Umfrage: Soll Trinkgeld fix auf die Rechnung?

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In der »Hofmeisterei Hirtzberger« in Wösendorf (im Falstaff Restaurantguide mit 90 Punkten und drei Gabeln ausgezeichnet) wird seit kurzem das Trinkgeld in der Höhe der üblichen zehn Prozent fix in die Rechnung inkludiert. Gäste können diese reklamieren, wenn sie finden, dass etwas nicht zu ihrer Zufriedenheit war. Laut den Inhabern ist das jedoch noch nicht vorgekommen und die Resonanz sei »großartig«. Das Personal selbst sei umso motivierter gute Arbeit zu leisten.

Emotionale Diskussion


Wir wollten von unserer Community wissen, was sie von dieser Lösung hält. So viel vorweg: Mit dieser Änderung scheint ein Nerv getroffen zu sein, denn bei kaum einem anderem Thema gingen die Wogen bei unseren Lesern ähnlich hoch. Auf der Falstaff-Facebookseite, die mittlerweile über 50.000 Fans vorweisen kann, entstand eine lebhafte Diskussion, bei der sowohl Pro als auch Kontra zur Sprache gebracht werden.

Die Diskussion auf der Falstaff-Facebookseite verfolgen



Kritische Stimmen überwiegen


Die Reaktionen reichen dort von purem Unverständnis: »Was veranlasst einen Wirten so etwas zu tun?« bis hin zu einem Apell an den gesunden Menschenverstand: »Der Anstand und die gute Erziehung sollten es selbstverständlich machen, dass man die Bemühungen des Servicepersonals honoriert!« Während sich viele Community-Mitglieder bevormundet fühlen – » Ich lass’ es mir sicher nicht vorschreiben, denn Trinkgeld ist eine freiwillige Honoration« – stehen andere hinter den Gastronomen – »Ich finde es korrekt, solange es ausgewiesen ist auf der Karte! Jeder Wirt hat das Recht ›sein‹ Konzept durchzusetzen.« – und zeigen sich von dem Vorstoß nahezu begeistert: »Die Knauserigkeit der Gäste wird immer schlimmer, hoffentlich setzt sich das überall durch.«

Vier Fünftel für freie Entscheidung


Viel eindeutiger fiel da schon das Votum in unserer Online Abstimmung aus. Binnen 24 Stunden wurden über 3.000 Stimmen abgegeben und dass das Thema wirklich fast alle zu beschäftigen scheint, bzw. beinahe jeder eine Meinung dazu hat, zeigt die sehr geringe Anzahl an »Ich weiß nicht«-Stimmen (2 %). Der Großteil (81%) der Community spricht sich gegen eine Änderung der Trinkgeldregelung à la »Hofmeisterei Hirtzberger« aus und möchte den bisherigen »Usus der Selbstbestimmung durch den Gast« beibehalten. Lediglich ein kleiner Teil (17 %) steht dem neuen Modell positiv gegenüber.

Ergebnis der Umfrage (über 3.000 abgegebene Stimmen)

Signal gegen Bevormundung


Falstaff-Herausgeber Wolfgang Rosam sieht das eindeutige Votum als klares Signal, dass die Gäste nicht bevormundet werden wollen.

»Kultivierte Restaurant-Besucher geben die üblichen zehn Prozent Trinkgeld, wenn sie mit dem Service zufrieden sind. Auch wenn der Rechnungsbetrag höher ist, ist das Ehrensache. Aber die Diskussion kann durchaus jene an die Branchenusance erinnern, die auf die faire Entlohnung immer öfter ›vergessen‹«.

Branche spürt sinkende Trinkgeld-Moral


Die Tendenzen sind eindeutig: der Souverän sollte der Gast bleiben, der das Trinkgeld als Form des direkten Feedbacks versteht. Guter Service, kulinarische Leistungen oder ein schönes Ambiente: Gäste belohnen Lokale individuell, nach eigenem Ermessen und möchten dies auch weiterhin tun. Die bittere Realität für das Servicepersonal schaut leider oft anders aus. Denn je höher der Rechnungsbetrag, desto weiter entfernen sich Gäste immer häufiger von den üblichen zehn Prozent Trinkgeld. Eine Problematik, die mit der »Trinkgeld-Zwangsbeglückung« aber sicher nicht gelöst wird.

Weitere Reaktionen

»Trinkgeld darf nicht automatisch dazu gerechnet werden, denn ist es ja kein ›Dankeschön des Gastes‹. Ich hab eine Kellner-Lehre absolviert und werde als Wirt nie für ein automatisches Trinkgeld zustimmen.«
Adi Werner Alt-Wirt vom Arlberg Hospiz.

»Trinkgeld ist eine persönliche Zuwendung nach unterschiedlicher Leistung und hat so automatisch auf der Rechnung nichts verloren.«
Bernhard H., per E-Mail

»Der 10%ige Zuschlag ist  aus meiner Sicht nicht gerechtfertigt. Nach Zufriedenheit gebe ich Trinkgeld – und nicht wenig...«
Herbert M. P., per E-Mail

»Ich finde es eine Zumutung, zehn Prozent Trinkgeld immer dazuzuschlagen und das noch für einen schlechten Service. Sollte mir das passieren würde ich das Restaurant verklagen oder vor Ort  die zehn Prozent zurückverlangen. Ich bin beruflich in vielen Restaurants und muss immer wieder erfahren, wie schlecht das Service ist. Auf eine solche Weise verärgert man einen Kunden, der nie wieder dort hin geht.«
Per E-Mail

»Nein, Trinkgeld gehört nicht auf die Rechnung, da u.U. das Service schlecht ist und ich daher wenig oder kein Trinkgeld gebe.«
Manfred N., per E-Mail

»Wird ein freiwilliges Trinkgeld gegeben, so drückt dieses die Zufriedenheit des Gastes mit der
besonderen Qualität des Services aus. Wenn also Wirte sich beklagen, dass sie, auch aufgrund der zu niedrigen Gehälter, nicht mehr ausreichend qualifizierte Mitarbeiter fürs Service bekommen, so darf man dies nicht auf die Gäste abwälzen und nun die Preise um 10% erhöhen!
Wenn es also wirklich nur an der Entlohnung liegt (Geld ist immer nur ein Teil der Motivation für einen Beruf) haben die Arbeitgeber zu reagieren. Möglicherweise müssen die Preise neu kalkuliert werden, was auch wieder zu einer Preiserhöhung führen wird. Ob der Gast sich dann in gewohnter Häufigkeit den Gasthaus- Restaurant-Besuch leisten können wird, ist fraglich (eine Gehalts- bzw. Pensionserhöhung
von 10% wird die Ausnahme bleiben, bzw. ist undenkbar).«
Peter T., per E-Mail

»Ich war vor drei Wochen in der Hofmeister essen und kann bestätigen dass a) das Essen ausgezeichnet ist, b) das Service ausgezeichnet ist und c) dieser 10% Aufschlag sehr vorsichtig und demütig kommuniziert wird. Großes Kompliment dass endlich mal ein Wirt die Eier hat dies in Österreich durch zu ziehen.«
Tobias W., Facebook

»Meiner Meinung nach ein sehr fragwürdiges Konzept. Sich selbst einen außerordentlichen Service zu bestätigen und den Gast dafür zahlen zu lassen. Ich wäre sofort dafür, dass Menschen in der Gastronomie mehr verdienen und wäre auch bereit, dafür mehr für das Konsumierte zu bezahlen. Das Trinkgeld sollte dann noch ein extra Körberlgeld sein und nicht ein Weg, das Gehalt auf ein angemessenes Maß zu erhöhen. Und mich dann vielleicht noch rechtfertigen zu müssen, dass ich weniger Trinkgeld gebe, wenn ich nicht so zufrieden war, ist wohl auch seltsam.«
Alexandra H., Facebook

»Es ist ein Witz, wie wenig man den Arbeitern im Tourismus gönnt auf diesem Planeten!!! Ich finde es gehört in ganz Österreich eingeführt!!!!«
Marie Z., Facebook

 

 

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