Wein-Startup »Just Taste« muss Insolvenz anmelden

© Clemens Bednar

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Schock in der österreichischen Weinszene: »Just Taste« ist insolvent. Knapp eineinhalb Jahre nach der Gründung und nur zwei Monate nach der Eröffnung der ersten Weinbar am Wiener Stubenring hat das Startup per 11. Juli den Antrag auf ein Sanierungsverfahren ohne Eigenverwaltung gestellt.

»Wir haben eine Liquiditäts- und Finanz-Krise, haben aber die letzten zwei Wochen sehr genau mit Experten daran gearbeitet, einen lösbaren Sanierungsvorschlag zu entwickeln«, erklärt Gründer Oliver Sartena gegenüber Falstaff. Das Startup rund um den Wein-Fachmann war Ende 2015 angetreten, um den Weinhandel zu revolutionieren. 1,3 Millionen Euro Investment stellte der ehemalige Wein&Co-Manager dafür auf. Über speziell entwickelte Abfüllanlagen werden sogenannte Tasting-Packs mit vier Flaschen zu je 0,187 Liter angeboten, vertrieben zunächst über einen Online-Shop. Anfang Mai kam dann als Pilot für das Konzept Just Taste eine schicke Weinbar am Wiener Ring dazu – mit 600 (!) Weinen zum glasweise Verkosten. 

Die Innovation von Just Taste: sorgfältig kuratierte Kost-Pakete.

© Moritz Schell

Schock nach Eröffnung der Weinbar

Doch wenig später folgte der erste schwere Schicksalsschlag für das junge Unternehmen: Mitte Juni kam es zum völlig unerwarteten Ableben des zweiten Geschäftsführers neben Sartena, Dietmar P. »In erster Linie ist das alles eine menschliche Tragödie, Dietmar war ein enger Freund von mir, sehr wichtig für unser Team und hinterlässt eine Frau und vier Kinder«, so Sartena. »Wir waren bis jetzt im Ausnahmezustand, werden das Warum wohl auch nicht mehr verstehen.« Ein Schock, der allerdings weitere – bis dahin ungeahnte – Probleme offenbarte. Nach und nach tauchten neue Verbindlichkeiten auf: »Dann habe ich aber sehr schnell realisiert, dass wir uns in einer schwierigen Situation befinden«, sagt Sartena.

Der Gründer wollte sein »Baby« jedenfalls (noch) nicht aufgeben: Gemeinsam mit Experten wurde ein radikaler Sanierungsplan für das mittlerweile 26 Mitarbeiter fassende Unternehmen erarbeitet. »Wenn wir so weitergemacht hätten, hätte ich keine Zeit mehr, um mich dem Kern meines Geschäfts zu widmen, weil ich nur noch Löcher stopfen müsste. Daher haben wir diese Entscheidung getroffen, auch wenn der Grad der Verschuldung bei vielen Unternehmen wesentlich höher ist als bei uns.« Am 11. Juli wurde dann der Antrag beim Handelsgericht Wien eingebracht: rund 840.000 Euro an Verbindlichkeiten stehen zu Buche, dem gegenüber ein Vermögen von 342.000 Euro.

Radikaler Sanierungsplan mit Kosten-Reduktion

Sartena ist jedoch überzeugt und fest entschlossen, diese Krise zu meistern: »Der Sanierungsplan muss ab Tag 1 eingehalten werden. Das geht nur mit Radikalität und harter Arbeit«, erklärt Sartena. Trotz aller Probleme sei das Unternehmen nun fertig gebaut: die Abfüllung funktioniere, amtlich bekundet. Die Weinbar ist gebaut und funktioniert sehr gut, beim Online-Business könnte es laut Sartena noch etwas mehr sein. Über den Erfolg der Sanierungs-Mission und damit verbunden den Fortbestand entscheidet er aber nun nicht mehr alleine. 163 Gläubiger und der Masseverwalter werden dies in den nächsten Wochen genau beobachten. Laut kurier.at teilen sich Verbindlichkeiten wie folgt auf: 394.000 Euro bei Banken, 400.000 Euro bei Kreditoren und auch 85.000 Euro bei den Dienstnehmern auf. 

Das Vermögen wird folgendermaßen beurteilt: 170.000 Euro für Geschäftsausstattung, je 50.000 für Abfüllanlage und offene Forderungen, 40.000 auf Vorräte, 25.000 Euro auf Guthaben bei der Finanz und 2.000 Euro in der Kassa. Der eingebrachte Sanierungsplanvorschlag beinhaltet eine Gesamtquote von 20 Prozent zahlbar in zwei Jahren.

Weinbar mit 600 Weinen bleibt geöffnet

Wein-Freunde können zunächst beruhigt sein, die beliebte Weinbar am Wiener Stubenring bleibt weiterhin geöffnet. Die Kostenreduktion werde bei Logistik, Personal und Administration erfolgen, auch die Zentrale in Perchtolsdorf wird aufgelöst. Die Expansion nach Berlin ist ebenfalls vorerst on hold. »Wir haben jetzt drei, vier Wochen Zeit das umzudrehen«, so Sartena, der von der Idee nach wie vor fest überzeugt ist. »Die Basis für das Geschäft ist da. Die Frage ist, was man mit dem Schuldenberg macht. Und da haben wir meines Erachtens das Richtige gemacht und sind nicht sehenden Auges gegen die Betonwand gefahren.«

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