Virtuell unterwegs: Best of Virtual Reality

Übermorgenland: der Hafen und die beeindruckende Skyline von Dubai.

© Shutterstock

Übermorgenland: der Hafen und die beeindruckende Skyline von Dubai.

Übermorgenland: der Hafen und die beeindruckende Skyline von Dubai.

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Rien ne va plus – nichts geht mehr. Das Corona-Virus und die dagegen behördlich verordneten Maßnahmen haben weite Teile unserer Welt zu kulturellem Ödland werden lassen. Keine Kinos, Theater, Konzerte. Keine Gastronomie. Und jeder Schritt nach draußen will gut überlegt sein, denn kommt man im öffentlichen Raum seinen Mitmenschen zu nahe, droht entweder eine Abmahnung durch die Exekutive oder – noch viel schlimmer – eine Infektion mit dem gefährlichen Krankheitserreger. Doch während für das Gros der Betroffenen immerhin ein Lichtschein am Ende des Tunnels erahnbar ist – schließlich wurde ja bereits eine schrittweise Aufhebung der unangenehmsten Beschränkungen im Laufe der kommenden Wochen in Aussicht gestellt –, fühlt sich die Lage für passionierte Globetrotter an wie ein Albtraum, der nicht enden will: Die Grenzen bleiben auch weiterhin dicht und die Flugzeuge am Boden, und die hohe Politik hat bereits angekündigt, dass internationale Reisen wohl erst dann wieder uneingeschränkt möglich sein werden, wenn ein wirkungsvolles Mittel gegen die teuflische Krankheit gefunden ist. Reisefieber? Fernweh? Schade, Pech gehabt.

Wahre Abenteuer...

… sind im Kopf, hat André Heller bereits vor knapp 50 Jahren gesungen. Und dieser zeitlos-poetische Ansatz ist nicht nur absolut richtig, sondern gerade in Zeiten des Internet so sehr am Punkt wie nie zuvor. Denn während unseren Eltern und Großeltern meist nur Bildbände und Atlanten zur Verfügung standen, um ihre Fantasie auf die Reise zu schicken, haben wir heute sämtliche digitale Möglichkeiten des World Wide Web auf unserer Seite, um uns die weite Welt ins Heim zu holen. Und spätestens, seit die Virtual-Reality-Technologie (VR) massive Fortschritte bei der Darstellung von »lebensechten« Situationen gemacht hat, sollten dreidimensionale, »gefühlsechte« Clips eigentlich Standard sein, wenn es darum geht, sich vom Sofa aus ein Bild von der Welt zu machen.

Doch trotz der – im wahrsten Sinne – grenzenlosen Möglichkeiten der digitalen Vernetzung verlief die Karriere des WWW als Projektionsfläche für Reise-Sehnsüchte aller Art bisher eher ambivalent. Kein Wunder: Jeder wahre Reisende wird es vorziehen, seine Abenteuer live und inklusive aller sinnlicher Eindrücke zu erleben, anstatt sie sich auf den Laptop zu laden. Es sind ja auch und vor allem diese Eindrücke, die ein Erlebnis einzigartig machen: der Geruch des Meeres, wenn man in einem Hafen steht und die Boote beobachtet. Das Geräusch des Windes in den Palmen, wenn man einen einsamen Strand entlangspaziert. Der Duft der Speisen, wenn man mit seinem liebsten Menschen in einem idyllischen Lokal zu Abend isst, während im Hintergrund leise Musik spielt. Das sind die Anker, an denen unser Gehirn seine Erinnerungen festmacht, um sie später abrufen zu können.

Aber wie bereits eingangs erwähnt: Seit Corona ist alles anders. Die Tourismusindustrie ist völlig zum Erliegen gekommen – wer jetzt etwa auf einer der zahlreichen Live-Webcam-Seiten im Netz (etwa skylinewebcams.com oder earthcam.com) die großen Metropolen ansteuert, findet Bilder wie aus einem Endzeitfilm. Gähnende Leere auf Straßen und Plätzen, die wenigen Einheimischen, die man sieht, erledigen rasch ihre Wege, niemand hält inne, keiner möchte länger als nötig unterwegs sein. Bedrückend. Und so wird es wohl noch eine geraume Zeit lang bleiben. Also was tun, wenn einen doch so sehr das Fernweh plagt?

Die Idee der Stunde

Sie ahnen es natürlich längst: Die Stunde der virtuellen Reise-Realität ist angebrochen. Tourismus- wie Digitalisierungsexperten sind sich einig: Die gegenwärtige Situation, deren Ablaufdatum noch längst nicht feststeht, wird der VR-Technologie einen massiven Boost verleihen und die virtuellen Reise-Eindrücke bei der breiten Masse populär machen. »Moderne Virtual-Reality-Videos vermitteln ein Erlebnis in einer bisher nicht gekannten Intensität«, sagt John C. Graham vom US-VR-Produzenten Travel World VR. Graham geht davon aus, dass VR-Videos auch nach Ende der Corona-Krise zu einem bestimmenden Faktor werden, wenn es darum geht, für welche Reise-Destinationen oder Pauschalangebote sich Konsumenten künftig entscheiden werden.

Zauberformel VR

Aber was ist das Geheimnis von Virtual-Reality-Clips? Nun, primär geht es darum, dass die Aufnahmen dafür mit speziellen 360-Grad-Kameras gemacht werden. Dadurch ist es möglich, bei der Video-Bearbeitung am Computer einen Effekt zu erzeugen, als würde sich das Bild bewegen, als würde man seinen Kopf real in einer Situation von links nach rechts oder von oben nach unten bewegen. Dieser Effekt ist sowohl am Desktop- beziehungsweise Laptop-Bildschirm als auch am Handy oder Tablet zu erleben. Verwendet man aber ein Virtual-Reality-Set mit den bekannten blickdichten VR-Brillen sowie Handcon­trollern, mit denen sich das Video steuern lässt, entsteht ein Effekt, als würde man wirklich »live« in der dargestellten Szenerie stehen und Teil derselben sein. Bei modernen, aufwendigen VR-Videos kommt nun oft noch der Faktor Bewegung dazu: Das US-Unternehmen Travel World VR etwa bietet in seiner App (gratis downloadbar für iOS und Android) zahlreiche 360-Grad-VR-Clips an, bei denen sich die Kamera – und damit der Betrachter – durch eine Szenerie bewegt. Da spaziert man etwa zu Akkordeonklängen durch das romantische Provence-Dörfchen St. Paul de Vence oder radelt in halsbrecherischem Tempo durch die Straßen von London.

3D-360 Grad Effekt

Und das wirklich Beeindruckende dabei: Der dreidimensionale 360-Grad-Effekt funktioniert hier nicht nur mit den erwähnten VR-Brillen, sondern auch ganz einfach am Handy. Man selbst ist der Radler und der Smartphone-Bildschirm ist das dazugehörige Blickfeld – bewegt man das Handy nach links, blickt man auch virtuell nach links, während man weiter durch London strampelt. Dreht man das Handy um 180 Grad nach hinten, ist es so, als würde man seinen Kopf verdrehen wie eine Eule – bei voller Fahrt. Möglich macht das eine sehr aufwendige und teure Aufnahme- und Produktionstechnik, weshalb solche Hightech-Profivideos auch nicht jeder Online-Freak so einfach herstellen kann. Umso größer ist deren Bedeutung für den Tourismus als Werbe­­in­strument – und damit für alle Fernweh-Kranken, die auch jetzt, in Corona-Zeiten, von daheim aus ein bisschen mehr von der weiten Welt erleben möchten als peinliche Videoclips oder traurige, leer gefegte Plätze auf Livecam-Bildern. Denn eines ist gewiss: Die Zeit der Corona-Depression wird vorbeigehen. Und es ­ist doch ein gutes Gefühl zu wissen, dass man seine nächsten Reiseziele dann bereits daheim am Computer vorbesichtigt und ein bisschen erkundet hat – das spart Zeit vor Ort für die wirklich wichtigen Dinge.


Einmal um die ganze Welt – wenn auch nur virtuell

Wie Sie sich die schönsten Reiseziele mit wenigen Klicks nach Hause holen und so Ihre nächste Traumreise vorausplanen können.

State of the art
Die 360°-3D-Virtual-Reality-Reiseclips von Travel World sind hochprofessionell und geben einen guten Überblick, was technisch bereits alles möglich ist. Auch als Gratis-App für iOS und Android erhältlich.
travelworldvr.com

Größte Auswahl
Google Earth bietet eine riesige Auswahl an abrufbaren VR-Clips – und das gratis. Einziger Wermutstropfen: Man benötigt ein VR-Set von Oculus oder Vive, um das volle VR-Programm genießen zu können.
vr.google.com

Masse und viel Klasse
Das weiteste Spektrum an VR-Videos bietet YouTube. Im Suchfeld »VR 360« eingeben, dann erhält man die volle Auswahl – aber natürlich nicht nur Reise-Clips.
youtube.com

Unterwasserwelt
Beeindruckende 360°-VR-Aufnahmen aus den Ozeanen der Welt hat die Seite von Immerse anzubieten. Keine klassischen Reise-Clips, aber dafür Trips in eine Welt, die den meisten verschlossen bleibt.
thehydro.us

Ein Amerikaner in Europa
Ebenfalls zusammen mit dem VR-Anbieter Oculus präsentiert der US-Filmemacher Tarik Mohamad unter dem Titel »Escape Now« sehr schöne und professionelle VR-Clips unter anderem von Paris, Rom, London, Florenz und den ägyptischen Pyramiden.
oculus.com

Reisen und mehr
Auch der VR-Producer Youvisit hat sich auf sehr professionelle 360°-Clips spezialisiert. Unter dem Link findet sich ein schöner Überblick des Angebots.
youvisit.com/tour

Weltweite Livecams
Kein virtuelles 360°-Erlebnis, aber dafür Live-Bilder von unzähligen Orten auf der ganzen Welt finden sich bei diversen Livecam-Sammelseiten. Das ist zwar vergleichsweise Lowtech-Entertainment, kann aber das Fernweh dennoch ganz schön anheizen, weil total authentisch.
skylinewebcams.com, earthcam.com

Oft unterschätzt
Die zeitgemäße Version von »mit dem Finger auf der Landkarte verreisen« ist die Streetview-Funktion bei Google Maps. Technisch natürlich nicht so smart wie VR, aber dafür unendlich vielfältig. Besuchen Sie doch zum Beispiel frühere Urlaubsorte und fahren Sie vergangene Ausflüge am Bildschirm nach. Ein witziges Erlebnis!
maps.google.com

Viele Viechereien
Weil es vielen Freude macht, Tiere zu beobachten: Explore ist die größte Sammlung an Live-Webcams, die Tiere in Zoos oder freier Wildbahn zum Inhalt haben.
explore.org

Kunst vom Feinsten
Tolle Sammlung von – auch 360°-VR – Clips von Museen und Baudenkmälern.
artsandculture.google.com

ERSCHIENEN IN

Falstaff Nr. 03/2020
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