Willi Klinger © Lalo Jodlbauer
Willi Klinger © Lalo Jodlbauer

Das Weinjahr 2014 ist abgehakt (zum Jahresrückblick). Wir richten unseren Blick nach vorne und fragen uns, was im Weinjahr 2015 auf uns zukommen mag. Da man über das Wetter ja ohnehin nichts sagen kann, geht es um die wirtschaftlichen und politischen Rahmenbedingungen. Berufenster Experte, um hierüber Auskunft zu geben ist Willi Klinger, der Geschäftsführer der Österreich Wein Marketing.

Falstaff: Das Wetter lässt sich ja nicht absehen, aber wird sich etwas an den Rahmenbedingungen für unsere Winzer ändern?
Willi Klinger: Politisch bleibt weiter die Hoffnung, die kontraproduktive Sektsteuer wegzubekommen und keine Erhöhung der Mehrwertsteuer für den Ab-Hof-Verkauf für pauschalierte Betriebe hinnehmen zu müssen. Auch beginnt 2015 eine neue Förderperiode der europäischen Union und eine neue Regelung der Auspflanzrechte, wonach jeder Staat pro Jahr nur Neuausplanzungen im Umfang von maximal 1% der Fläche vornehmen darf. Die ÖWM muss sich aufgrund der gänzlichen Streichung der Bundesmittel ab 2015 je nach Ernte auf 10 – 15% knappere Budgets einstellen.

Wie bewerten Sie die Chance auf den Wegfall der Schaumweinsteuer?
Argumente für die Streichung dieser vorgestrigen und ineffizienten Steuer gäbe es genug. Der Ball liegt jetzt eindeutig bei der Regierung.

Es gibt vielerlei Bemühungen zur Festschreibung von »Grand Crus« bzw. Lagen. Wird das von der ÖWM unterstützt?
Die ÖWM hat sich sehr dafür eingesetzt, in allen Weinbaugemeinden die Rieden klar abzugrenzen und gesetzlich zu definieren, damit auch Einzellagenweine für die Kellerei-Inspektion überprüfbar werden. Gerade die höchste und meist auch teuerste Kategorie von Spitzenweinen muss für den Konsumenten bessere Garantien bieten. Die ÖWM beteiligt sich jedoch nicht an Bestrebungen zu einer Klassifikation von Lagen.

Können wir mit neuen DAC Regionen rechnen?
Es gibt zurzeit eine sehr intensive Diskussion über eine neue Herkunftsordnung in der Steiermark. Wir hoffen, dass die Vertreter der Weinwirtschaft schon für den Jahrgang 2015 zu einer Einigung über die steirischen DAC Gebiete und ihre Weine kommen, was natürlich ein entscheidender Impuls für das Herkunftsmarketing in Österreich wäre.

Man munkelt von drei DAC Regionen – Vulkanland, Südsteiermark, Weststeiermark – und von ganz vielen möglichen Sorten. Können Sie da schon mehr verraten?
Es ist richtig, dass sich die Weinbauvereine der Südoststeiermark darauf geeinigt haben, das Gebiet künftig Vulkanland Steiermark zu bezeichnen, was ich sehr begrüße. In der Südsteiermark geht es jetzt darum, den Status des doch sehr eigenständigen Teilgebiets Sausal so herauszuarbeiten, dass man dem Charakter der Sausaler Weine gerecht wird und dennoch eine Abspaltung des Gebiets möglichst vermeidet. Insgesamt werden die steirischen DAC Gebiete mehrere Sorten in ihrem Portfolio haben. Auch die Weststeiermark möchte sich nicht nur mit dem Schilcher positionieren, was verständlich ist, wenn man den sehr  gebietstypischen frischen Charakter von Sauvignon Blanc, Muskateller oder Weißburgunder in der Weststeiermark in Betracht zieht.

Was kommt aus Brüssel auf uns zu? Wird es neue Auszeichnungspflichten geben? Die Gesundheitslobby ist ja sehr aktiv, sind ähnliche Restriktionen wie bei Tabakkonsum zu befürchten?
Die Auszeichnungspflicht von Allergenen betrifft beim Wein fast ausschließlich die Sulfite, weil andere allergene Stoffe im Wein wenn überhaupt, dann nur in geringster Konzentration unterhalb der definierten Grenzwerte vorkommen (z. B. Schönungsmittel auf Eiweißbasis wie Casein). Sehr ernst nimmt die Weinwirtschaft allerdings die Problematik des Alkoholmissbrauchs. Daher hat die Branche ein freiwilliges Präventionsprogramm unter dem Titel »Wine in Moderation« ins Leben gerufen, an dem auch Österreich teilnimmt.

www.weinausoesterreich.at

(von Bernhard Degen)

 

 

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