Wein & Corona: Was Sie wissen müssen

Corona und die Weinwelt: Falstaff schenkt reinen Wein ein.

Symbolbild © Shutterstock

Corona und die Weinwelt: Falstaff schenkt reinen Wein ein.

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1. Geht uns jetzt der Wein aus oder wird er vielleicht sogar uner­schwing­lich teuer?

Keine Sorge, der Lebensmittelhandel ist ja zugleich auch der wichtigste Partner im Weinvertrieb – und hier sind die Regale voll wie immer. Zu Engpässen kann es zwar zeitweise bei besonders preiswerten Weinen im Diskonter kommen, vielleicht, weil jetzt einfach mehr Leute Zeit und auch Animo haben, Wein zu trinken. Aber die Versorgung ist nicht gefährdet, zumal sehr viele Produzenten und Fachhändler inzwischen dazu übergegangen sind, die Weinfreunde über ihre Online-Shops mit allem zu beschicken, was sie brauchen. Da leider die Gas­tronomie als Absatzmöglichkeit wohl noch einige Zeit ausfällt, wird man im Lebensmittelhandel schon bald auch Etiketten von Winzern sehen, die sich bisher nicht für ­dieses Vermarktungssegment entschieden haben. Und für die Konsumenten die beste Nachricht: Mit einer Verteuerung der Weine ist aus heutiger Sicht nicht zu rechnen.

2. Hat die Pandemie auch Aus­wir­k­ungen auf den Weinbau?

Die Reben treiben gerade aus, und da gibt es jede Menge zu tun in den Weinbergen. Winzern, die auf Mitarbeiter aus anderen Ländern angewiesen sind, um die Wein­gärten in Schuss zu halten, stehen daher schwere Zeiten bevor. In Österreichs Norden fehlen die Saisoniers aus Tschechien und der Slowakei, die Situation der ungarischen Pendler ist aktuell wenig komfortabel, die slowenische Grenze ist für Werktätige im grenznahen Bereich noch durchlässig. Auf Mitarbeiter aus Ländern wie der Ukraine, Polen oder Rumänien muss man aktuell völlig verzichten, es sei denn, sie sind bereits im Land und bleiben bis zum Ende der Einschränkungen vor Ort. Die Weinbauern suchen also händeringend nach Hilfe. Auf der Plattform weinjobs.com werden von Weingütern aktuell zahllose Angebote gemacht. Und der Agraröko­nom Franz Regner hat die Kampagne #ernte2020sichern ins Leben gerufen, um Menschen, die gerade ihren Arbeitsplatz verloren haben, mit Weingütern zu vernetzen.

3. Wirkt der mäßige Genuss von Wein negativ auf unser Immunsystem?

Nach Ansicht der führenden Virologen ist der mäßige Konsum von alkoholischen Getränken wie Wein und Bier nicht bedenklich. Vom Genuss größerer Mengen von hochprozentigen Spirituosen ist allerdings sehr abzuraten, da sich hier sehr wohl eine immunsupprimierende Wirkung einstellt, die in Zeiten wie diesen unerwünscht ist. Gegen ein, zwei Gläser guten Wein spricht hingegen nichts, dieser wirkt ja bekanntlich auch stimmungsaufhellend. Sollten Sie aber einen größeren Vorrat an Spirituosen besitzen, auch gut. Wenn das Desinfektionsmittel ausgeht, kann man zur Not auch auf den guten, alten Obstler zurückgreifen.

4. Hände weg von italienischem Wein?

Sobald sich herumgesprochen hatte, dass Italien besonders hart vom Coronavirus heimgesucht wird, sind die Absätze italie­nischer Produkte um bis zu 90 Prozent zurückgegangen. Die Angst geht um vor Chianti, Barolo und Parmigiano Reggiano – allerdings vollkommen zu Unrecht. COVID-19 ist ein respiratorisches Virus und gelangt über die Schleimhaut in den Körper, aber auf keinen Fall über Lebensmittel und Getränke. Auf Produktoberflächen überlebt es im längsten Fall zwei Tage. Das gilt für Kartonagen wie auch Glasflaschen. Dem Konsum italienischer, spanischer und ähnlicher Weine steht also nichts im Weg – ganz im Gegenteil: Sie sichern so den Winzern das wirtschaftliche Überleben.

5. Hat die Krise Auswirkungen auf den neuen Bordeaux-Jahrgang?

Die alljährliche En-Primeur-Probe des jungen Jahrgangs in Bordeaux lockt alljährlich bis zu 6000 Händler und Journalisten in die Gironde. Hier werden die Weine bewertet und die Preise für die Subskription ausgelotet. Heuer wurde die En-Primeur-Verkostung vorerst abgesagt – und man wird sie nicht so schnell nachholen. Ein schwerer Schlag für viele Weingüter, die durch dieses weltweit einzigartige System ihren Wein bereits bezahlt bekommen, bevor er überhaupt abgefüllt wird. Die aktuelle Situation war aber schon vor Corona prekär. Amerika erhebt hohe Zölle, der Brexit brachte das Geschäft mit England zum Stillstand, China brach als Markt weg und die Fasspreise für generischen Bordeaux fielen erstmals unter einen Euro pro Liter. Wer die Ernte 2019 kaufen soll, ist ungewiss und einmal mehr eine Frage des Preises. Und hier haben manche Betriebe in den letzten Jahren deutlich übers Ziel geschossen. Nun schlägt das Pendel des Markts in die andere Richtung aus – und wird die Bordelaiser Weinwirtschaft zum Umdenken zwingen.

6. Sammler von edlen Weinen, den Keller gut bestückt mit Bordeaux und Burgunder, fragen: ist mein Wein im Wert ebenso abgestürzt wie mein Wertpapier-Depot?

Die wirklich raren Weine der Welt sind wertbeständig, denn sie sind so limitiert, dass sich immer kundige Käufer finden. Aber es ist auch klar, dass nun keine gute Zeit ist, sich von seinen Kellerpreziosen zu trennen. Wenn es der Wirtschaft gut geht, dann erzielen Liebhaberstücke auch entsprechend hohe Preise. Ist man hingegen gezwungen, etwas abzugeben, dann bleibt der Erlös meist hinter den Erwartungen zurück. Die großen Auktionshäuser haben nun zur Gänze auf Internetauktionen umgestellt, es bleibt abzuwarten, wie gut dies vom immer noch reichlich vorhandenen zahlungskräftigen Publikum angenommen wird. Da bisher schon ein großer Teil der Gebote online gemacht wurde, dürfte sich aber nicht allzu viel verändern. Bleibt die alte Grundregel: Wer genügend guten Wein im eigenen Keller hat, ist immer im Vorteil. Denn sollte wider Erwarten ein massiver Preisverfall einsetzen, kann man seine Weine im schlimmsten Fall auch ganz einfach selbst austrinken.

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Falstaff Nr. 03/2020
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