Idyllische Einblicke: Die Rebzeilen zeichnen die hügelige Landschaft nach / Foto: Ciril Ambroz, beigestellt

In Slowenien wird ebenso lange Wein produziert und getrunken wie in den meisten traditionellen Anbaugebieten – der Weinbau geht auf die ­Römer zurück. Auf einer Rebfläche von ­aktuell 16.354 Hektar registrierter Wein­gärten und dazu einigen Tausend Hektar, die zusätzlich angelegt wurden, wird im Durchschnitt eine Million Hektoliter Wein erzeugt. Davon sind rund zwei Drittel Weißweine, und man kann getrost sagen: »Mit den ­Weißen ist der Weinfreund auf der sicheren Seite.« Gegliedert ist das slowenische Weinland in drei Hauptregionen und weiters ­unterteilt in neun ­Distrikte.

Die Region, die Österreich am nächsten liegt, heißt Podravje. Gleich südöstlich der Steiermark befindet sich Prekmurje, das größte Weinbaugebiet Podravjes. Lange Zeit kam dieser Gegend aus Sicht der Weinwirtschaft nur lokale Bedeutung zu, was sich durch ein bedeutendes Investment geändert hat: Der Unternehmer Stanko Polanicˇ gründete ein Weingut namens Marof und holte sich als Betriebsleiter Erich Krutzler. Der Südburgenländer war davor schon für das Weingut Dveri-Pax erfolgreich in Slowenien tätig gewesen; heute führt er ­gemeinsam mit seiner Gattin Elisabeth das Weingut Pichler-Krutzler in der Wachau. 2007 konnte Marof seinen ersten Jahrgang präsentieren. Man hat dort mittlerweile gezeigt, dass man aus Welschriesling Weine mit Charakter keltern kann und dass kraftvoller Chardonnay aus der warmen Prekmurje-Zone, der im Holz ausgebaut wird, auch internationen An­sprüchen gerecht wird. Marof erlebte einen ungemein schnellen Aufstieg und zählt heute bereits zu den besten Weingütern Sloweniens. Ein weiterer empfehlenswerter Betrieb trägt den Namen Gjerkeš.

 

Das noch junge Weingut Marof hat es schnell an die Spitze geschafft / Foto: beigestellt
Das noch junge Weingut Marof hat es schnell an die Spitze geschafft / Foto: beigestellt

Das noch junge Weingut Marof hat es schnell an die Spitze geschafft.Wendet man sich in Richtung Süden ­beziehungsweise Südwesten, überquert man die Mur und kommt in das wunderschöne Hügelland der Štajerska. Der legendäre ­Erz­herzog Johann hat dort 1823 auf seinem Musterweingut Meranovo unweit von ­Maribor die ersten internationalen Qua­litätssorten eingeführt. Davor führte die ­Rebsorte Furmint das Feld an. Heute kann man die Weine der Štajerska als sehr delikate, meist sortenreine Weine mit präzisem Aroma beschreiben. Das Besondere an ­ihnen ist, dass sie auch voll ausgereift ein gutes Niveau an Säure und Frische beibe­halten und einen eher moderaten Alkoholwert aufweisen. Die slowenische Štajerska produziert zu etwa 95 Prozent Weißweine, Rotweine sind eher eine Erscheinung der letzten Jahre. Eine Ausnahme bildet das Weingut Kupljen, das in der Nähe von Svetinje seit rekordverdächtigen 30 Jahren einen exzellenten Pinot Noir keltert. Bis in die frühen Neunzigerjahre lag die Štajerska in Bezug auf die Produktionsmenge an führender Stelle, wurde dann aber nach und nach von der Region Primorska überholt. Nun scheint das Pendel wieder ­zugunsten der Štajerska auszuschlagen, die heute eine enorm große Auswahl an trockenen Qualitätsweinen anzubieten hat, die nicht nur wahren Charakter besitzen, sondern auch noch zu einem moderaten Preis angeboten werden.

Der Betrieb von Marjan Simčič liegt fast an der italienischen Grenze in der Brda / Foto: beigestellt
Der Betrieb von Marjan Simčič liegt fast an der italienischen Grenze in der Brda / Foto: beigestellt

Der Betrieb von Marjan Simčič liegt fast an der italienischen Grenze in der Brda.Eine regionale Spezialität ist der Šipon, wie dort der Furmint genannt wird. Diese Sorte verfügt über ein feines Aroma, das an ­Birne und reifen Apfel erinnert, dazu kommen eine rassige Säurestruktur und ein eher schlanker bis mittlerer Körper. Sie eignet sich ideal als Aperitif und kann kalte Gerichte wie Bretteljausen gut ­begleiten. Der junge Betrieb Verus – ein Weingut, das erst 2007 ­gegründet wurde – gilt heute als der füh­rende Hersteller dieser Weine. Sein Šipon wurde ­bereits von führenden englischen ­Autoren wie Jancis Robinson, MW, oder Oz Clarke im »Decanter«-Magazin lobend gewürdigt. Fast auf Augenhöhe sind auch die Šipons von Betrieben wie Dveri-Pax und P&F. Sauvignon Blanc ist eine weitere Rebsorte, die sich in der Štajerska sehr wohlfühlt. Expertin Angela Muir, MW, hat geäußert, sie denke, dass Štajerska über das Potenzial verfügt, um bei dieser Sorte das Niveau von Neuseeland und Südafrika zu erreichen. In seiner besten Form zeigt der Sauvignon Blanc in dieser Region charmante Komplexität: mit feinen grünen Noten, Würze, voll Fruchtaromen, wie sie in kühleren Klima­zonen den Wein bestimmen, und sogar mit zarten tropischen Anklängen. Wenn man zu dieser Sorte greift, dann liegt man selten daneben. Wer ganz sichergehen will, wählt einen Wein von einem der besten Weingüter, also von Pullus, Verus, Kupljen, P&F, Dveri-Pax oder Kogl.

Trauben / Foto: Ciril Ambroz, beigestellt
Trauben / Foto: Ciril Ambroz, beigestellt

Auch eingeschworene Rieslingfans können in diesem Gebiet einige Schätze entdecken – man muss aber sehr umsichtig auswählen. Dveri-Pax, Verus und oft auch Joannes werden dank ­ihrer mineralischen Rieslinge für die Besten gehalten. In kleinen Mengen entstehen auch edelsüße Weine mittels Botrytis, als Sorten kommen Furmint und Welschriesling in Betracht. Am besten besucht man das Weingut Cˇurin-Prapotnik in Kog für ein paar Kostproben und lässt sich einfach überraschen. Ein brandaktueller Newcomer in der Region ist das Weingut Conrad Fürst & ­Söhne, das das österreichische Weingut Alois Gross als Partner hat. Im schwierigen Jahrgang 2010 haben sie eine große ­Cuvée kreiert, die den Namen Pod Stolpom trägt, und wenn man die Namen bedenkt, die in diesem Projekt involviert sind, dann darf man sich bereits jetzt auf weitere große ­Würfe freuen. Wer die meisten der angesprochenen Weine probieren möchte, der sollte Samo Simonicˇ in seiner Vinothek Svetinjska in Ivanjkovci besuchen, der eine große Auswahl regionaler Weine bereithält. Er macht bereits heute rund 90 Prozent seines Umsatzes mit Kunden aus Österreich. Schließlich haben schon viele von der Sorte Šipon gehört und möchten diese kennenlernen. Im Moment ist aber der Sauvignon Blanc der klare Favorit des Publikums, auch Gelber Muskateller wird gerne angenommen. Den gesamten Artikel lesen Sie im aktuellen Falstaff Nr. 02/2012.> Zu den VerkostungsnotizenText von Robert GorjakAus Falstaff Nr. 02/2012

 

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