Von Mönchen gebraut: Trappistenbier im Trend

Trappisten achten beim Brauen lieber auf Qualität und den guten Zweck.

Foto beigestellt

Trappisten achten beim Brauen lieber auf Qualität und den guten Zweck.

Trappisten achten beim Brauen lieber auf Qualität und den guten Zweck.

Foto beigestellt

Die Strenge tragen sie schon im Namen, die »Zisterzienser der strengeren Observanz«, besser bekannt als Trappisten. Und streng klingt auch der Hinweis bei der Telefonnummer der Abtei Sint-Sixtus: »Nicht für Bier-Reservierungen!« Doch die Mönchsgemeinschaft im belgischen Westvleteren ist eben auch kein »normales« Kloster. Unter den weltweit -
14 Trappisten-Abteien, die Bier herstellen, ist Westvleteren die Legende schlechthin. Denn man verschließt sich jeglichem Kommerz und limitiert die Abholtage für die drei Biersorten »Blond«, »VIII« und »XII«. Nur wer sich mit seinem Autokennzeichen anmeldet, darf sich dann seine Kiste an der Klosterpforte abholen. Diese Verknappung trägt ihren Teil zum Nimbus der Biere mit den römischen Zahlen bei, Online-Bewertungen wie die Höchstnote 100 Punkte bei »RateBeer.com« tun ein Übriges zum Kultstatus der Westvleteren-Biere.

Zumal man in der Abtei Sint-Sixtus auch keine Anstalten macht, die Produktpalette zu erweitern. Denn die Trappisten-Mönche waren auch stilbildend – und zwar für kräftige Biere, die sich mit der doppelten Mälzung als süßer und alkoholischer erwiesen als das, was in den Refektorien getrunken wurde. Dieses »Patersbier« wird auf Flämisch auch »Enkel« (einfach) genannt, während sich die ikonischen Stile als »Dubbel« (doppelt) oder »Triple« (dreifach) ihren Platz in den Herzen der Biertrinker eroberten. Aber auch »Quadrupel«-Biere, die dann jenseits der zehn Volumsprozent rangieren, werden etwa in der Abtei Onze Lieve Vrouw van Koningshoeven im holländischen Berkel-Enschot gebraut. Unter der Marke »La Trappe« erinnert dieses Bier auch an die Gründung des Trappisten--Ordens, dessen berühmtestes Mitglied der Afrika-Märtyrer Charles de Foucauld war.

Am Anfang stand Wien

Gebraut wurde in einigen Trappisten-Klöstern schon, bevor es den Orden gab. Denn die Patres »der strengeren Observanz« sind eine späte Abspaltung innerhalb der Zisterzienser. Eine entscheidende Rolle spielte dabei das Generalkapitel des Ordens 1891 in Wien. Der Riss zwischen den weltzugewandten deutschsprachigen Mönchen und den asketischen Mitbrüdern, die man nicht einmal zu diesem Treffen eingeladen hatte, war nicht mehr zu kitten. Der radikalere Teil, der Kontemplation und das berühmte Schweigegelübde lebte, wurde im Jahr darauf von Papst Leo XIII. als eigener Orden anerkannt.

Den drei Gründerklöstern, darunter eben La Trappe und die belgische Abtei Westmalle, folgten bald weitere Mönchsgemeinschaften. Agrarprodukte stellten für nahezu alle von ihnen die wichtigste Einnahmequelle dar. Vor allem Käse, später aber auch Bier, machte die Trappisten bekannt. »Wir brauen, um zu leben, wir leben nicht, um zu brauen«, hört man in jedem der 14 Klöster als mönchisches Motto. Es ist die bierselige Variante von »ora et labora« des Heiligen Benedikt.

Wachstum eingeschränkt

So begann etwa auch das Kloster Orval 1931 gezielt mit dem Brauen, allerdings legte man den Geschäftszweig in die Hände von Laien. Diese Tradition hat sich erhalten, und mit der Ernennung der ersten Braumeisterin Anne-Françoise Pypaert überraschte man 2014 nicht nur die Fachwelt. 

Doch die Biere, deren Erlös verpflichtend dem Kloster oder karitativen Zwecken dienen muss, haben mittlerweile ein Eigenleben bekommen. Frère Xavier, der Leiter der Abteibrauerei Orval, musste etwa die Notbremse ziehen, um die belgischen Käufer nicht zu verärgern: »Der Export wird mit acht Prozent der Jahresproduktion gedeckelt«, schrieb er in einem langen Statement angesichts des heuer abgeschlossenen Umbaus der Braustätte. Zuvor war man stetig gewachsen, 22 Millionen Flaschen sollen aber das Limit sein: »Wir wissen, dass unsere Gäste sich Orval liebend gerne als einem spirituellen Platz nähern – und nicht als Produktionsstandort.«

Doch die Nachfrage nach den malzig-schweren Bieren, hinter denen die Seriosität des katholischen Ordens steht, kommt vor allem aus Übersee. Damit vermehrten sich nicht nur die Biere über die beiden Kern-Stile hinaus; auch die Klöster haben Brauereien als Einnahmequelle und Aushängeschilder der spirituellen Arbeit erkannt. So kamen seit 2014 allein vier neue Brauereien dazu, die das Trappisten-Logo tragen dürfen. Während etwa das letzte deutsche Trappistenkloster Mariawald 2018 aufgelassen wurde, hat auch Österreich einen Platz in der überschaubaren Riege der Klosterbrauereien. Mehr noch, Engelszell im Innviertel war 2012 auch die erste außerhalb der Benelux-Länder agierende Abteibrauerei. Die ersten Biere folgten noch den obergärigen Rezepturen der belgischen Vorbilder. »Gregorius« und »Benno« trugen aber auch die Namen vormaliger Äbte des Engelhartszeller Klosters in die Welt hinaus. Die beiden Patres und zwei Brüder, die den Konvent bilden, bekamen dafür kundige Hilfe.

Peter Krammer von der Brauerei Hofstetten gab sein Wissen weiter, die Prämonstratenser von Stift Schlägl stellten den Mitbrüdern ihre Abfüllanlage zur Verfügung. Mit Michael Hehenberger stellte man dann vor zwei Jahren den eigenen Braumeister in Engelszell an. Er setzte schnell einen Wunsch der örtlichen Feuerwehr um: »Nicht so stark wie die anderen Sorten«, wünschte man sich das Weißbier vom 29-jährigen Brauer. Das Weizenbier mit 4,9 Prozent ist aber nicht der letzte Neuzugang im Sortiment der einzigen deutschsprachigen Trappistenbrauerei. Mit einem »Zwickl«, das heuer erstmals erzeugt wurde, hält man bei nunmehr fünf Sorten. Neue Lagertanks sollen auch den Ausstoß von Engelszell kontinuierlich steigern. Denn die Nachfrage nach dem oberösterreichischen Klosterbier ist weiter hoch. Es ist in den USA und China genauso zu erwerben wie in den schwedischen Systembolaget-Läden. Mit unter 2000 Hektolitern Jahresproduktion ist man gegenüber den belgischen Vorbildern aber nach wie vor ein Zwerg. 

Nichts zu murren

Selbst Westvleteren hat bei seinen Kultbieren einen Ausstoß von 5000 Hektolitern aufzuweisen. Und verzeichnete – nach der Aufhebung des Lockdowns – binnen Stunden 11.000 Reservierungsanfragen. Was die Mönche zu diesem Hype sagen? Vermutlich zitieren sie Kapitel 40 ihrer Ordensregel: »Wo aber ungünstige Ortsverhältnisse es mit sich bringen, dass […] viel weniger oder überhaupt nichts zu bekommen ist, sollen Brüder, die dort wohnen, Gott preisen und nicht murren.«


Streng geschützt

Die 14 Trappisten- Brauereien

Die Abtei Orval versuchte bereits in der Zwischenkriegszeit, sich ihr »Trappistenbier« schützen zu lassen. Mittlerweile verbinden sich Mönche und Marktwirtschaft durch die 20 Abteien umfassende, internationale Trappistenvereinigung AIT; nur sie kann das geschützte Label »Authentic Trappist Product« (ATP) vergeben oder entziehen. Alle fünf Jahre werden dazu folgende Kriterien bei einer Visitation überprüft:  

  1. Die Produkte müssen in unmittelbarer Nähe zur Abtei hergestellt werden.
  2. Die Herstellung muss unter Aufsicht der Trappisten oder Trappistinnen erfolgen.
  3. Die Erträge müssen die Bedürfnisse der Klostergemeinschaft decken sowie für die Solidarität innerhalb des Trappisten-Ordens, Umweltprojekte und karitative Werke verwendet werden.

14 Abtei-Biere weltweit führen aktuell das ATP-Label in der schwarzen Raute: Orval, Achel, Chimay, Rochefort, Westmalle, Westvleteren (alle in Belgien), La Trappe und Zundert (NL), Mont des Cats (FR), Cardeña (ES), Tre Fontane (IT), Spencer (USA), Tynt Meadow (UK) und – als einziger deutschsprachiger Vertreter – Engelszell in Österreich. trappist.be/de

Best of Trappisten-Bier: Aktuelle Verkostungsnotizen lesen Sie im Falstaff Magazin 09/2020.

ERSCHIENEN IN

Falstaff Nr. 09/2020
Zum Magazin

Mehr zum Thema

News

Architektur-Trends 2021: Wie es weitergeht

Die Architektur war schon immer die beste Prophetin, denn sie hat den längsten Atem und malt die verführerischsten Zukunftsbilder. Wir haben die...

News

Neues Sofa? 6 Fragen, die Sie sich vor dem Kauf stellen sollten

Augen auf beim Sofa-Kauf! Von der Sitzhöhe über den Bezug bis hin zur Größe - bevor ein neues Sofa einziehen darf, gibt es einige Aspekte, die es zu...

News

Das sind die Top 5 Interior-Designer aus London

Wer sind die gefragtesten Namen in der Innenarchitektur? Welche Interior-Designer kreieren inspirierende und stilvolle Räume? Bei wem verwischen Wohn-...

News

Junge Buam, reife Weine: »trinkreif« ist Spezialist für gefreite Weine

Aus privater Sammelleidenschaft entstanden, agiert der Weinhandel »trinkreif« seit fünf Jahren mit Kellerfunden privater Weinliebhaber: Markus...

News

How to: »Tortilla Wrap Hack«

An diesem ursprünglichen TikTok-Trend kommt aktuell kaum ein Foodie vorbei. Wir haben ihn ausprobiert und zeigen mit einer Brunch-Version im Video,...

News

Narzissendorf Zloam: Urlaubsidylle trifft auf nachhaltige Investition

Mit einer umfangreichen Palette an Freizeitaktivitäten, einem alpinen Naturschauspiel und seinem Repertoire an Kultur- und Tourismusangeboten zählt...

News

Immos der Woche: Ein Chalet, eine Luxusvilla und ein Aparthotel

Ferstl Immobilien hat ein Ziel: Für Jeden ein passendes Zuhause zu finden. Dabei setzt das traditionelle Familienunternehmen auf Ehrlichkeit,...

News

Interior-Treasures: Das Feinste vom Feinen

Exklusive Interiors gibt es am Markt viele, dennoch gibt es darunter eine kleine Community an Wohn-Preziosen, die Gewohntes übertreffen. Was diese...

News

Winzer-Wohnen: Ein Weingut in der Toskana als eigene Immobilie

Lust auf eigenen Wein? Kein Problem, denn die Toskana sucht Nachwuchs für idyllische Weingüter in bester Lage. Ob als lang gehegter Lebenstraum oder...

News

Luca Nichetto x Wittmann: Neue Kollektion hält richtige Balance

Der renommierte venezianische Designer Luca Nichetto hat für Wittmann Möbel Werkstätten eine eklektische Sammlung an Möbeln entworfen, die sich an...

News

Chalet olé: Dieses Interior versprüht Alpenflair

Felle, Steinzeug und jede Menge Naturholz verleihen dem Chalet seinen besonderen Charme. Hier sind einige Pieces, die warme Gemütlichkeit und...

News

Top 5 CBD-Rezepte für den Lockdown

Die beruhigende Wirkung des CBD-Öls ist genau das Richtige für den Lockdown. Wir zeigen Ihnen kreative Rezepte mit dem Hanfextrakt. Und: Ihre Meinung...

News

Ab in die Wanne: Die schönsten freistehenden Badewannen

Die kalte Jahreszeit ist der richtige Zeitpunkt, um dem eigenen Bad ein neues Centerpiece zu gönnen. Und zwar in Form einer freistehenden Badewanne....

News

Ruheoase im Großstadt-Dschungel

Der erfolgreiche Wohnbauträger Raiffeisen WohnBau stellte kürzlich ein ganz besonderes Projekt in der Wiener Steingasse fertig. Unter dem Titel...

Advertorial
News

Interior-Horoskop: Dieser Einrichtungsstil passt zum Wassermann

Bunt und schrill oder geordnet und strukturiert? Jedes Sternzeichen hat seine ganz eigenen Vorlieben, was das Interior angeht. Die diplomierte...

News

Südfrankreich: Ein Immo-Ort für alle Bedürfnisse

Die französische Riviera war schon immer ein Symbol für Luxus und Laissez-faire. Heute ist die Côte d’Azur begehrter denn je: als Ferienort, als...

News

LIVING Gewinnspiel: bulthaup spittelberg Gewürzmühle gewinnen

Es fehlt die Würze in Ihrem Leben? Dann spielen Sie jetzt bei unserem Gewinnspiel mit und gewinnen Sie eine Salz /Pfeffermühle von bulthaup...

News

Quiz: Sind Sie Oktoberfest?

München im Ausnahmezustand – und Sie mitten drin? Machen Sie den Test, bis es wieder heißt: »O'Zapft is!«

News

Fassgereifte Biere

Holzfassgereifte Biere sind komplex im Aroma und stark im Geschmack. Wie edle Weine sind sie nicht in erster Linie da, um unseren Durst zu löschen,...

News

Medaillenregen für heimische Brauereien

European Beer Star 2019: Der Ottakringer Bock ist das beste Bockbier Europas und das Raschhofer Zwickl das beste Kellerbier. Alle Preisträger im...