Österreichischer Sekt wird hochbesteuert, hingegen billigere Schaumweingetränke wie Prosecco Frizzante bleiben davon verschont. / © Shutterstock
Österreichischer Sekt wird hochbesteuert, hingegen billigere Schaumweingetränke wie Prosecco Frizzante bleiben davon verschont. / © Shutterstock

Eduard Kranebitter, der Chef von Schlumberger, schäumt: »Diese Sektbesteuerung ist diskriminierend, dumm und bringt uns langfristig um. Entgegen vieler Beteuerungen aus der Politik noch vor wenigen Wochen, wurde diese Unsinnssteuer nun tatsächlich durchgezogen.« Aufgrund einer EU-Regelung (Steuerfreiheit bei Schaumgetränken bis 3 Bar) kann der Fiskus in Österreich Prosecco und Frizzante nicht besteuern. Sehr wohl aber Champagner und Sekt. Für Kranebitter von Schlumberger, dem Marktführer auf dem heimischen Schaumweinmarkt, ist diese Steuer »zerstörerisch und im höchsten Maße unfair«. Wer Kranebitter, den erfolgreichen Manager und Bergsteiger aus Tirol, kennt, weiß, dass er sich das nicht gefallen lassen wird. Gemeinsam mit seinem Eigentümer Emil Underberg ist ihm an Konsequenzen auch alles zuzutrauen. Von einer Absiedelung der Unternehmenszentrale ins weniger diskriminierende Ausland bis hin zum Verkauf könnte alles passieren. Insider aus den Koalitionsverhandlungen berichten, dass bei den Steuererhöhungen – neben den ebenfalls unfassbaren, bis zu 100%igen Besteuerungen etwa bei Luxuskarossen und Sportwägen – parteiideologische Motive durchaus eine Rolle gespielt haben. Quasi: Wer Champagner und Sekt trinkt, soll zur Kasse gebeten werden. Wer ein teures Auto fährt, kann auch noch viel mehr Steuern zahlen. Angeblich war auch ein Angriff zur generellen Besteuerung von Wein geplant, der konnte aber durch die stärkere Weinbauernlobby gerade noch abgewehrt werden. Der Kompromiss scheinen jedoch die Schaumweinsteuer und höhere Abgaben auf hochprozentige Getränke gewesen zu sein. Dass von der Schaumweinsteuer auch 3000 Weinbauern als Lieferanten der Sektproduzenten massiv betroffen sein werden, dürfte allerdings übersehen worden sein.

Willi Klinger / © ÖWM, Lalo Jodlbauer
Willi Klinger / © ÖWM, Lalo Jodlbauer

»Das ist Diskriminierung pur«
»Ich verstehe den Gesetzgeber wirklich nicht«, empört sich der Chef der Österreichischen Weinmarketing Gesellschaft Willi Klinger. »Es gab gute Gründe, dass man die Sektsteuer 2005 abgeschafft hat, weil man dem heimischen Sekt nicht noch mehr Absatzschwierigkeiten und Schaden zufügen wollte und sich der Aufwand bei der Einhebung dieser Abgabe als so hoch herausstellte, dass er in Relation mit den Einnahmen nicht mehr gerechtfertigt war. In der Zwischenzeit hat sich die Marktsituation für österreichischen Sekt nicht verbessert, sondern eher verschlechtert – und jetzt führt man die Steuer wieder ein? Die wirklich Leidtragenden sind 3000 Winzer und die gesamte österreichische Sektproduktion. Frizzante und Prosecco aus Italien dürfen sich freuen, da sie es als ein Produkt mit weniger Qualität als der Sekt ohne diese Steuerbelas­tung noch leichter haben werden, neue Marktanteile zu erringen. Das Gesetz ist eine unüberlegte Hauruck-Aktion, und es würde mich nicht wundern, wenn man schon in wenigen Jahren diese Abgabe wieder abschaffen würde. Dann darf man sich allerdings sehr berechtigt fragen: Wozu dieser ganze Aufwand?«

Eduard Kranebitter / © Schlumberger
Eduard Kranebitter / © Schlumberger

»Ich verstehe die Welt nicht mehr«
»Da wurde vor neun Jahren die absolut unsinnige Sektsteuer endlich abgeschafft, nachdem auch jeder kritische Finanzbeamte im Ministerium erkennen musste, dass diese Steuer – gemessen am administrativen Aufwand – zu wenig bis nichts bringt. In den Jahren der Sektsteuer bis 2005 verloren die heimischen Sektproduzenten an die Erzeuger von Prosecco und Co., die auch damals keine Sektsteuer zahlen mussten, 25 Prozent Marktanteil. Und jetzt leistet sich der Gesetzgeber nochmals so ein Husarenstück! Das Ergebnis wird sein, dass die heimische Sektwirtschaft, die ohnehin einen Preisverfall ohne Ende und den Verlust von Marktanteilen zu erleiden hat, zusätzlich geschwächt wird. Die Einzigen, die jubeln, sind die Italiener mit ihrem billigen Prosecco. Das verstehe wer will, wir tun es nicht mehr!«


Text von Wolfgang Rosam
Aus Falstaff Nr. 01/2014

Mehr zum Thema

News

Martiniloben am Neusiedler See

Weingenuss und Gansl-Kulinarik – wir haben die wichtigsten Termine 2019 im Überblick.

News

World Champions: Harlan Estate

In den 1980er-Jahren reifte Bill Harlans Entschluss, im Napa Valley einen Rotwein zu erzeugen, der es mit den besten Grands Crus aus Frankreich...

News

Neuer Ferrari Maximum vorgestellt

Der neue, zeitgemäße Auftritt wurde während eines denkwürdigen Abends unter dem Motto #ToTheMaximum präsentiert.

Advertorial
News

Spaniens Weinwelt im Umbruch

Die neue Winzergeneration setzt auf fast vergessene Rebsorten, Terroirausdruck und Zurückhaltung in Keller und Weinberg.

News

Weinkultur an der Mosel

Weinselig mäandert die Mosel von ihrem Ursprung in den Vogesen bis zur Rheinmündung bei Koblenz. Der fruchtsüße Moselriesling hat Weltruhm – doch...

News

Catena Zapata feiert 100-Punkte Weine in China

Das argentinische Weingut zelebrierte fünf 100-Punkte-Weine an der chinesischen Mauer und würdigte damit ihre lange Weinbautradition.

News

Die Sieger der Valpolicella Trophy 2019

Valpolicella ist ein heiterer Wein: fruchtbetont, ausgestattet mit weichem Tannin und feinem Trinkfluss. Wir haben ihn in den Varianten Valpolicella,...

News

Carnuntum wird nächstes DAC-Gebiet

Die Niederösterreicher setzen auf die Herkunftspyramide und etablierte Sorten wie Grünen Veltliner, weiße Burgundersorten, Zweigelt und Blaufränkisch.

News

Brda: Wo der Rebula zuhause ist

Rebula verbindet zwei Nationen. Eine lokale, autochthone Sorte aus der Vergangenheit zeigt einem Grenzgebiet die Zukunft.

News

»Cantina Tollo«: Tradition und Innovation für preisgekrönte Weine

Das italienische Weinunternehmen »Cantina Tollo« wurde 1960 in den Abruzzen gegründet und veränderte damit die Geographie des regionalen Weins. Tollo...

Advertorial
News

Neu am Markt: Chai-Genuss von Demmers Teehaus

Falstaff stellt Produkt-Innovationen auf dem Lebensmittel- und Getränke-Sektor vor. Mit allen Infos, Fotos und Bezugsquellen.

Advertorial
News

Weinregal: Lego für Erwachsene

VIDEO: Das Regalsystem »Rack Art« aus Linzer Produktion erlaubt platzsparende Weinlagerung, die individuell aufgebaut und erweitert werden kann.

News

Die Sieger der Ski amadé Blindverkostung

Bei dem alljährlichen Genusspartnertreffen probierten sich die kooperierenden Hütten und Hotels durch österreichische Weine und bestimmten den...

News

Die Sieger des Kremstal DAC Cups

Falstaff hat einmal mehr die Palette der Kremstal-DAC-Weine aus den Leitsorten Grüner Veltliner und Riesling probiert und die Sieger des Falstaff...

News

Delikatessen, Weine, Whisky & Co: Einkaufen in der Josefstadt

Der 8. Wiener Gemeindebezirk bietet italienische Spezialitäten, süße Versuchungen, edle Tropfen und vieles mehr.

News

Paul Zimmermann eröffnet Schlossquadrat-Trophy

Die sechs Finalisten der Jungwinzer-Trophy stehen fest. Der Weinviertler Paul Zimmermann präsentiert am 8. Oktober als Erster der Kandidaten seine...

News

Impressionen der Falstaff Champagnergala 2019

Die schönsten Fotos vom großen Falstaff Champagner-Event im Wiener Palais Ferstel – mit Eindrücken von der Verkostung, den Ausstellern und unseren...

News

Die Gäste der Falstaff Champagnergala 2019

Beim großen Falstaff Champagner-Event im Wiener Palais Ferstel waren neben den prickelnden Kreszenzen einmal mehr die Gäste die Stars des Abends.

News

Fragore, der Donnafugata Cru vom Ätna

Der Donnafugata Fragore des familiengeführten Weinguts in Sizilien und hat seine Heimat an der Nordseite des Ätna, wo die Reben in einer Höhe von 750...

Advertorial
News

Österreichs höchster Weinberg auf 1.212 Metern

In Saalbach Hinterglemm wurden 2500 Solaris-Stöcke ausgepflanzt. Mit der ersten Ernte wird 2022 gerechnet.