Typische Stimmung im Napa Valley © Mauritius
Typische Stimmung im Napa Valley © Mauritius

Der Film machte weltweit Furore. In der bissigen und intelligenten Komödie »Sideways« bereisen zwei gegensätzliche Freunde das kalifornische Weinland nördlich von Santa Barbara und verstricken sich in Eskapaden mit Frauen und Wein. Der cineastische Klassiker aus dem Jahr 2004 begeisterte aber nicht nur Filmkritiker auf der ganzen Welt, er machte gleichzeitig auch eine amerikanische Weinszene noch populärer, als sie es schon ohnehin war. Weine aus Kalifornien, vor allem aus der Rebsorte Pinot Noir, waren plötzlich in aller Munde.

Kaliforniens Weinszene könnte pulsierender nicht sein. Hier werden nicht nur
90 Prozent der amerikanischen Weine produziert, aus den Regionen zwischen San Francisco und Los Angeles stammen auch die teuersten Flaschen der USA, Kultweine, die heute auf dem Weltmarkt sagenhafte Preise erzielen und von Gourmets rund um den Globus wie rare Kunstwerke betrachtet werden.

Kalifornien schlägt Frankreich
1966 gründete Robert Mondavi sein Weingut und läutete damit die Ära eines unglaublichen Aufschwungs ein. Bei dem heute längst legendären »Jugdement of Paris« konnten kalifornische Weine prominenteste Konkurrenz aus Frankreich besiegen, und plötzlich war Kalifornien auf der Weltweinkarte kein weißer Fleck mehr.  Namen wie Montelena, Stags’ Leap, Clos Du Val oder Ridge hinterließen einen bleibenden Eindruck. Entlang des Highways 29 und am Silverado Trail wuchsen Weingüter aus dem Erdboden wie Pilze nach einem warmen Sommerregen. Das Weinbaugebiet, in dem sich bis dahin lediglich ein paar Hippies und Aussteiger mit ihren Reben abplagten, wurde zusehends zu einem Tourismus-Hotspot – und ist es bis heute. Nur Disneyland zieht in Kalifornien mehr Besucher an.

Der »Screaming Eagle« ist ein absoluter Kultwein und mit Abstand der teuerste Wein Kaliforniens

Land für Investoren
Anziehende Wirkung hatte das Weinland auch auf Investoren, und nicht nur reiche Anwälte und Geschäftsleute, sondern auch Winzer aus Europa traten nun auf den Plan. Ein Symbol dafür ist die Opus One Winery, das vielleicht prominenteste Wein-Joint-Venture aller Zeiten, umgesetzt von Baron Philipp de Rothschild und Robert Mondavi, der zeit seines Lebens – er hätte heuer seinen 100. Geburtstag gefeiert – der Taktgeber des Napa Valleys war. Christian Moueix von Château Pétrus gründet Dominus Estate in Yountville, der Schweizer Donald Hess The Hess Collection, Marchese Piero Antinori hält eine Beteiligung an der Stags’ Leap Winery, die seit 1972 tolle Cabernets keltert.

Sonoma County
Zwischen Napa Valley und dem Pazifischen Ozean erstreckt sich Sonoma County, das zwischen Mendocino im Norden und Carneros im Südosten zahlreiche namhafte Appellationen der North Coast beheimatet, darunter das eigentliche Sonoma Valley, Alexander Valley, Dry Creek Valley oder Rus­sian River Valley. Während im Napa Valley der Cabernet Sauvignon vor dem Chardonnay die erste Geige spielt, haben sich in Sonoma viele Terroirs als exzellente Standorte für die Burgundersorten erwiesen. Die Nähe zur Küste, die kühle Luft heranführt, lässt hier besonders aromatische Trauben wachsen. Hier haben sich bereits zu einem frühen Zeitpunkt Weingüter wie Dehlinger, Hanzell, Kistler, Marcassin, Peter Michael, Rocchioli oder Williams & Selyem einen guten Namen gemacht, hier hat sich auch Gallo eingekauft, um im Premium-Weinsegment mitmischen zu können.  

Ridge ist im Central Valley und in Sonoma County zu Hause / Foto beigestellt

Central Valley
Im fruchtbaren Central Valley, etwas abseits der großen touristischen Ströme, liegt mit dem San Joaquin Valley der fruchtbarste Weingarten Kaliforniens. In Lodi und den Sierra Foothills wachsen nicht nur stoffige Zinfandels, jene Rotweine, die manche amerikanische Weinfans als die ureigensten Kaliforniens betrachten, sondern hier sind auch die Weinriesen zu Hause, allen voran die weltgrößte Kellerei, jene von E. & J. Gallo. Südlich von San Francisco erstrecken sich die Appellationen der Central Coast bis nach Santa Barbara, die mit ihren recht unterschiedlichen Kleinklimata eine Vielfalt an Rebsorten gedeihen lassen. In den Santa Cruz Mountains, oberhalb des Silicon Valleys, versteckt sich hoch oben die berühmte Ridge Winery, die mit ihrem Monte Bello einen der besten Rotweine der Welt erzeugt. Santa Clara bietet sowohl Chardonnay als auch Cabernet gute Voraussetzung, in der bewässerten Zone von Monterey steht Weißwein im Vordergrund. Im wärmeren Paso Robles, das den Übergang in den südlichen Teil der Central Coast markiert, werden erfolgreich Rhône-Sorten wie Syrah und Grenache angebaut, auch im kühleren Edna Valley fühlen sich die Burgunder, aber auch Sorten wie Viognier und Syrah sehr wohl. 

Rhôhne Rangers
Santa Maria und Santa Ynez Valley sind seit jeher ausgezeichnete Lieferanten von Chardonnay und Pinot, aber auch hier haben die Rhône-Sorten sukzessive Einzug gehalten. Berühmte Weingärten, aus denen führende Winzer ihre Trauben zugekaufen, sind Alban, Bien Nacido, Sanford & Benedict, Stolpman oder Talley. Zu den Pionieren der ersten Stunde zählen John Alban, Jim Clendenen von Au Bon Climat, Adam Tolmach von Ojai, Josh Jensen und Bob Lindquist von Qupé. Nicht zu vergessen der Godfather der sogenannten »Rhône Rangers«, Randell Grahm von Bonny Doon Vineyard, einer der schillerndsten Winzerpersönlichkeiten der Region.

Burgund in kühleren Gebieten
Im Fahrwasser der »Rhône Rangers«, die in wärmeren Zonen Sorten wie Sryah, Grenache und Viognier postulierten, entstanden neue Weingüter, in den kühleren Gebieten nahm man sich das Burgund zum Vorbild und brachte es mit Chardonnay und Pinot Noir zu erstaunlicher Meisterschaft. Viele dieser erfrischend anderen Weine bleiben den Weinkarten der tonangebenden Restaurants vorbehalten. Fanden früher manche dieser exotischeren Weine ihren Weg nach Europa, so wird diese Produktion heute von der stetig wachsenden Nachfrage in den Staaten völlig absorbiert. Das Wein konsumierende Publikum ist in den USA die am stärksten wachsende Gruppe.

91 Top-Weine aus Kalifornien in der Falstaff-Verkostung

Junge, aufstrebende Weingüter in Kalifornien

von Peter Moser

Den vollständigen Artikel lesen Sie im Falstaff-Magazin Ausgabe 7/2013

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