kalifornien. Vor rund zehn Jahren kam er nach Spanien, wo er im Priorat gemeinsam mit Dominik A. Huber ein Weingut namens Terroir Al Limit gründete. Sein eigentlicher Durchbruch gelang ihm in seiner Heimat, wo ihn Charles Back für sein Weingut Spice Route gewinnen konnte. Back erinnert sich gerne an das Jahr 1998 zurück: »Innerhalb nur eines Jahrgangs war es ganz offensichtlich, dass Eben für Großes ­bestimmt ist. Für Südafrika ist er ein nationaler Schatz.« 2001 startete Eben Sadie sein eigenes Projekt, der Rotwein namens Columella war ­geboren. Mit 1000 Euro in der Tasche, 14 Barriquefässern und Charles Back machte sich der junge Önologe ans Werk.

Die A. A. Badenhorst Family Winery verfügt über 28 Hektar Weingärten  / Foto: beigestellt
Die A. A. Badenhorst Family Winery verfügt über 28 Hektar Weingärten / Foto: beigestellt

Der Begriff Terroir ist der zentrale Angelpunkt in Sadies Denken und prägt seine Philosophie des Weinmachens. Er kombiniert höchst unterschiedliche Traubensorten aus einer ungeheuren Vielfalt an geologischen Gegebenheiten, aus kleinsten Parzellen. »Ich verarbeite Trauben aus 48 unterschiedlichen Parzellen. Was auch immer in Bordeaux behauptet wird, Terroir entsteht niemals auf Großanbauflächen. Seit dem Premierenjahrgang 2001 zählt der Columella, der vor allem aus Syrah und Mourvèdre besteht, zu den besten Rotweinen der Welt. Auch eine weiße Cuvée namens Palladius, ein Verschnitt aus einer Vielzahl von Sorten, ist ein wahrer Prachtwein. Reinsortige Weine sind nicht ganz der Geschmack von Sadie, der lieber durch mehrere Komponenten auf Komplexität abzielt. Er ist der Meinung, dass es genau der Trend zu einzeln ausgebauten Rebsorten ist, der die Neue Welt einschränkt. »Wenn man das Meer in der Nähe hat, muss man verschneiden, um Komplexität zu erzielen. In Südafrika haben wir gleich zwei Ozeane!« Und doch leistet sich auch Eben Sadie eine Ausnahme: den reinsortigen »Mrs. Kirsten’s Old Vines Chenin Blanc« aus uralten, meist mehr als 90 Jahre alten Buschweinstöcken. 2003 begann der umtriebige Winzer gemeinsam mit Cape Wine Master Cornel Spier das Label Sequillo Cellars in Malmes­bury, wo unter jährlich wechselndem Künstleretikett eine weiße und eine rote Cuvée gekeltert werden.

Den gesamten Artikel lesen Sie im aktuellen Falstaff Magazin Nr. 02/2012!

> Zu den Verkostungsnotizen

> Columella-Vertikale

Weitere Infos: www.theswartlandrevolution.com

Text von Peter Moser