Zugegeben, im Vergleich zu Wodka wirkt das Image von Weinbrand etwas altbacken. Noch. Begriffe wie Cognac und Brandy haben nach wie vor einen sehr guten Klang. Mit diesem wollen die neuen Strategen der alten Marken nun auch jüngere Gourmets ansprechen. An der gebotenen Qua­lität wird das nicht scheitern – und an der geschmacklichen Vielfalt ebenso wenig. Weinbrand ist eines der ältesten Des­tillate der Welt. Für viele Generationen war er ein Symbol für gediegenen Lebensstil und Kennerschaft. Das Comeback der Brandys wird gerade eingeläutet.

Cognac als geschützte Marke
Der Inbegriff exklusiver Weindestillate ist Cognac. Noch bis zum Ende des Ersten Weltkriegs war der Name weltweit in Gebrauch. Dann begannen die Hersteller aus der Charente konsequent auf den Schutz der Ursprungsbezeichnung zu setzen. Die Versailler Verträge etwa untersagten Deutschland die Verwendung der Bezeichnung Cognac, nach dem Zweiten Weltkrieg galt dies schließlich auch für Italien und viele andere Länder. In Russland hingegen wird nach wie vor gern »Koniak« getrunken, vorzugsweise armenischer.

In Deutschland hieß der Branntwein aus Wein statt Cognac fortan Weinbrand. Ein Begriff, der auf einen mittelhochdeutschen Wortstamm zurückgeht, der interessanterweise auch der Ursprung der heute international üblichen Bezeichnung Brandy ist. Als Branntwein dagegen bezeichnet man sämtliche Destillate aus Vergorenem.

Hugo Asbach als Weinbrand-Pionier
Den heute so selbstverständlichen Begriff Weinbrand führte Hugo Asbach ein – in vorausschauender Weise noch vor den Versailler Verträgen. Asbach war überhaupt ein kluger Stratege. In den Zwanzigerjahren erfand er etwa die Asbach-Praline – um seinen Weinbrand auch der weiblichen Zielgruppe etwas zugänglicher zu machen.

Doch nicht nur Deutschland macht dem Cognac-Land Frankreich Konkurrenz, auch Spanien ist ein Land der Weinbrände. Am bekanntesten ist Brandy de Jerez. Er reift meist in der Solera, einem System zur Fasslagerung, das auch für Sherry Verwendung findet. Das Destillat durchläuft eine Kaskade von Sherryfässern, die gewährleistet, dass stets ein kleiner Anteil der ältesten Füllung in die Flasche gelangt. Daher verweist die Altersangabe nur auf den ältesten darin enthaltenen Brandy, nicht jedoch auf das mittlere Alter. Durch die Süße, die das Destillat aus den Sherryfässern laugt, aber auch durch die gelegentliche Zugabe von Nüssen, Gewürzen oder Pflaumen, ist Brandy de Jerez würziger und süßlicher als etwa Cognac. Und er ist nicht der einzige Qualitätsbrandy aus Spanien: Das Haus Miguel Torres im Penedès hat sich nicht nur als hervorragender Weinerzeuger, sondern auch als Destillateur von Weinbränden einen Namen gemacht. »Wir verwenden für Torres 10 und Jaime I die typischen Cavatrauben Parellada, Macabeo und Xarel∙lo in der Solera. Der Torres 20 dagegen ist ein Cognactyp«, erklärt Kellermeister Matias Llobet. Mengenmäßig aber ist immer noch »Carlos I.« der spanische Liebling, eine Marke des Hauses Pedro Domecq aus Jerez.

Frankreich als Orientierung
Anders als Brandy de Jerez orientieren sich fast alle anderen Weinbranderzeuger der Welt am großen Vorbild aus Frankreich. Immerhin hat man in der Charente die längste Tradition und somit die meiste Erfahrung sowie die geeigneten Böden. Es war daher nur logisch, dass auch Hugo Asbach, der sein Handwerk in Cognac gelernt hatte, auf Trauben aus der Charente und der Gascogne (Armagnac) setzte und das Destillat teilweise auch vor Ort brennen ließ. Erst die Reifung in kleinen Fässern aus ­Limousineiche sowie die Assemblage erfolgten in Deutschland.
Nicht nur aufgrund dieser hohen Qualitätsstandards war Asbach seit seiner Gründung im Jahre 1892 der Liebling der Deutschen. Auch die außergewöhnliche Werbung machte ihn einzigartig. Am Ende allegorischer Reime folgte stets das einprägsame »… das ist schon einen Asbach uralt wert«. Als »Spirituose der Bonner Republik« bezeichnete sie kürzlich der Journalist Jens Hartmann und meinte damit die langfristig und Generationen übergreifend funktionierende Asbach-Formel: Die Eltern schenken den Freunden im Wohnzimmer ein Glas Asbach ein, während die jüngere Generation ihn mit Cola gemischt auf Partys trinkt.

Gealtertes Image 
Trotz immer noch beträchtlicher Umsätze wird die Nachfrage nach Weinbränden im deutschsprachigen Raum geringer – das Interesse unter Kennern hingegen nimmt wieder zu. Asbach, seit zehn Jahren im Besitz von Underberg, besinnt sich in dieser Situation seiner ­alten Qualitäten, die künftig jedoch nicht mehr »uralt« sein sollen. Immerhin hat man mit den erfahrenen französischen Lieferanten und den großen Lagerbeständen einiges in der Hinterhand. Asbachs Kellermeister Christopher Dellee begnügt sich nicht damit, seine Bestände zu überwachen. »Ich will hinausgehen und ein Bewusstsein schaffen für die Qualität, die in unseren Kellern liegt«, sagt er.

Weinbrand international
In Österreich führt eine Vielzahl kleinerer ­Betriebe Weinbrände in ihrem Portfolio. »Das gehört in einem Land mit Weinbautradition einfach dazu«, sagt Hans Reisetbauer. Sein »Grüner Veltlinerbrand Smaragd« ist ein beredtes Beispiel für einen großen Weinbrand voll Spannung und Tiefe. Reisetbauer führt die guten Bewertungen vor allem auf seine ­Erfahrung im Fass­ausbau zurück. Auch hier kommt Limousineiche zum Einsatz, aus dem Departement gleich neben der Charente.

In Italien wiederum steht der Weinbrand im Schatten des Grappas wie auch der restriktiven Gesetzgebung. Betriebe wie Jacopo Poli mit dem »Arzente« bilden eher eine Ausnahme. Nonino etwa setzt ganz auf UE, also auf sortenreine Traubenbrände – hier werden die eingemaisch­ten Trauben destilliert, nicht der fertige Wein. Dennoch hat auch Italien mit dem Vecchia Romagna einen überaus populären Weinbrand.

Auch in Portugal wird Wein in großen Mengen gebrannt, mehr als für Brandy benötigt wird. Zum einen wird damit die Überproduk­tion an Trauben kompensiert, zum anderen die Gärung bei Portwein und Sherry unterbrochen. Man nennt das fortifizieren.

Ein entscheidendes Detail bei der Destillation von Weinbrand wird nur selten besprochen: ­Erfolgt sie nun mit oder ohne Hefe? Die Hefe, die den Zucker der Trauben zu Alkohol vergärt, stirbt am Ende des Prozesses ab und sinkt zu Boden. Dieses »Geläger« wird nach dem Abstich des Weins mitunter auch gebrannt und heißt dann entsprechend Geläger-, Hefe- oder Drusenbrand. Die Hefe kann aber auch aufgerührt und gemeinsam mit dem Wein destilliert werden und einem Weinbrand lebendigen ­Charakter und Noten von Hefe und Zitrus verleihen.
In Cognac etwa gibt es dazu drei Denkschulen: Betriebe, die keine Hefe destillieren, solche, die nur einen Teil verwenden, und wieder andere, welche ganz darauf verzichten. Bei Asbach lagern Chargen mit mehr oder weniger Hefeanteil, die schließlich je nach geschmacklicher Eignung cuvetiert werden – darin besteht die große Kunst dieses Metiers.


Verkostungsnotizen: Gebrannter Wein

93
Asbach 15, 38 %, 0,7 l, € 40,– (D):
Dunkle, reife, ledrige Aromatik im Duft, ebenso röstig-karamellig, Assoziation mit Waldboden. Den Eindruck am Gaumen bestimmen an Walnuss und Sherry erinnernde reife, dunkle Aromen.

91
Asbach 8, 40 %, 0,7 l, € 21,– (D):
Ruhiges, elegantes Duftbild, nussig, weinig, zart röstig, auch florale und zitronige Noten. Am Gaumen fein verwobene karamellige und nussige Noten, harmonisch und anhaltend.

89
Asbach 3, 38 %, 1 l, € 15,– (D):
Ruhiges, reifes und karamelliges Duftbild, außerdem tabakige Aromen, zitronig unterlegt. Auch am Gaumen mineralisch, lebendig, trocken insgesamt, anhaltend und stringent.

87
Aguradente Vínica Velha, Quinta do Bàgeiras, 40 %, 0,5 l, € 22,– (P):
Durchaus kantig und präsent im Charakter, betont trockenblättrig, zitronig-hefig, nussig. Ähnlich am Gaumen, sehr trocken und eine Spur metallisch im Abgang.

86
Vecchia Romagna, Giovanni Buton, 38 %, 0,7 l, € 15,– (I):
Ausgewogener, warmer, weiniger Charakter, schokoladig und karamellig-röstig. Ebenso am Gaumen, Tabak und Rosinen, ausgewogen, trocken, ohne große Tiefe zwar, aber gute Leistung für moderaten Preis.

92
Lepanto X.O., Gonzales Byass, 43 %, 0,7 l, € 40,– (E):
Reife, süße und weinige Stilistik, mit Aromen von Honig, Tabak, Karamell und Walnüssen, reifes Holz. Trockenblättrig am Gaumen, erinnert deutlich an Sherry und Walnuss.

91
Weinbrand 1986, Weingut Kollwentz, 43 %, 0,7 l, € 42,– (A):
Von sehr weiniger Stilistik und Walnuss-, Tabak- und Karamell­aromen, Assoziation mit würzigem Rotwein. Am Gaumen kraftvoll und kompakt, trocken, würzig und schlüssig.

89
Metaxa 12, 40 %, 0,7 l, € 23,50 (GR):
Erstaunlich floral, lebendig und kräuterwürzig, Anklänge von ­Muskattrauben und hefig-zitronigen Aromen. Der Eindruck wiederholt sich am Gaumen, trockene Holzaromen im Abgang.

93
Arzente 1997, Jacopo Poli, 40 %, 0,5 l, € 60,– (I):
Differenzierte, würzige Aromatik im Duft mit reifen Holznoten, Zitrus, Rosinen, Karamell und Pflaumenmus. Analog am Gaumen, mit viel Karamell, Dörrfrüchten und Muskattrauben.

94
Grüner Veltlinerbrand Smaragd 1999, Hans Reisetbauer, 44 %, 0,7 l, € 95,– (A):
Elegante, dunkelröstige, süße Weinbrandaromen, von feinen Holznoten umrahmt. Am Gaumen konsequent, Alkohol gut ein­gebunden, weiniger, rumartiger, tabakiger, dunkler Auftritt.

94
Jaime I, Miguel Torres, 38 %, 0,7 l, € 60,– (E):
Offenes und dicht verwobenes Duftbild, rauchig, schokoladig, ­karamellig und ausgeprägt traubig. Am Gaumen dominieren Aromen von Bitterschokolade, getrockneten Blättern, Trauben und Sherry.

92
Alte Traube XO 2000 La Donna, Hubertus Vallendar, 40 %, 0,7 l, € 118,– (D):
Harmonisches Spiel aus Rosinen, Würze und Karamell im Duft, mit zarter Süße unterlegt. Analog am Gaumen, elegant verwoben und mild, die röstig-nussigen Fassnoten fein integriert.


Text von Peter Hämmerle
aus Falstaff Nr. 1/2012

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