Unten flimmern die Türme von Lucca in der Hitze, oben erfrischt eine feine Brise. Der Winzer Moreno Petrini und sein Önologe Saverio Petrilli stehen auf der Terrasse der Tenuta di Valgiano. »Dieser Wind ist ein wahrer Segen«, sagt Moreno, »der schafft Abkühlung und Durchlüftung. So haben wir hier im Vergleich zur Ebene immer etwas niedrigere Temperaturen.« Die Tenuta di Valgiano liegt zwischen zwei Tälern auf einer markanten Anhöhe, rund 250 Meter über der Stadt. Auffallend ist das viele Grün, das dort selbst im Hochsommer die Landschaft prägt. »Unsere Lage am Südhang des Apennins garantiert uns ausreichende Wasserversorgung«, erklärt Saverio Petrilli. Über die beiden Flusstäler strömt nachts zudem frische Luft aus den Bergen und kühlt den steinigen Boden.

Valgiano geht auf eine mittelalterliche Befestigungsanlage zurück, in deren Mitte eine prachtvolle Villa steht. Moreno Petrini, ein profunder Weinkenner, der unweit von Valgiano aufgewachsen war, erstand 1994 das Anwesen. Gemeinsam mit seiner Frau Laura di Collo­biano und dem Önologen Saverio Petrilli machte er sich daran, dem Wein aus Lucca ­wieder die ihm gebührende Stellung zu geben. Gut 15 Jahre später haben es die drei geschafft: Ihr Top-Wein, der Tenuta di Valgiano, hat sich im Spitzenfeld der Weine der toskanischen Küs­te einen Fixplatz erobert. Von Beginn an versuchten sie, ihren Weinen Finesse und individuellen Charakter zu geben. Entscheidend war die Begegnung mit Alex Podolinski, einem der maßgeblichen Experten für biodynamischen Landbau, Ende der Neunzigerjahre. Seit 2001 werden die Weinberge von Valgiano nach bio­dy­namischen Richtlinien bearbeitet. »Damit konnten wir unseren Weinen noch mehr Tiefe und Vielschichtigkeit geben«, sagt Saverio Petrilli sichtlich zufrieden. Seine Begeisterung für den biodynamischen Anbau hat inzwischen auch viele seiner Nachbarn angesteckt.

Vom Handel zum Wein
Lucca ist eine traditionsreiche Handelsstadt. Viele der reich gewordenen Handelsfamilien errichteten im Umland der Stadt prachtvolle Villen und Paläste. Die Villa Reale, die Villa Grabau oder die Villa Mansi und ihre Gartenanlagen gehören zu den sehenswertesten Baudenkmälern Italiens. Im Umland der Villen entstanden viele Gutshöfe, auf denen Getreide, Obst, Gemüse und Wein angebaut wurden. Aus diesen Gutshöfen, den Fattorie, gingen die meisten der heutigen Weingüter hervor. Die Betriebe um Lucca haben heute überschaubare Größen, sie umfassen selten mehr als 20 Hektar Weinanbaufläche. Wie in der übrigen Toskana ist auch um Lucca Sangiovese die dominante Sorte. Durch den starken französischen Einfluss – Napoleon setzte seine Schwester als Herrscherin von Lucca und der gesamten Toskana ein – sind ­jedoch auch Syrah, Cabernet und Merlot weit verbreitet.

Wein und Olivenöl sind gute Freunde
Einer, der sich von Saverio Petrilli inspirieren ließ, ist Piero Tartagni. Sein Weingut Colle Verde war ursprünglich die Fattoria der Villa Guinigi in Matraia. 1989 zog er von Rom hierher. Sieben Hektar Weingärten gehören zum Gut, vornehmlich mit Sangiovese und Syrah bestockt, ebenso 20 Hektar Olivenbäume. Auf das Öl, das in einer eigenen Ölmühle gemahlen wird, ist Piero Tartagni besonders stolz. Seine Rotweine lässt er immer etwas länger reifen. So kommen in diesem Jahr die 2007er in den Handel. Der Spitzenwein von Colle Verde ist der Brania delle Ghiandaie, eine spannende Cuvée aus Sangio­vese und 20 Prozent Syrah.

Fabbrica di San Martino liegt westlich von Lucca und besteht aus zwei Einheiten: dem Gutshof mit Wein, Olivenöl und gediegen ausgestatteten Ferienapartments und aus der mächtigen Villa, die auf der Lis­te der nationalen Kulturgüter steht. Beppe Ferrua war früher Wirt in Lucca. Dort wurde viel offener Wein ausgeschenkt, den er in den typischen Glasballons, den »Damigiane«, von den Weinbauern kaufte. Eine seiner Einkaufstouren brachte ihn auf Fabbrica di San Martino. Dort schmeckte ihm nicht nur der Wein, er verliebte sich auch in die Besitzerin des Anwesens, Giovanna Tronci. Schon bald übernahm Ferrua die Leitung des Landgutes. Bis in die Neunzigerjahre hatte der alte Verwalter die Weingärten lediglich mit Kupfer und Schwefelkalk bearbeitet. Beppe begeisterte sich für die naturbelassenen Weingärten, und seit 1998 tragen seine Weine das Bio-Siegel. Die Bekanntschaft mit Saverio Petrilli ließ ihn zum biodynamischen Anbau übergehen.

Musik für die Reben
Gabriele da Prato wiederum hat sich die Aufgabe gestellt, den Weinbau in der Garfagnana vor dem Verfall zu retten. Bis in die Sechzigerjahre wurde in diesem Tal, das nördlich von Lucca beginnt und tief in den Apennin hineinreicht, viel Weinbau betrieben. Dann wurden die schwierig zu bewirtschaftenden Terrassen zunehmend aufgelassen. Gabriele kommt aus einer Wirtsfamilie, die stets dem Wein verbunden war, seit 1999 baut er ihn nun selbst an. Auf fünf Parzellen, zum Teil beachtliche Steillagen, verteilen sich seine knapp 3,5 Hektar. Podere Concori, so nennt sich der Betrieb, erzeugt einen finessenreichen, würzigen Syrah, den Melograno. Gabrieles besondere Leidenschaft gilt dem Pinot Noir. Immer wieder setzt sich der am Konservatorium ausgebildete Musiker mit seiner Posaune zwischen die Reben und bringt ihnen ein Ständchen. Vielleicht ist dies das Besondere an den Weinen von Podere Concori …

Es muss nicht immer Rotwein sein
Montecarlo, östlich von Lucca, ist eine Weißweininsel im Rotweinmeer. Schon immer war die Gemeinde für ihre Weißweine bekannt, in den letzten Jahren wird vermehrt auch Rotwein angebaut. Der aus Belgien heimgekehrte Moreno Panattoni erzeugt auf seiner traumhaft gelegenen Fattoria Montechiari kraftvolle, dichte Rotweine. Beeindruckende Rotweine sind auch der von Gino Fuso Carmignani, dem Mastermind des Weins in Montecarlo, erzeugte For Duke (Sangiovese/Syrah) und der Merlo della Topanera (Merlot, zehn Prozent Marcelan). Allerdings sind die Weine von Gino Carmignani immer gleich nach der Füllung ausverkauft. Am bes­ten ­besucht man ihn daher in seiner urigen Trattoria. Weinliebhaber sollten unbedingt auch die Weine der Tenuta Buonamico der Fattoria Vigna del Greppo und jene von Wandanna probieren, die zeigen, dass man in der Toskana nicht immer nur Rotwein trinken muss.

Den vollständigen Artikel mit Einblicken in weitere Weingüter und Tipps zu deren besten Weinen lesen Sie im Falstaff 06/11.

Tipps: Die besten Adressen um Lucca

> Zu den Verkostungsnotizen

Text: Othmar Kiem
aus Falstaff 06/11

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