Vino Alpino

Weingut Flür in Tirol: Die Trauben für Blauburgunder, Sylvaner und Müller-Thurgau werden am Weinberg Apazhof angebaut.

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Weingut Flür in Tirol: Die Trauben für Blauburgunder, Sylvaner und Müller-Thurgau werden am Weinberg Apazhof angebaut.

Weingut Flür in Tirol: Die Trauben für Blauburgunder, Sylvaner und Müller-Thurgau werden am Weinberg Apazhof angebaut.

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http://www.falstaff.at/nd/vino-alpino/ Vino Alpino In Österreichs Bergen entstehen dank globaler Erwärmung immer öfter erstaunliche Weinqualitäten. Wir haben diesmal die Weine aus Vorarlberg, Tirol und Salzburg für Sie probiert. http://www.falstaff.at/fileadmin/_processed_/2/b/csm_Weingut-Fluer-PR-2640_2cb840b55d.jpg

1. Weine aus Vorarlberg

Der Weinbau im Umland des Bodensees blickt auf eine uralte Geschichte zurück. Bis heute wird diese Tradition in Liechtenstein, der Schweiz und in Deutschland in Gunstlagen weitergepflegt. Auch in Vorarlberg hat man einige Rebberge über die Zeit erhalten, obwohl die Flächen stark zurückgegangen sind. Für Städte wie Feldkirch und Bregenz war noch im Mittel­alter der Weinbau eine bedeutende Einnahmequelle, heute verfügen alle Winzer Vorarlbergs gemeinsam über eine Ertragsfläche von etwa 20 Hektar. Aufgrund der Kleinheit der Betriebe fallen diese in die Kategorie der »Orchideenwinzer«, dank ihrer qualitativen Ambition fallen aber die Weine selbst höchst professionell aus und finden entsprechend in der regionalen Gastronomie ebenso guten Absatz wie beim Heurigen oder Ab-Hof-Verkauf. Die erzeugten Weine sind mehrheitlich Weißweine, die Sorten sind Rivaner, Welschriesling, alle weißen Burgundersorten, Riesling und Grüner Veltliner, bei den Roten findet man neben Zweigelt und Portugieser auch Pinot Noir und Syrah.

In Vorarlberg bewirtschaften die »Walgau-Winzer« Weingärten auf bis zu 750 Meter Seehöhe.
In Vorarlberg bewirtschaften die »Walgau-Winzer« Weingärten auf bis zu 750 Meter Seehöhe.

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Hoch hinaus

Der aktuell einzige hauptberufliche Winzer Vorarlbergs ist der Bregenzer Sepp Möth, der den Weinbau und den beliebten Heurigenbetrieb in der Langener Straße – übrigens den westlichsten in Österreich – bereits in zweiter Generation betreibt. Sechs Sorten bringt er zur Abfüllung, seine Trauben kommen aus dem bodenseenahen Weingarten mit dem bemerkenswerten Namen »Neu Amerika«, der 3,5 Hektar groß ist.

Der bekannteste Vorarlberger Weinbau­betrieb ist das Bio-Weingut von Michael Nachbaur aus Röthis. Auf bis zu 500 Meter Seehöhe werden hier auf steilen Südhängen rund zwei Hektar Reben bewirtschaftet, die Trauben werden im 600 Jahre alten Keller des Stammsitzes ausgebaut. Einst waren die Südosthänge am Feldkircher Ardetzenberg voll Weingärten, von denen nur ein einziger die Zeit überdauert hat. Hoch hinaus muss man, will man die Weingärten der Gruppe »Walgau-Winzer« besichtigen, die aus den Hobbywinzern Dietmar und Robert Gohm sowie Raimund Dünser besteht. Auf den Südhängen des luftigen Walgaus wächst in bis zu 750 Meter Seehöhe nun seit 1990 wieder ein bunter Mix aus verschiedenen Rebsorten. Gert Markowski vom Weingut Chesa Druschauna aus Göfis hat erfolgreich den würzigen Roesler ausgebaut. 

2. Weine aus Tirol

Tirol liegt am 47. Breitengrad, verfügt vorwiegend über Kalkböden, hat viele Sonnenstunden, wenig Niederschlag, entspricht nach dem Lehrbuch der Weinbauzone B. Es herrschen eigentlich ähnliche Verhältnisse wie im Burgund. Was also spricht gegen Weinbau in Tirol? Der Weinbau in Nordtirol reicht tatsächlich bis ins erste nachchristliche Jahrtausend zurück, urkundlich wird erstmals 965 Weinbau in Sautens im Ötztal erwähnt. Im Frühmittel­alter erlebte der Tiroler Wein im Oberland bei Innsbruck eine kurze Blüte, die sogenannte »Kleine Eiszeit« um 1600 machte dem Weinbau jedoch ein jähes Ende, lediglich ein Weinberg bei Zirl hat sich über die Jahre unversehrt halten können. Der Tiroler Weinbau profitierte in den letzten Jahren von der deutlichen Klimaerwärmung, die in Tirol schneller vor sich geht als im globalen Durchschnitt.

Im Alpenraum ist ein deutlich stärkerer Temperaturanstieg von bis zu 2 °C in den letzten 100 Jahren festgestellt worden. Berücksichtigt man die steigenden Temperaturen und die damit verbundenen höheren Wärmesummen, so ergibt sich zwangsläufig eine Änderung im potenziellen Rebsortenspiegel. Gewisse Sorten mit mittelfrüher Reife, die vor einigen Jahren noch nicht vollständig ausgereift wären, können somit zukünftig auch in Tirol gepflanzt werden. Generell kämpft der Weinbau mit dem stetig steigenden Risiko, dass durch den früheren Austrieb Schäden durch Frühjahrsfröste entstehen. Tirol jedoch ist ein typisches Cool-Climate-Gebiet, was als große Chance gesehen wird. Das Potenzial des kühleren Klimas hat man seit der weltweiten Klimaerwärmung schon vor Jahren erkannt. Sowohl in den traditionellen Weinbauländern der Alten Welt als auch in den Ländern der Neuen Welt, wie etwa Chile, USA, Australien und Neuseeland, verlegt man den Weinbau Schritt für Schritt in kühlere Gebiete.

Österreichischer Qualitätswein

Der Grund dafür ist bekannt – frische Temperaturen fördern die Feinheit und Ausdruckskraft des Weins. Trauben aus einem gleichmäßig warmen Klima hingegen lassen eher plumpe, alkoholreiche Weine entstehen. Nachdem die Weingärten in Tirol sich in der Regel auf eine Seehöhe von etwa 600 bis 900 Meter verteilen, kühlt es besonders im Herbst in der Nacht stark ab. Dadurch entsteht viel Aroma und Extrakt in den Beeren. Der Sommer verläuft meist sonnig und warm, der lange Herbst noch recht mild, nebelfrei und eher trocken, was dazu führt, dass die Reben die ganze Länge der Vegetations- und Reifephase bis Ende Oktober und Anfang November nutzen können. Die Säure in den Beeren und die Kohlenwasserstoffverbindungen als Träger der Weinaromen werden langsamer veratmet. Es entstehen so säurebetonte, fruchtigere Weine mit mehr Aromatik und Finesse.

Vor wenigen Jahren noch belächelt, haben es Tiroler Winzer mittlerweile geschafft, Weine mit dem Prädikat »Österreichischer Qualitätswein« zu produzieren. In den klimatisch geeigneten Zonen wurden mit viel Fleiß und Enthusiasmus neue Weingärten angelegt und einschlägige Fachkurse besucht. Der im Jahr 2012 gegründete »Tiroler Weinbauverband«  (www.tirolwein.at) mit bereits fast 60 Mitgliedern ist um die Fortbildung seiner Winzer bemüht und holt sich regelmäßig Fachexperten aus Ostösterreich, Südtirol und Deutschland. Der Tiroler Wein ist inzwischen ein regional sehr begehrtes Nischenprodukt mit eigenem Charme. Mit steigender Nachfrage nach regionalen Qualitätsprodukten müssen die Tiroler Weine mit ihrer Einzigartigkeit und Charakteristik aber vor allem durch ihre Qualität am Markt überzeugen. In bestimmten geschützten Gebieten gibt es dafür beste Voraussetzungen – dank Cool Climate. 

3. Weine aus Salzburg

Bei Familie Flür in Tarrenz in Tirol ist der Weinbau ein echtes Generationenprojekt.

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Salzburg war stets mit Weingärten reich begütert, diese lagen aber außerhalb der Landesgrenzen – zum Beispiel in der Wachau. Man versorgte sich auf dem Handelswege mit Wein aus dem Süden und dem Osten und sah sich nicht gezwungen, für eigenes Wachstum zu sorgen. Vereinzelt wurde es dennoch versucht. Ab 1140 besaßen sowohl das Domkapitel wie auch das Stift St. Peter einen Weingarten am Mönchsberg unterhalb der Festung Hohensalzburg. Seit einigen Jahren betreiben dort die Salzburger Pfadfinder im Paris-Lodron- Zwinger mit Erfolg einen kleinen Weingarten, dessen Trauben in Niederösterreich vinifiziert werden, einen Steinwurf entfernt am Rainberg hat der Salzburger Unternehmer Christian Sturm seine Reben gepflanzt, aus denen der »Mönchsberg Sparkling« entsteht.  

Es wird wärmer

2001 begann die Weinakademikerin Ma­rianne Witzko in Großgmain unterhalb des Untersbergs auf ihrem Reiterhaindlhof Reben anzupflanzen. Sie setzte 3000 Rebstöcke, 2002 kamen weitere 1000 hinzu. Sie ist heute Salzburgs einzige Weinerzeugerin mit nennenswerter Weinmenge. Auch in Michaelbeuern versucht man mit dem Projekt »Vinumburanum« an die alte Weintradition der Abtei anzuschließen. Natürlich muss das Wetter mitspielen – Stichwort globale Erwärmung –, damit gute Ergebnisse erzielt werden können. Sollte das Klima sich in den nächsten Jahrzehnten weiter erwärmen, so wird sich das zweifellos auch auf den Weinbau in Österreichs Bergregionen positiv auswirken. Und dann wird man wohl zu den heute bestehenden Rebflächen bald weitere Südhänge finden.


FACTS

Vorarlberg

Rebfäche: ca. 20 Hektar
Die Weingärten liegen verstreut vom Ufer des Bodensees bis auf die sonnigen Höhen des Walgaus. Weinbau-Obmann ist Sepp Möth, der einzige hauptberufliche Winzer. 

Tirol

Rebfäche: ca. 9 Hektar
Der Tiroler Weinbauverein hat bereits 60 Mitglieder, Obmann ist Peter Zoller.

Salzburg

Rebfäche: ca. 4 Hektar
Die einzige größere Rebfläche befindet sich am Reiterhaindlhof in Großgmain.

 

TASTING: Zu den Verkostungsnotizen

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