Wein & Co Gründer Heinz Krammerer machte die große internationale Weinwelt einem jüngeren Publikum zugänglich. / Foto © Susanne Sellinger
Wein & Co Gründer Heinz Krammerer machte die große internationale Weinwelt einem jüngeren Publikum zugänglich. / Foto © Susanne Sellinger

Die Radiohörer trauten ihren Ohren nicht: In einem Werbespot verkündete eine 
grelle Stimme, dass in Wien schon bald ein neuer Weinshop eröffnet werde, in dem tatsächlich Weine um nur einen Schilling erhältlich seien. Das war vor zwanzig Jahren. Es war die Geburtsstunde der ersten Wein & Co-Filiale in der Prager Straße in Wien. Die ungewöhnliche Radio-Kampagne zeigte Wirkung: Bereits Stunden vor der Eröffnung stand vor dem Eingang eine riesige Menschenmenge Schlange. Ein typischer Werbecoup des Marketing-Genies und Wein & Co-Gründers Heinz Kammerer.

Der findige Geschäftsmann und passionierte Weinsammler kam auf die Idee, Weingeschäfte für Jedermann, vor allem aber für junge Konsumenten, zu eröffnen. 1993, innerhalb nur eines Monats, machte Kammerer zur ersten noch drei weitere Wein & Co-Filialen in Wien und je eine in Graz und Linz auf. 1994 folgten Innsbruck und Bregenz. Kammerer: »Diese schnelle Expansion funktionierte wohl nur, weil das Konzept emotionell und nicht professionell ausgelegt war. Und das wollen wir für die Zukunft beibehalten.«

Kammerer engagierte bekannte Sommeliers für Einkauf und Beratung.
Kammerer holte sich Fachleute aus der Top-Gastronomie, für viele Spitzensommeliers war sein Angebot attraktiv, denn die wenig familiengerechte Nachtschicht gab es bei Wein & Co im Vergleich zu den Restaurants nicht. Charly Seiser, Hermann Botolen, Alois Ofner, Hermann Mahringer und zahlreiche weitere Weinfachkräfte wurden unter der Geschäftsführung des heutigen Weinmarketing-Chefs Willi Klinger, der zuvor die Domäne Wachau in Dürnstein leitete, für unterschiedliche Bereiche von Wein & Co rekrutiert. Mittels Kundenkarte, der »VinoCard«, und attraktiver eigener Kundenzeitung wurde dem zum großen Teil jüngeren Publikum auf unverkrampfte Weise die große internationale Weinwelt nähergebracht.

Wein & Co gelang es, den potenziellen Kunden die Schwellenangst zu nehmen. Als einen Quantensprung bezeichnet Kammerer die Idee, die Filiale am Wiener Naschmarkt um ein Gastrokonzept zu erweitern. Die erste Wein & Co-Bar in Wien war geboren. Das Konzept »wining-dining-shopping«, also die besten Weine täglich bis 24 Uhr einkaufen und zum Shop-Preis an der Bar genießen zu können, ist bis heute wohl weltweit einzigartig.

Die nächste Generation
Mittlerweile gibt es österreichweit 21 Filialen und den Online-Shop auf der firmeneigenen Website. Fast 300 Menschen sind für Wein & Co tätig. Was das Sortiment betrifft, so bietet Wein & Co rund 2000 Weine und Schaumweine, 200 Spirituosen sowie 300 Feinkostartikel, Gläser und Zubehör an. Etwa 50 Prozent des Umsatzes fallen auf Weine aus aller Welt. Wein & Co hat sich unter anderem mit einem beachtlichen Übersee-Weinsortiment (allein 100 Weine aus Südafrika) einen Namen gemacht, mit der »Vintage Selection« hat sich auch eine Eigenmarke etabliert.

Im April 2012 hat sich Kammerer aus dem operativen Geschäft zurückgezogen und im 40 Jahre alten Florian Größwang einen dynamischen Geschäftsführer und Eigentümervertreter gefunden. Doch wer Kammerer kennt, kann sich einen völligen Rückzug nur schwer vorstellen. So radikal hat er das auch nicht vor: »Es ist viel schöner aus der Vogelperspektive zu steuern, die Dinge mit Abstand zu betrachten und sich dann kreativ einzubringen«, sagt er.


Den vollständigen Artikel von Peter Moser lesen Sie in Falstaff Nr. 07/13.

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