Wein aus dem Ländle

Im Moment werden in Vorarlberg nur 20 Hektar Reben bewirtschaftet.

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Im Moment werden in Vorarlberg nur 20 Hektar Reben bewirtschaftet.

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Der Weinbau im Umland des Bodensees blickt auf eine lange Tradition zurück. Bis heute wird diese Tradition in Liechtenstein, der Schweiz und in Deutschland in Gunstlagen weitergepflegt. Auch in Vorarlberg hat man einige Rebberge über die Zeit erhalten, obwohl die Flächen stark zurückgegangen sind. War im Mittelalter für Städte wie Feldkirch und Bregenz der Weinbau noch eine bedeutende Einnahmequelle, verfügen die Winzer Vorarlbergs aktuell über eine Ertragsfläche von etwa 20 Hektar. Noch vor 150 Jahren waren mehr als 550 Hektar mit Reben bestockt. Die Ortschronik von Röthis weiß zu berichten, dass die Weinbautradition über tausend Jahre zurückreicht – und auch heute kann man noch an oft unerwarteter Stelle auf einen Weingarten stoßen.

Einer von ihnen liegt zum Beispiel auf 600 Meter Seehöhe im Walgau, eine schöne Anlage namens »Neu Amerika« befindet sich gleich an den Gestaden des Bodensees oder der legendäre »Ardetzenberg« unterhalb der wuchtigen Schattenburg in Feldkirch. Aufgrund der Kleinheit der Betriebe fallen diese in die Kategorie der Nebenerwerbsbetriebe oder »Orchideenwinzer«, dank ihrer qualitativen Ambition fallen aber die Weine höchst professionell aus und finden entsprechend in der regionalen Gastronomie ebenso guten Absatz wie beim Heurigen oder Ab-Hof-Verkauf. Die erzeugten Weine sind mehrheitlich Weißweine, die Sorten sind Rivaner, Welschriesling sowie alle weißen Burgundersorten, Riesling und Grüner Veltliner; bei den Roten findet man neben Zweigelt und Portugieser auch Pinot Noir und Syrah.

© Walter&Natascha

Der aktuell einzige hauptberufliche Winzer Vorarlbergs ist der Bregenzer Sepp Möth, der den Weinbau und den beliebten Heurigen – übrigens den westlichsten in Österreich – in der Langener Straße bereits in zweiter Generation betreibt. Sechs Sorten bringt Möth zur Abfüllung, seine Trauben kommen aus dem seenahen Weingarten mit dem bemerkenswerten Namen »Neu Amerika«, der 3,5 Hektar groß ist. Hier profitieren die Reben, die auf sandigem Kies verwurzelt sind, von den kleinklimatischen Vorzügen, die dem Bodensee zu verdanken sind. Denn neben dem Föhn wirkt der große See als hervorragender natürlicher Wärmespeicher, auch als Reflexionsfläche des Sonnenlichts ist seine positive Wirkung nicht zu unterschätzen. Vor noch 150 Jahren war dieser Standort ein Sumpf­gebiet. Dank einer neuen Methode aus den Vereinigten Staaten konnte die Fläche aber urbar gemacht werden – der Name »Neu Amerika« verweist darauf, und der frische Boden stellte sich als für den Weinbau sehr geeignet heraus. Möths Müller-Thurgau aus 2013 mit dem Namen »Seebrünzlar« (ein Spitzname für die Bregenzer Bevölkerung), eben aus der Ried »Neu Amerika«, schaffte sogar die begehrte Aufnahme in den »SALON Österreich Wein«.

Michael Nachbaur pflegt seine Weingärten mit Blick auf Röthis.
Michael Nachbaur pflegt seine Weingärten mit Blick auf Röthis.

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Der bekannteste Vorarlberger Wein­baubetrieb ist aber das Bio-Weingut Nachbaur aus Röthis. Auf bis zu 500 Meter Seehöhe werden auf steilen Südhängen rund zwei Hektar Reben bewirtschaftet, die Trauben werden im 600 Jahre alten Keller des Stammsitzes ausgebaut. Michael Nachbaur, der den Betrieb 2015 vom Vater über­nommen hat und in Deutschland seine önologische Ausbildung absolvierte, konnte im Frühjahr dieses Jahres einen der beiden Gärten direkt unter der Basilika am Rankweiler Liebfrauenberg pachten. Dort stehen auf 900 Quadratmetern etwa 450 Rebstöcke der Sorte Regent, gepflanzt 1994, die ab 2018 neben dem Pinot Noir das Biorotweinsortiment erweitern sollen. Den zweiten Rebgarten am Liebfrauenberg bewirtschaftet der Hobbywinzer Gerhard Reicht, seine rund 800 Flaschen Weiß- wie Rotwein aus Rivaner und Pinot Noir gehen in die örtliche Rankweiler Gastroszene.

Einst waren die Südosthänge am Feldkircher Ardetzenberg voller Reben, nur ein einziger Weingarten hat die Zeit überdauert. 1993 konnte die Familie Heinz Otto Fulterer, die den bekannten »Landgasthof Schäfle« in Altenstadt betreibt, den letzten Weingarten in der Ried »Am Bock« erwerben und bewahren. Dieser Weingarten wurde einst vom bekannten Industriellen Arnold Ganahl, der, nach einem Großbrand, 1957 das »Hospiz« in Sankt Christoph am Arlberg neu errichten ließ, wieder zum Leben erweckt. Je nach Jahresverlauf erzeugt Christoph Fulterer zwischen 3000 und 4000 Flaschen Rivaner und eine kleine Menge Pinot Noir. Am besten verkostet man die mehrfach preisgekrönten Tropfen direkt bei ihm in der Gastwirtschaft.

Die Walgau-Winzer gehen ihrem Weinhobby gemeinsam nach.
Die Walgau-Winzer gehen ihrem Weinhobby gemeinsam nach.

© mittermair.prosite.com

Hoch hinaus muss man, will man die Weingärten der Gruppe »Walgau Winzer« besichtigen, die aus den drei Hobbywinzern Dietmar und Robert Gohm sowie Raimund Dünser besteht. Auf rund 750 Metern Seehöhe befinden sich die Ried Jordan in Bludesch, der Pfarrhof­bühel in Düns oder Höfle in Röns, nach telefonischer Anmeldung sind Führungen möglich, sogar ein Kellergassenfest veranstalten die drei weinbegeisterten Herren.

An den Südhängen des luftigen Walgau wächst nun seit 1990 wieder ein bunter Mix aus verschiedenen Rebsorten; es dominiert der Müller-Thurgau. Gute Ergebnisse bringen auch Grüner Veltliner, Chardonnay und – als Raritäten – etwas Neuburger und Kerner. Von den blauen Sorten wird Zweigelt und Pinot Noir der Vorzug gegeben. Gert Markowski vom Weingut Chesa Druschauna aus Göfis hat erfolgreich den würzigen Roesler ausgebaut. Natürlich muss das Wetter mitspielen, damit gute Ergeb­nisse erzielt werden. Oder drastisch formuliert: Sollte sich das Klima in den nächsten Jahrzehnten weiter erwärmen, wird sich das auf den Vorarlberger Weinbau positiv auswirken. Dann werden wohl zu den heute 20 Hektar großen Rebflächen weitere Hänge kommen, an denen Weinbegeisterte ihrem Hobby frönen.

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