U(h)r-Element Wasser

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Bereits lange bevor die Armbanduhr begann, die Taschenuhr zu verdrängen, galt es, die immer aufwendiger gefertigten und somit komplexeren Uhrwerke vor Feuchtigkeit, Schmutz und Staub zu schützen. Da Taschenuhren nicht am Körper getragen wurden, war ein wasserdichtes Gehäuse noch nicht zwingend notwendig. Zunehmend bessere Fertigungsmethoden und damit einhergehend kleinere Toleranzen gewährleisteten den gewünschten Schutz vor dem Feind von außen.

Als die Armbanduhr in den 1930er-Jahren langsam begann, den freien Platz am Handgelenk zu erobern, stellte sich die Frage nach Wasserdichtigkeit indes sehr schnell und vor allem nachhaltig. Rolex war der Pionier, als es darum ging, das erste zuverlässig wasserdichte Gehäuse zu entwickeln. Rolex-Gründer Hans Wilsdorf schwor damals seine Techniker ein: »Wir müssen ein hermetisch schließendes Gehäuse konstruieren, um unsere Präzisionswerke dauernd vor den Gefahren der Zerstörung durch Staub, Schweiß, Wasser, Hitze und Kälte zu schützen. Erst dann ist die vollkommene Präzision der Rolex-Uhr gesichert.«

Mit der Präsentation der »Oyster« gelang Rolex der große Coup, und Wilsdorf lag nicht ganz falsch, als er daraufhin formulierte: »Ich prophezeie, dass die ›Oyster‹ mehr als alles, was bisher unternommen wurde, dazu beitragen wird, dass immer mehr Männer Armbanduhren tragen werden.« Der Name »Oyster« für seine neue Uhr war weise gewählt: »Die Auster ist eine mustergültige Hüterin ihres Hauses. Sie lebt im Wasser und lässt keinen Schmutz eindringen, beschützt so ihr wertvolles Inneres. Wir haben ihre Eigenschaften und auch ihren Namen übernommen.«

Rolex »Oyster«
Als Mercedes Gleitze im Jahr 1927 den Ärmelkanal durchschwamm, trug sie eine wasserdichte Rolex »Oyster«. Die Gehäuse­kon­struktion von damals lässt bereits zwei Dichtungen und eine verschraubte Krone erkennen. Rolex-Gründer Hans Wilsdorf bewarb die Leistung seiner »Oyster« damals auf der Titelseite der »Daily Mail«.

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Es war ebenso Wilsdorf, der es verstand, seine Erfindung entsprechend in Szene zu setzen. Dazu zitieren wir eine Aussage der Langstreckenschwimmerin Mercedes Gleitze: »Die Rolex ›Oyster‹ ist die einzige mir bekannte Armbanduhr, die absolut wasserdicht und gegen Beschädigungen durch Sand oder salzige Luft geschützt ist.« Dass Gleitze dann eine »Oyster« an ihrem Handgelenk trug, als sie im Jahre 1927 in rund zehn Stunden den Ärmelkanal durchschwamm, war demnach kein Zufall. Um diese Meisterleistung gebührend zu feiern, kaufte Wilsdorf am 24. November 1927 übrigens die Titelseite der englischen Tageszeitung »Daily Mail« und verkündete so den Erfolg seiner wasserdichten »Oyster«.

Die daraus resultierende explodierende Nachfrage nach wasserdichten Armbanduhren kam der ganzen Uhr-Schweiz zugute und unterstrich die Technologieführerschaft der Eidgenossen. Mit den Jahren entwickelten die Hersteller und darauf spezialisierte Zulieferbetriebe immer bessere Gehäuse. Die Wasserdichtigkeit verbesserte sich zusehends. In den 1950er-Jahren kamen die ersten bis zu 100 Meter wasserdichten Taucheruhren auf den Markt und kurz danach bereits erste Exemplare, die bis zu 300 Meter wasserdicht waren. Blancpain, Omega und Rolex gelten hier als Pioniere. Wichtiger noch als die Weiterentwicklungen bei professionell eingesetzten Armbanduhren waren jene Schritte, die unsere Alltagsuhr vor Schmutz, Staub und Wasser schützen sollten. Eine gänzlich »ungeschützte« Armbanduhr zu verkaufen, war nicht mehr möglich.

30 Meter sind das Minimum

Als Mindeststandard gelten 30 Meter, und da mag man meinen, man könne bereits schwimmen gehen. Weit gefehlt! Die 30 Meter reichen gerade einmal aus, damit das tickende Kleinod halbwegs zuverlässig beim Händewaschen sowie vor Schweiß und Feuchtigkeit geschützt ist. Duschen, Schwimmen oder Ähnliches, davon raten wir dringend ab. Ein sicherer Schutz vor dem Urelement Wasser im normalen Alltag beginnt bei 100 Metern. Jetzt werden Sie sich fragen: Wozu 100 Meter? Da komme ich doch nie und nimmer hin. Stimmt!

Es geht nicht um die Tiefe per se, es geht um den Schutz vor Wasser, das plötzlich und mit Druck auf ein Uhrgehäuse und dessen Gummidichtungen einwirkt. Zum Beispiel der Sprung ins Wasser oder der Wasserstrahl unter der Dusche oder beim Händewaschen, der direkt darauf auftrifft. Sind bei einem solchen 30-Meter-Exemplar die betroffenen Gummidichtungen zudem etwas spröde, also gealtert, so ist womöglich gar kein Schutz mehr gegeben. Das gilt natürlich ebenso für die Pendants jedes anderen Gehäuses, egal welche Wasserdichtigkeit da angegeben ist.

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Deshalb ist es dringend ratsam, jede Armbanduhr einmal jährlich dahingehend überprüfen zu lassen. Der gute Uhrenfachhandel kann dies in nur wenigen Minuten erledigen. Während das Serviceintervall bei einer modernen Armbanduhr heute durchwegs fünf Jahre betragen kann, sollte es beim Thema Wasserdichtigkeit bei einem Jahr bleiben – sicher ist sicher.

Zu guter Letzt noch ein paar Tipps, wie Ihre Uhr sicher durch den Sommer kommt. Ein Lederband sollte nicht nass werden, da es aufquillt und unschöne Ränder entstehen; verwenden Sie deshalb ein Gummi- oder Stahlband. Kommt Ihre Uhr mit Salzwasser in Berührung, so sollte sie danach mit Süßwasser gründlich gereinigt werden. Hat Ihre Uhr eine verschraubte Krone und/oder verschraubte Drücker, so achten Sie darauf, dass diese stets ganz geschlossen sind, wenn Sie ins kühle Nass abtauchen.

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Falstaff Nr. 05/2018
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