Weinbrand: Das Cognac-Revival

Von wegen Altherrengetränk: Cognac erlebt gerade wieder einen Boom in der internationalen Barszene, ob pur oder mit feinsten Zutaten zu einem extravaganten Cocktail verarbeitet.

© North America / Getty Images

Von wegen Altherrengetränk: Cognac erlebt gerade wieder einen Boom in der internationalen Barszene, ob pur oder mit feinsten Zutaten zu einem extravaganten Cocktail verarbeitet.

Von wegen Altherrengetränk: Cognac erlebt gerade wieder einen Boom in der internationalen Barszene, ob pur oder mit feinsten Zutaten zu einem extravaganten Cocktail verarbeitet.

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Sie ist eine der ältesten Bars der Stadt: die im Art-Déco-Stil gehaltene »Bristol Bar« im gleichnamigen Hotel an der Wiener Ringstraße. Der langjährige Bar-Chef Stefan Wasserl (was für ein schöner Name für einen Bartender) greift zu einem der teuersten Cognacs der Welt, dem »Louis XIII« von Rémy Martin und mixt ihn mit Cointreau, frischem Zitronensaft und Angostura Orange Bitter.

Wasserl ist der Erfinder dieser kostbaren Mischung, sie wird in der Bristol-Bar um stolze 225 Euro angeboten und gehört damit wohl zu den teuersten Cocktails der Welt. »Cognac als Grundlage für Cocktails ist wieder stark im Kommen«, sagt Wasserl, der selbst etwas überrascht ist, dass die Nachfrage nach seinem »D’Artagnan« – so nennt er seinen Luxuscocktail – so groß ist.

Cognac ist aber ganz generell wieder modern geworden. Vergangen das Image eines etwas angestaubten Altherrengetränks – scheint es zumindest. Neue Märkte wie etwa in China oder den USA haben die Nachfrage stark gesteigert, aber auch die internationale Barszene hat die edle Spirituose neu entdeckt. »Dabei gibt es Cognac im Cocktail schon seit ewigen Zeiten«, sagt etwa Reinhard Pohorec, der wohl aktivste »Cognac Educator«, der international schon Hunderte Professionisten und Privatinteressierte in die Geheimnisse dieser Spirituose eingeführt hat: »Cognac erhält von Barkeepern wieder die Aufmerksamkeit, die er verdient. Wo sonst findet man in den verschiedenen Stilen einzelner Hersteller eine solche Breite an Möglichkeiten?«

Tatsächlich haben immer mehr Barkeeper für kreative Cocktailvariationen nicht mehr nur hauptsächlich Whisky und Rum im Fokus, sondern immer öfter auch Cognac – auch wenn er sündteuer ist.

Kreierte mit dem »D'Artagnan« einen der teuersten Cocktails der Welt: Stefan Wasserl, langjähriger Bar-Chef der Bristol-Bar in Wien.

© Herbert Lehmann

Cognac der Superlative

Abfüllungen wie der Rémy Martin »Louis XIII« sind schon rein optisch ein Ausdruck höchster Eleganz, allein die Flaschen sind Kunstwerke für sich. Ein Cognac der Superlative, dafür bezahlen die Kunden dann auch zwischen 2000 und 3000 Euro pro Flasche. Solche Premium-Produkte haben fast alle großen und bekannten Cognac-Marken im Programm. Und sie sind derzeit gefragter denn je.

Unter französischen Spitzen-Cognacs ist der »Louis XIII« von Rémy Martin wohl der bekannteste. Er ist eine Hommage an den als »Ludwig der Gerechte« in die Geschichte eingegangenen Monarchen Louis XIII., Vater des »Sonnenkönigs« Ludwig XIV. Der Ursprung dieses Ausnahme-Cognacs geht auf das Jahr 1874 zurück, damals soll Paul-Émile Rémy Martin, der Sohn des Firmengründers, begonnen haben, sehr alte Destillate – genannt Eaux de vie – in einem einzigen Dekanter zu vermählen.  Der Dekanter war eine exakte Replik einer lilienverzierten Metallflasche, die im 16. Jahrhundert auf dem Schlachtfeld von Jarnac verloren ging und erst 300 Jahre später wieder auftauchte. Die Eaux de vie, die für den »Louis XIII« verwendet werden, sind zwischen 40 und 100 Jahre gereift, alle produziert aus den Böden der Grande Champagne, dem wertvollsten Anbaugebiet der Cognac-Region.

Der größte Cognac-Produzent, mit 250 Jahre alter Geschichte, ist Hennessy. Mehr als 1600 Weinbauern liefern ihre Eaux de vie an den Cognac-Giganten, und natürlich hat auch Hennessy mit dem »Paradis Imperial« und dem »Hennessy Paradis« zwei absolute Spitzenprodukte im Sortiment. Bis zu 100 außergewöhnliche Eaux de vie werden dafür verwendet, teilweise bis zu 200 Jahre gereifte Destillate.

L‘Éssence de Courvoisier

Der Hersteller Courvoisier nennt seinen Super-Premium-Cognac mit feinsten Weinbränden der letzten 200 Jahre »L’Éssence de Courvoisier«. Auch dieser Cognac wird aus den besten gereiften Eaux de vie hergestellt, von denen einige aus dem frühen 19. Jahrhundert stammen. Gegründet 1863, ist Camus das größte noch in Familienbesitz befindliche Cognac-Haus. 15 Jahre nach der Veröffentlichung des Prestige-Cognacs »Extra Élégance« kam der »Camus Extra Dark & Intense« auf den Markt. Nach einer Idee des Inhabers Cyril Camus begann Kellermeister Patrick Léger, die besten Fässer für einen besonderen Reifeprozess auszuwählen. Die ausgewählten Fässer wurden entleert und erneut ausgebrannt, Fass für Fass. Nach einem speziellen Finishing wurde das Ergebnis eben »Dark & Intense« genannt.

Metaxa und Asbach

Auch andere Weinbrand-Hersteller wie etwa Metaxa in Griechenland oder Asbach in Deutschland krönen ihr Portfolio mit teuren High-End-Produkten. Der Metaxa ist dabei so etwas wie die griechische Antwort auf Frankreichs Cognac. Seit 1992 wird neben den gängigen Qualitäten auch eine »Metaxa Private Reserve« erzeugt. Es war die erste Eigenkreation des legendären Metaxa-Masters Costas Raptis, als er zum Kellermeister ernannt wurde. Die zweitbeste Qualität des Hauses ist »Angels’ Treasure«, eine über Dekaden gereifte Spirituose und eine Mischung aus Destillaten, die vom Kellermeister mit größter Sorgfalt ausgesucht werden.

Ebenfalls immer beliebter als Grundlage für Cocktails ist spanischer Brandy. »Das war nicht immer so«, sagt Geri Kozbach-Tsai von der Wiener Bar »Tür7«, »aber vor allem aus hochwertigen Brandys lassen sich ausdrucksstarke Drinks mixen.« Aber nicht nur Cognac und Brandy erleben gerade in den Bars ein Revival. Selbst der deutsche Weinbrand-Hersteller Asbach in Rüdesheim profitiert mit seinen Top-Produkten von diesem Trend. Für seine beste Abfüllung »Johann Wolfgang von Goethe Vintage Reserve 1952« wurde immerhin ein sorgfältig ausgewählter Jahrgangsweißwein aus dem Jahr 1951 verarbeitet, der am 31. Juli 1952 destilliert wurde. Eigentlich fast zu schade, um damit einen Cocktail zu mixen.

Hochwertige Cognacs oder spanische Brandys sind als Grundlage für außergewöhnliche Cocktails bestens geeignet.

© Shutterstock


Cognac & Co

Was ist eigentlich der Unterschied zwischen einem Weinbrand, einem spanischen Brandy, einem Cognac und einem Armagnac?

Weinbrand ist nur ein übergeordneter Gattungsbegriff für Spirituosen aus einem Weindestillat. Cognac und Armagnac sind hingegen geschützte Herkunftsbezeichnungen. Cognac darf sich ein Weinbrand nur nennen, wenn er aus der Stadt Cognac oder den umliegenden Weinanbaugebieten kommt. Ein Armagnac wiederum muss aus der Region Gascogne stammen. Der große Unterschied zwischen einem spanischen Brandy und allen anderen Branntweinen der Welt ergibt sich aus der Reifung und Lagerung mittels des sogenannten Solera-Systems. Dieses Verfahren beruht auf der regelmäßigen Mischung der Destillate in übereinander liegenden Reihen alter Sherry-Fässer.


Eine Auflistung der von Falstaff bestbewertetsten Cognacs finden Sie in der Best of Cognac & Weinbrand-Liste in der Falstaff-Ausgabe 06/21 auf Seite 104 (AT) bzw. Seite 84 (DE).

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