Der Altweibersommer hat dann doch noch für eine erfreuliche Ernte gesorgt / Foto beigestellt
Der Altweibersommer hat dann doch noch für eine erfreuliche Ernte gesorgt / Foto beigestellt

Jahr für Jahr konnten teils junge und/oder unbekannte Betriebe, aber auch arrivierte, vermarktungsstarke Weingüter rund um den Neusiedler See als Leithaberg-Winzer gewonnen ­werden. Im Gegenzug ist es vielen jungen, ­talentierten Winzern gelungen, im Zuge ihrer Aktivitäten im Verein Leithaberg Aufmerksamkeit auf dem österreichischen Weinmarkt zu erlangen. Die Ziele und Erwartungs­haltungen waren schon zu Beginn höher als bei allen anderen DAC-Gebieten, weil sich der Leithaberg zwar der Tradition der Region entsprechend Rot- und Weißweinen verschrieben hatte, aber auf eine Klassik- oder Basisqualität verzichtete, um sich gleich auf die Reservekategorie zu stürzen.

>>> Verkostungsnotizen: Leithaberg DAC – Eleganz in Weiß und Rot

Obwohl auf die Klassikweine verzichtet wird, ist das Leithaberg-Qualitätsmanagement mittlerweile zweistufig aufgebaut, denn ­zusätzlich zu der auf den nächsten Seiten verkosteten Reservekategorie beginnt man im Verein Leithaberg, das Augenmerk auf die his­torischen Lagen der Region zu richten. Die ersten Lagenweine mit Leithaberg-Prüfnummer und -Logo auf der Kapsel werden derzeit gerade abgefüllt und kommen bereits nächstes Jahr auf den Markt. Die dazu formierte Arbeitsgruppe nimmt vom Begriff einer Lagenklassifikation aber dezidiert Abstand. Es soll nicht intern bewertet werden, ob eine Lage »gut« oder »schlecht« ist. Ziel ist es, den speziellen Ausdruck der Lagen, die die Winzer für wertig genug halten, lagenrein abzufüllen und noch deutlicher herauszuarbeiten. Dazu veranstaltet der Verein regelmäßig Verkos­tungen, Schulungen und Vorträge. Die ­führenden Winzer des Gebiets sind sich einig: »Viele Leithaberg-Winzer haben es uns ­bereits vorgemacht, wie man seinen Boden und das spezielle Terroir eine klare Sprache sprechen lässt. Wir wollen diese Weine als qualitative Speerspitze in das Leithaberg-­System integrieren und gleich­zeitig jene ­Winzer, die noch nicht in diese Richtung ­arbeiten, aber das gerne würden, durch ­Schulungen und Verkostungen unterstützen, solche Weine zu kreieren. Verpflichtet ist aber keiner.« Wenn eine Lage draufsteht, dann soll es auch ein Top-Wein sein. Das ist das erklärte Ziel.

Nachhaltig erfolgreich
Der Leithaberg wird deshalb in Sachen gesunder Boden, Nachhaltigkeit und biologische ­Wirtschaftsweise noch etwas mehr in die ­Tiefe gehen. Zusätzliche internationale ­Berater sollen den Winzern, die sich dieser Philosophie verschreiben, unter die Arme greifen. Jedes Weingut sollte dann zusätzlich zu seinem hochwertigen ­Reservewein auch den einen oder anderen Lagenwein anbieten können, der den inter­nationalen Vergleich nicht scheuen muss.

Erste internationale Erfolge bestätigen den Weg: Auch wenn die DAC-Systeme auf dem heimischen Markt, dort, wo sich Weinbaugebiete mit DAC-Gebieten überschneiden, noch manchmal für Verwirrung sorgen, wird der ­Leithaberg auf den Weinmärkten Europas mit offenen Armen aufgenommen. Besonders die gute Lagerfähigkeit und vielfältigen Einsatzmöglichkeiten als Speisenbegleiter machen den Leithaberg zu einem beliebten Wein für aufgeschlossene Importeure und Gastronomen. Man muss bei Leithaberg-Weinen keine Angst vor Reife haben. Ganz im Gegenteil: Meist zeigen diese Langstrecken­läufer ihr wahres Gesicht erst nach einigen Jahren in der Flasche.

In Winzerkreisen galt der 2011er als einer der größten Rotweinjahrgänge seit Langem. Ähnliches sagt man am Leithaberg auch vom 2012er. Hohe Reife und trotzdem animierende Säurestruktur sorgen für besonders balancierte Weine, die der Leithaberg-Stilistik ­entgegenkommen; und der Jahrgang 2013 gilt mit seinem kühlen Herbst im Nordburgenland durchaus als einer der besten Weißweinjahrgänge der letzten Dekade. In Summe sind Leithaberg-Weine lebendig und nie überreif.

INFO
Verein Leithaberg
www.leithaberg.at




Aus Falstaff Nr. 08/2014

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