Weingut Gager: Keine Kündigung der Mitarbeiter

Der Winzer Horst Gager.

© Weingut Gager

Der Winzer Horst Gager.

Der Winzer Horst Gager.

© Weingut Gager

»Ein Onlineshop ist auch nur so gut, wie er bearbeitet wird«, ist sich Winzer Horst Gager sicher. Dennoch sieht er im Webshop eine Notwendigkeit, die jeder Winzer wahrnehmen sollte und weist darauf hin: »Es gelten die Gesetze des wirklichen Lebens, auch wenn der Vertrieb virtuell scheint. Wer etwas tut, wird dafür belohnt. Wer nichts tut, wird auch nichts ernten.« Gager im weiteren Gespräch über seinen Rotwein-Fokus und Möglichkeiten, den Online-Vetrieb zu pushen.

PROFI: Das Weingut Gager stellt ausschließlich Rotweine aus acht Rebsorten her. Warum setzen Sie hier den Fokus?
Horst Gager: Wir im Mittelburgenland schöpfen Weine aus sehr schweren und kräftigen Böden, welche natürlich für Rotweine besser geeignet sind. Da macht es für mich keinen Sinn, Weißwein zu produzieren. Ein Leitsatz von mir ist: »Wir können bei uns im Mittelburgenland den Weißwein nicht so gut produzieren, wie wir in selber gerne trinken.«

Als Alternative zu Weißwein bieten wir alle Jahre zwei Produkte im Rosé-Bereich. Einmal als Rosé Wein, aktueller Jahrgang 2019, und zum zweiten einen österreichischen Qualitätssekt, welcher nach der traditionellen Champagnermethode versektet wird. Beides aus der Rebsorte Blaufränkisch.

Ihr Slogan ist »Die Quadratur des Weines« – was kann man darunter verstehen?
Es gibt ja das mathematisch unlösbare Problem mit der Quadratur des Kreises. Aber dennoch gibt es Mathematiker, die bestrebt sind und sich bemühen, dieses mathematische Problem zu lösen. Genauso ist die »Quadratur des Weines« ein unlösbares Problem. Und zwar für alle Menschen, den besten Wein zu produzieren. Aber aufgrund der unterschiedlichen Geschmäcker der Konsumenten ist dies leider nicht möglich. Aber wir bemühen uns täglich, an diesem Problem zu arbeiten. Vielleicht gelingt es uns doch, eines Tages für alle Menschen den besten Wein zu produzieren. Dieser Slogan passt einerseits zu unserer Einstellung, stets bemüht zu sein, das Beste zu geben, und andererseits auch zu unserer Etikettenlinie mit den Quadraten.

Die aktuellen Beschränkungen der Gastronomie in Österreich treffen auch Sie als Winzer. Wie gehen Sie damit um?
Normalerweise vermarkten wir zirka 80 Prozent unserer Produktion in der österreichischen Gastronomie, der Hotellerie und dem Weinfachhandel. Diese Unternehmen sind derzeit leider behördlich geschlossen und somit ist uns ab Mitte März der Umsatz, der diese Schiene betrifft, ausgefallen. Derzeit ist die einzige Vertriebsschiene der Onlineshop, den unser Mitarbeiter Sebastian Müller perfekt betreut.

Die Umsätze im Onlinebereich konnten wir derzeit sehr stark steigern, jedoch ist dies nur ein Tropfen auf dem heißen Stein. Wir freuen uns schon, wenn wir unseren Betrieb in Deutschkreutz für Weinliebhaber wieder öffnen können, damit auch dieser direkte Kontakt zu unseren Kunden nicht verloren geht. Unsere Kunden lieben es auch, unsere Gastfreundlichkeit zu genießen, wenn sie die Möglichkeit haben, ein Zimmer in unserem Beherbergungsbetrieb zu bekommen.

Wie kann der Online-Vertrieb gepusht werden?
Wir setzen teilweise bestimmte Akzente in den bekannten Social Media Kanälen, mir ist jedoch wichtig, hier nicht nervig zu werden. Für mich soll bei einer Schaltung immer etwas Unterhaltung dabei sein, denn dann können wir als Weinbaubetrieb authentisch wirken. Wir versuchen immer wieder, Kunden auf unsere Veranstaltungen aufmerksam zu machen bzw. bei uns am Weingut Leute zu unterhalten.

Ein kleines Lächeln in die Gesichter zu zaubern, ist meiner Meinung mehr wert als diverse technische Weinbeschreibungen, die so und so jeder Konsument anders wahrnimmt. Das ist mir, glaube ich, auch vor kurzem sehr gut mit dem Video »Schluckimpfung, ein Glas Wein pro Tag« gelungen. Diese Video ging extrem viral durch die Welt und schaffte es sogar in Sendungen wie »Explosiv«, »Guten Morgen Deutschland« und »Punkt 12« des RTL-Senders.
 
Inwiefern kann die derzeitige Lage eine Chance für Weingüter sein?
Ich bin der Meinung, dass es einen allgemeinen Shut down gibt. Für uns Winzer ist dies, Gott sei Dank, kein großes Problem, da wir ein Produkt haben, das nicht verderblich ist. Für uns wird lediglich der Verkauf entschleunigt, das müssen wir jetzt betrieblich durchstehen.

Das Positive daran ist jedoch – zumindest für Rotweine, dass die Weine dann auch etwas gereifter auf den Markt kommen, also mehr Flaschenreife haben. Somit sehe ich es für Winzer als Chance, wieder zu leben, was eigentlich immer gepredigt wird: den Wein etwas reifer zu verkaufen. Die letzten Jahrgänge mit diversen Ernteausfällen machten dies auf jeden Fall nicht einfach. Und somit sehe ich auch hier eine Verbesserung der Qualität.
 
Möchten Sie einen Appell an die Branche richten – oder vielleicht auch ein Danke an Ihre Mitarbeiter?
Was ich auf jeden Fall loswerden möchte, ist ein großes Dankeschön an unsere Mitarbeiter. Sie tragen sämtliche, jetzt notwendige betriebliche Entscheidungen mit. Jedoch bin ich auch stolz darauf, keinen einzigen Mitarbeiter kündigen zu müssen. Wäre auch nicht sinnvoll, denn nach der Krise muss alles wieder laufen.

weingut-gager.at

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  • Weingut
    Weingut Gager
    7301 Deutschkreutz, Burgenland, Österreich
    4 Sterne
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