Auf Befehl von Kaiserin Maria Theresia haben die jungen Habsburger Prinzen - zur zuverlässigen Zeugung männlicher Nachkommen - in ihrer Hochzeitsnacht ein Glas Somlóer Wein trinken müssen. Angela und Werner Michlits hatten zwar nichts dergleichen im Sinn, als sie die vulkanischen Weinberge mitten in der ungarischen Puszta das erste Mal besuchten, dennoch scheint das Fruchtbarkeitselixier der Monarchie auch heute noch zu wirken: Im Jahr nach dem Besuch auf dem Somló Hügel ward auch den Pamhagener Winzern ein Thronfolger - Vincent - geboren.

Vulkanische Böden und kühle Winde

Werner und Angela Michlits
Werner und Angela Michlits

Über Freunde hatten die beiden ein pensioniertes ungarisches Winzerehepaar kennengelernt, das den traditionsreichen Weinberg gerne den Burgenländern zur Bewirtschaftung anvertraute. Diese waren spontan begeistert vom Ausblick über die Weite der Puszta, vom vulkanischen Boden und dem Mikroklima in 370 Meter Seehöhe. Die kühlen Winde machen Somló wie geschaffen für den Weißweinanbau. Die dort kultivierten Rebsorten haben jahrhundertelang Tradition und sind mittlerweile leider fast aus dem Anbau verschwunden: Juhfark und Hárslevelü

Die Rebsorten: Juhfark und Hárslevelü

Juhfark
Juhfark

Juhfark der eine, feurig maskulin, in sattem Goldgelb: extravagant mit feinem Säurespiel, genannt auch »Wein des Thronfolgers«. Hárslevelü, die andere: feminin, leichtfüßig, mit feinen Fruchtaromen. Für beide Weine erweist sich Somló als idealer Boden. Juhfark (zu Deutsch »Lämmerschweif«) verdankt seinen Namen der länglichen, zur Spitze hin gebogenen Traubenform. Er zählt zu den edelsten ungarischen Weißweinen. Ein reifer, maskuliner, sehr mineralischer und dabei eleganter Wein, mit gutem Körper. Hárslevelü (auch Lipovina, Hars Levelu; zu Deutsch »die Lindenblättrige«) zeigt frische Säure mit ansprechender hellgelber Farbe. Die Trauben sind sehr groß, lang und lockerbeerig, was sie gegen Krankheiten unempfindlich macht.

Kostnotizen
Meinklang Juhfark 2009 (Fassprobe): Sattes Goldgelb, verhaltene Aromen nach Kriecherln, Quitte und Suppengrün sowie ein Hauch vom Minze. Am Gaumen satte Struktur, barocker Schmelz, würzige Anklänge und zarte Mineralik, ergibt insgesamt ein schönes Spiel aus Opulenz und kerniger Finesse.
Meinklang Hárslevelü 2009 (Fassprobe): Hellgelb, rassige Kräuterwürze, weißer Pfirsich und zart rauchige Anklänge in der Nase. Am Gaumen feine Struktur und zartes Säurekleid mit etwas Steinobst im Nachhall. Sehr gefällig und schöner Trinkfluss.

Der Winzer
Werner Michlits gilt mit seinem Weingut Meinklang als bio-dynamischer Vorzeigebetrieb. Der Pamhagener sorgt immer wieder mit innovativen Projekten für Aufsehen - beispielsweise macht er Wein aus einem Weingarten, der nicht geschnitten wird und wild wachsen darf (siehe Bild oben). Ein Teil der Weine darf in ovalen Betontanks reifen - der Erfolg und das Interesse von Winzerkollegen waren so durchschlagend, dass Michlits mittlerweile mit der Produktion und dem Handel von Beton-Eiern begonnen hat.

(Von Bernhard Degen)