Der Eisenberger Kessel, geformt wie ein Amphitheater, bietet den Reben einen idealen Standort
Der Eisenberger Kessel, geformt wie ein Amphitheater, bietet den Reben einen idealen Standort / Foto: ÖWM

Small is beautiful. Dieser Satz gilt für diese Weinbauregion ganz ­besonders. Denn geprägt ist der südburgenländische Weinbau von kleinen und kleinsten Strukturen. Richtig große Betriebe wird man hier nicht finden, der berühmte Eisenberg gleicht einem »Fleckerlteppich« aus kleinen Weingärten. Um ein Gefühl für die Relationen zu bekommen, hier einige Zahlen aus der aktuellsten Weindokumentation der ÖWM: Im Jahr 2009 erntete das gesamte Burgenland knapp 710.000 Hektoliter, im Süden wurden nicht ganz 20.000 Hektoliter Wein erzeugt, rund 2,7 Prozent. Der Beitrag zum österreichischen Weingesamtertrag beläuft sich auf durchschnittlich 0,8 Prozent. Das macht südburgenländische Weine an sich schon rar.

Blaufränkisch als wichtigster Sortenvertreter
Die bedeutendste Rolle kommt dabei der Sorte Blaufränkisch zu, die dort in speziellen Lagen ganz exzellent gedeiht. Vor allem der Eisenberg im gleichnamigen Ort hat große historische ­Bedeutung und fungiert zusammen mit dem Deutsch-Schützer Weinberg als weinbaulicher Mittelpunkt des Gebietes.
Rund um Rechnitz im Norden und Moschendorf im Süden entstehen außerdem besonders fruchtige und spritzige Welschrieslinge und Weißburgunder. Auch am Csaterberg nahe Kohfidisch und entlang der Pinkataler Weinstraße vom Wintener Weinberg über den Kulmer bis hin zum Gaaser Weinberg werden in schöner idyllischer Umgebung mit vielen Kellerstöckeln sehr elegante Weine gekeltert. Die schöne Umgebung lädt überdies zu erholsamen Spaziergängen und Radtouren ein. Um Heiligenbrunn und Moschendorf, im äußersten Süden, begegnet man dem »Uhudler«, einer besonderen Weinspezialität, die aus Direktträger-Hybriden gekeltert wird und mit ihrem Duft nach wilden Erdbeeren viele Liebhaber hat. Das sogenannte »Kellerviertel« in Heiligenbrunn ist ein besonderes touristisches Highlight der Region.

Eisenberg DAC
Seit dem Jahrgang 2009 werden die klassischen Blaufränkisch-Weine unter der Bezeichnung »Eisenberg DAC«, die »Eisenberg DAC Reserve« seit dem Produktionsjahrgang 2008 vermarktet. Neben den klassisch-fruchtigen Sortenvertretern zählen die dichten, mineralischen Reserven zu Österreichs großen gebietstypi­schen Rotweinen. Eine Fläche von rund 150 Hektar ist im Moment für die Erzeugung der DAC-Weine vorgesehen.

An dieser Stelle soll der Begriff »Eisenberg« etwas genauer erläutert werden: Eisenberg ist eine kleine Gemeinde am Fuße des gleichnamigen Weinberges, der sich wie ein Amphitheater bis auf etwa 300 Meter Seehöhe erhebt. Diese Kessellage mit teilweise recht steil abfallenden Hängen weist eine Exposition von Süd- bis Südwest auf und bietet dem Weinbau somit hervorragende Bedingungen. Interessanterweise sind die geologischen Gegebenheiten am Eisenberg längst nicht so homogen, wie man vermuten könnte, und die Geschichte mit der besonderen Eisenhaltigkeit der Rieden gehört zum grö­ßeren Teil ins Reich der Legenden. Der höher liegende Teil des Kessels heißt »Szapary« und steht auf kalkhältigen Schieferverwitterungsböden, darunter die »Seybritz« oder »Saybritz« auf Braunerde mit Felsanteilen, ganz unten im »Rotoler« wird es lehmig. Genau hier, im Hangfuß, stößt man auch auf etwas fettere Böden, hier liegt eisenhaltiger Lehm mit Tonanteilen auf dem Verwitterungsboden. Auch »Hummergraben« und der von Uwe Schiefer berühmt gemachte Blaufränkisch »Reihburg« wachsen auf Böden aus ton- und eisenhältigem Lehm, durchsetzt von Tonschiefer und etwas Quarz. Recht ähnliche ­Bedingungen findet man auch in Deutsch Schützen auf dem »Weinberg« und dem tief liegenden »Bründlgfanger« vor. Umliegende Rieden wie der »Königsberg« oder die »Kroatische Ried« haben eher sandige Böden, einige Kilometer nordwestlich vom Eisenberg stehen die Reben am Hannersberg auf Böden vulkanischen Ursprungs. Im Südwesten, am von Wäldern umgrenzten »Csaterberg«, werden geologische Raritäten wie Opale oder Serpentine gefunden. Die höchst unterschiedlichen Böden und ein abwechslungsreiches Kleinklima lassen zu Recht eine breite Palette an Stilen, auch innerhalb einer einzigen Rebsorte, erwarten.

Winzer am Eisenberg
Mit einem fast kometenhaften Aufstieg hat sich Uwe Schiefer aus Welgersdorf an die Spitze der heimischen Rotwein­szene katapultiert. Seit 1995 hat der Quereinstei­ger praktisch aus dem Nichts ein ansehnliches Weingut aufgebaut. Seine terroirbezogen­en, fein ziselierten Weine erfreuen sich einer eingeschworenen Fangemeinde. Sein Leitthema ist der Blau­fränkisch, sein »Reihburg« zählt seit dem ers­ten Jahrgang zu den Rotwein-Ikonen Öster­reichs. Mit der nötigen Kompromisslosigkeit geht er seinen Erfolgsweg, seine Weine haben so wie jene der Familie Krutzler mit hohen Bewertungen in Robert Parkers »The Wine Advocate« bereits für internationale Aufmerksamkeit gesorgt.


Den vollständigen Text lesen Sie im Falstaff Nr. 02/2011


Text von Peter Moser

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