Sonnige Steillagen und schneebedeckte Gipfel: Schloss Lebenberg bei Meran
Schloss Lebenberg bei Meran / © Eos, Handelskammer Bozen

In den Südtiroler Weinbergen hat in den letzten Jahren eine wahre Qualitätsoffensive stattgefunden, das kleine Land in den Bergen zählt heute zu den Top-Weinbauregionen Italiens. Falstaff stellt Ihnen die interessantesten Weinproduzenten vor (Bilder und zusätzliche Informationen in der Galerie unter »Alle Fotos«).

Alois Lageder: Südtirols Weinvisionär
Als einer der Ersten im Land begann Alois Lageder bereits Ende der Siebzigerjahre, mit Barrique zu experimentieren und konsequent auf Weißwein zu setzen. Alois Lageder treffe ich im Ansitz Hirschprunn in Margreid, im äußersten Süden Südtirols. Als klassi­sches Weinhandelshaus entstanden, befanden sich ehemals wenig eigene Weingärten in Lageders Besitz. In den vergangenen dreißig Jahren wurden die Eigenflächen ausgedehnt, und heute gehören über 50 Hektar zum Betrieb. Was Alois Lageder von vielen anderen Weinproduzenten unterscheidet, sind sein Weitblick und seine visionären Ideen. Sein bisher letzter Schritt war die Umstellung der gesamten Eigenflächen auf biodynamische Bewirtschaftung. Zum einen sei der Umstieg auf Biodynamik aus Qualitätsgründen erfolgt. Die Weine seien nun harmonischer und ausgewogener. Zweiter Punkt sei ganz einfach eine ethische Verantwortung gegenüber der Umwelt und den Nachkommen, so Lageder. Sein Traum für den eigenen Betrieb sei es, langfristig alle Weine nur mehr aus biodynamisch angebauten Trauben zu erzeugen. Und welche Vision hat er für Südtirol? Auch da ist Lageder sehr deutlich: Südtirol müsse langfristig ein Landwirtschaftsgebiet mit ausschließlich biologischem Anbau werden.

Weingut Hofstätter: Italiens bester Pinot Noir
Hofstätter ist der zweite große Name im Südtiroler Weinbau. Keller, Lager und Verwaltung liegen im Ortszentrum von Tramin, in unmittelbarer Nähe des Kirchturms. Martin Foradori Hof­stätter, der heute das Weingut leitet, verfolgt klare Ziele und will seine Weine verstärkt auf den außereuropäischen Märkten positionieren. So wurde unter seiner Ägide ein klares Sorten-Lagen-Profil erarbeitet, wonach in jeder Lage nur ein bis zwei dafür geeignete Sorten stehen sollen. Die Lage Steinraffler steht für den Lagrein, am Kolbenhof wird Gewürztraminer angebaut. Eine Herzensangelegenheit ist Martin Foradori der Blauburgunder. Mit gut 16 Hektar in der renommierten Lage Mazzon um die Villa Barthenau ist Hofstätter der größte Blauburgunder-Produzent Südtirols. Der »Vigna S. Urbano« gilt unter Kennern zu Recht als bester Pinot Noir Italiens – einer der ganz wenigen Blauburgunder des Landes, die auch gut reifen können.

Kellerei Tramin: dem Gewürztraminer verschrieben
Vor zwei Jahrzehnten war die Kellerei Tramin in erster Linie Fassweinproduzent und hatte vor allem Vernatsch im Keller. Heute zählt sie zu den Spitzenbetrieben, und die Weine der Traminer sind in ganz Italien begehrt. Zu einem gro­ßen Teil ist dieser rasante Aufstieg das Verdienst von Willy Stürz, der seit 1995 für die Weine der Kellerei verantwortlich zeichnet. Seit damals setzen die Traminer vermehrt auf Weißwein, was in diesem besonderen Fall vor allem Gewürztraminer heißt. Auf dem italienischen Markt ist diese hocharomatische Sorte ein absoluter Renner. Das neue Selbstbewusstsein der Genossenschaft kommt auch in einem spektakulären Kellerneubau zum Ausdruck. Markant erhebt sich das grüne Gerüst, das an Rebengeflecht erinnert, aus der Landschaft. Im Inneren sorgt es für Transparenz und spannende Durchblicke. Der Neubau ist gewagt und mag nicht jedermanns Sache sein, er macht aber auf jeden Fall neugierig – auch auf die Weine der Kellerei Tramin.

Kellerei St. Michael-Eppan: Eine Genossenschaft sorgt für Furore
Genossenschaftlich organisierte Betriebe werden selten zu den Spitzen­erzeugern gezählt. Südtirol ist da eine absolute Ausnahme. Als Erste sorgten die Kellerei St. Michael-Eppan und ihr Kellermeister Hans Terzer für Furore. Im Jahr 2000 wurde der Betrieb vom Gambero Rosso zur »Kellerei des Jahres« gekürt, zahlreiche Auszeichnungen folgten. »Wie das?«, fragten sich viele in Italien. Südtiroler Kellereigenossenschaften sind straff geführt, nicht anders als private Betriebe, keine Spur von Versorgungsposten und politischem Kalkül. Hans Terzer und die vielen anderen Kellermeister haben es geschafft, bei den Tausenden kleinen Weinbauern im Land Begeisterung für Qualität zu wecken. Der Sauvignon Sanct Valentin genießt in Italien Kultstatus. Auch die übrigen Weine (in erster Linie Gewürztraminer, Chardonnay und Blauburgunder) aus dieser Linie sind in vielen Sterne-Restaurants zu finden. Erfolg zieht an: Neue Mitglieder ließen die Kellerei St. Michael-Eppan auf 370 Hektar anwachsen und zur größten des Landes werden.

Erbhof Mayr-Unterganzner: Spezialist für Lagrein
Josephus Mayr ist ein Urbild von einem Südtiroler Weinbauern, kernig und herzlich. Mit der obligaten blauen Schürze bekleidet, empfängt er seine Gäste auf dem Unterganznerhof in Kardaun. Hier, am nördlichen Stadtrand von Bozen, verengt sich der breite Talkessel stark. Bundesstraße, Umfahrungsstraße, Autobahn und Eisenbahn sind dem Unterganznerhof in den letzten Jahren arg auf den Leib gerückt. Josephus Mayr möchte sein Fleckchen Erde aber nie tauschen. Die kühlen Fallwinde aus dem Eggental und die Mischung aus Porphyr und Dolomit schaffen beste Wachstumsbedingungen für die Reben. Vor einigen Jahren konnte Mayr den Pignater Hof weiter oben am Hang erwerben und so die Anbaufläche auf 8,5 Hektar erweitern. Stärkste Sorte des »Unterganzner« – wie Josephus Mayr gemeinhin genannt wird – ist Lagrein, aus der er gleich fünf verschiedene Weine erzeugt.

Weingut Loacker: Biodynamik ist nicht genug
Rainer Loacker begann bereits 1979, seine Weinberge auf dem Schwarhof in St. Justina nach biologischen Richtlinien zu bestellen. Die Beschäftigung mit der Homöopathie brachte ihn schließlich zur Biodynamik und darüber hinaus. Rainer Loacker ist vor Kurzem in die Weststeiermark ­gezogen, wo er ein kleines Weingut und eine Buschenschank führt. Seine Söhne Hayo und Franz Josef führen die Tenute Loacker weiter. In den letzten Jahren hat Hayo Loacker viel mit pilzresistenten Sorten experimentiert. Er ist überzeugt, dass darin die Zukunft des Weinbaus liegt. Von ­einer vielversprechenden Weißweinsorte, Johanniter, gibt es schon die ersten Proben.

Ansitz Dolomytos: Südtirol trifft Griechenland
In einer abgelegenen Steillage in Unterinn am Ritten hat Rainer Zierock ein einzigartiges Weingut geschaffen: den Ansitz Dolomytos. Zierock war Professor an der Weinbauschule in San Michele all’Adige und später Berater vieler Produzenten. Er liebte die griechische Mythologie und suchte die Verbindung zwischen Mythologie und Wein. Rainer Zierock verstarb im Frühjahr 2009, seit der Ernte 2009 führt Walter Schullian, Önologe aus Kaltern, das Projekt weiter. Im urigen Keller des Ansitz Dolomytos lagern noch viele Tausend Flaschen Dolomytos aus allen Jahrgängen. Aktuell steht der Jahrgang 2007 im Verkauf, und der ist einfach sensationell. Er zeigt ein Aromenspektrum, vor allem aber eine Komplexität, die man bei anderen Weinen aus Südtirol nur selten findet.

Kellerei Terlan: Einmalige Weißweinschätze
Die Weißweine der Kellerei Terlan sind bekannt für ihre Langlebigkeit. Im früheren Rotweinland Südtirol war Terlan eine Ausnahme. Auf den Porphyrböden im Etschtal nördlich von Bozen waren die Weißweine immer schon prägend. Es war der legendäre Kellermeister Sebastian Stocker, der von der Langlebigkeit der Terlaner Weißweine überzeugt war und viele Flaschen im tiefen Keller hortete. Heute lagern in der Schatzkammer Altweine bis zurück in die Fünfzigerjahre. Regelmäßige Vertikalverkos­tungen belegen, dass etwa ein Weißburgunder des Jahrgangs 1959 immer noch hohen Genuss bietet.  Eine Spezialität sind Sonderabfüllungen von gereiften Jahrgängen. Diese Raritäten – in diesem Jahr ist es ein Chardonnay 1996 – sind immer rasch vergriffen.

Charaktervielfalt pur: Kellerei Nals-Margreid
Die Lagen der Kellerei Nals-Margreid liegen entlang der gesamten Südtiroler Weinstraße, von Nals im Norden über Bozen bis ins südliche Margreid. Damit stehen dem jungen und dynamischen Kellermeister Harald Schraffl vielfältige Lagencharakteristika zur Verfügung, die er möglichst stark herausarbeiten will. Verarbeitet werden die Trauben zentral in Nals, wo der Keller gerade um einen großen Zubau erweitert wird. Damit wird es nun möglich, die Moste und Weine allein über das natürliche Gefälle zu verarbeiten. Harald Schraffl erhofft sich, so noch etwas mehr Feinheit und Geschliffenheit aus den Weinen herauszuholen. Es bleibt also spannend im Weinland Südtirol.

>> Zu den Verkostungsnotizen der besten Weine Südtirols

von Othmar Kiem

Lesen Sie mehr in Falstaff 06/10

 

Mehr zum Thema

News

Sensationelle Weine für einen guten Zweck

Charity-Rekord für die Wein-Auktion von Wolfgang Rosam. Es wurde ein Gesamterlös von 53.797 Euro erzielt.

News

Wein am Rhein: Europas Hauptschlagader

Der Rhein entspringt in der Schweiz und fließt über Liechtenstein und Vorarlberg nach Deutschland. Die Winzer nützen jeden Flecken, um an Europas...

News

Bordeaux en Primeur 2018

Was ist vom Jahrgang 2018 zu halten? Falstaff kostete sich durch Hunderte Jungweinproben durch und konnte die Top 10 Favoriten 2018 an beiden...

News

Gemischter Satz: Wilde Mischung

Im Fahrwasser des höchst erfolgreichen Modells des Wiener Gemischten Satzes DAC erlebt dieser eine Renaissance.

News

SALON Tournee 2019 – Tickets gewinnen!

Bei der SALON Tournee im Juni können die 270 Siegerweine aus Österreichs härtestem Weinwettbewerb in Wien, Linz und Hall in Tirol verkostet werden.

Advertorial
News

Van Volxem steht vor Eröffnung des Neubaus

Erste FOTOS: Roman Niewodniczanski eröffnet demnächst seinen Kellerneubau mit fast 7000 Quadratmeter Nutzfläche und einmaligem Ausblick auf die...

News

Chris Yorke ab 2020 Geschäftsführer von Österreich Wein Marketing

Der Brite setzte sich im mehrstufigen Auswahlverfahren gegen 90 Bewerber durch und gilt als absoluter Experte im internationalen Weinmarketing.

News

Autochthone Weine: Bodenständig

Sie sind alteingesessen, werden aber zunehmend neu entdeckt: die vielen autochthonen Weinsorten des Friaul. Verduzzo, Friulano, Refosco – die...

News

Champagner-Hotspot: »Am Hof Schanigarten«

Der exklusive Schanigarten des »Park Hyatt Vienna« eröffnet mit Champagnerspezialitäten von Moët & Chandon.

News

Bregenzer Festspiele weiterhin mit Schlumberger

Im Rahmen der Festspiel-Programmpräsentation in den Schlumberger Kellerwelten wurde die Partnerschaft bis 2020 verlängert.

News

Landessieger 2019: Best of Burgenland

Mit der neuen Kategorie »Rosé« wurden erstmals 17 Landessieger prämiert. Erich Scheiblhofer erhält zum dritten Mal die Auszeichnung »Weingut des...

News

Genuss-Radeln in Niederösterreich

Weinkenner sprechen von Terroir, wenn sie die Herkunft, den Boden und das Mikroklima eines Weines beschreiben. Dieses Terroir erlebt man am besten,...

News

11. Juni: TOP Wein im Palais Niederösterreich

Die Finalisten und Landessieger der Landesweinprämierung NÖ 2019 bequem an einem Ort verkosten.

Advertorial
News

Maximilian Riedel denkt an ein eigenes Weingut

Interview mit dem Chef der Glas-Dynastie: über ein neues Zweigelt-Glas, Wein aus Schweden und dem Himalaya sowie neue Konkurrenz für die Weinwelt.

News

Flüssiges Europa: Die Donau und der Wein

Auf ihrem Weg vom Ursprung bis ins Schwarze Meer passiert der längste Strom Mitteleuropas viele Länder mit ausgewiesener Weinkultur.

News

Niederösterreich: Die Landessieger 2019

Die Besten der Besten wurden bei der NÖ Landesweinbewertung in 18 Kategorien gekürt, erstmals wurden die besten Muskateller prämiert. Weingut Hagn ist...

News

Abschied von Erich Wagner

Am 23. Mai ist der bekannte oberösterreichische Weinhändler Erich Wagner im Alter von nur 62 nach geduldig ertragener Krankheit verstorben.

News

Klosterneuburg: An der Quelle des Weinbaus

Eingebettet in die Region Wienerwald, hat Klosterneuburg landschaftlich viel zu bieten. Aber auch in puncto Kultur und Weinbau steht man hier auf...

News

Nachbericht: Una Serata Siciliana

FOTOS: Das mondäne Wiener Ringstraßenhotel »The Ritz-Carlton, Vienna« verwandelte sich in einen Hort sizilianischer Genusskultur.

News

Leo Hillinger in zwei Minuten

Falstaff erreichte Leo Hillinger in Luxemburg, um mit dem wohl meistbeschäftigten Winzer einen Wordrap durchzuführen.