Der Jahrgang 2011 ließ die heimischen Winzer aufatmen. Nach mehreren Jahren mit kleinen Ernten gab es wieder einmal einen mengenmäßig normalen Jahrgang. Und das war dringend notwendig. Die Österreiche­rinnen und Österreicher sind bei ihrem Weinkonsum nach wie vor patriotisch und bieten der heimischen Weinwirtschaft ein solides Fundament. In den letzten Jahren hat sich im Flaschenweinmarkt für den österreichischen Wein ein relativ hohes Preisniveau entwickelt, das den Weingütern, oft in Kombination mit entsprechenden Förderungen, das Erreichen eines überdurchschnittlich hohen Qualitätsstandards erlaubte.

Blickt man auf die letzten 25 Jahre, so hat sich die österreichische Weinlandschaft dramatisch gewandelt. Die Güte der Weine hat sich noch wesentlich deutlicher gesteigert als die Preise. Insofern ist der österreichische Weinliebhaber in einer komfortablen Lage. Österreich kann heute in jeder Weinkategorie – von leichtem Weißwein über kräftigen Rotwein bis zu Weltklassesüßwein – alles bieten, was das Herz begehrt. Das Versorgungsnetz ist gewaltig, denn jeder größere Supermarkt wartet mit einem Sortiment von Hunderten Weinen auf, und Österreich ist dort dominant vertreten. Anders als im Handel stellt sich die Situation in der Gastronomie dar, wo es durchaus Umsatzrückgänge geben könnte, weil Gäste vom Top-Segment auf das Mittelsegment ausweichen. Ein quantitativer Rückgang wird nicht erwartet.

Trend Naturwein & Co
Ein unübersehbarer Trend der jüngsten Zeit ist die Produktion von »natural wines«. Längst hat sich neben der konventionellen Weinproduktion eine kompakte alternative Szene entwickelt. Was sich vor Jahrzehnten mit den ersten Gehversuchen des Bioweinbaus angekündigt hat, hat sich im Laufe der Jahre zu einem spannenden Netzwerk von Winzern entwickelt, die die alten Pfade verlassen und neue Wege beschreiten: von bio bis zu Biodynamie, von Erdfass bis Amphore, von minimaler Verwendung von Additiven bis hin zu »ohne alles«, ja sogar ohne Schwefel. Es entstehen »orange Weine«, die Naturweinszene ist voll von Neuerungen und Diskussionen.

Wichtig ist, dass man bei der Entscheidung zwischen dem herkömmlichen Weg und dem artisanalen Zugang nicht nach richtig oder falsch unterscheidet. Es bleibt ganz allein dem Konsumenten überlassen zu befinden, welche Art von Wein er in welchem Moment bevorzugt. Es besteht kein Zweifel, dass die Szene rund um die alternativen Weine in den nächsten Jahren noch starken Zuwachs bekommen wird. In den skandinavischen Ländern, in Großbritannien und in den Vereinigten Staaten haben diese Weine bereits in die Spitzenrestaurants Einzug gehalten, es gibt schon Weinbars, die nichts anderes mehr anbieten. Es wird also Zeit, dass die Traditionalisten unter den Ex­perten aufhören, immer nur nach Fehlern im Wein zu suchen. In der Alten Welt wird es aber ­aufgrund der Vorurteile wohl der jüngeren ­Generation vorbehalten sein, wirklich unvoreingenommen auf diese teilweise hoch ­spannenden neuen Weine zuzugehen.

Die Welt der feinen Weine
In den Jahren 2009 und 2010 erlebte der internationale Markt für exklusive Weine eine erstaunliche Erholungsphase, die er nach den vorangegangenen globalen Finanzturbulenzen auch bitter nötig hatte. Dieser Höhenflug wurde aber in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahres recht abrupt gestoppt, ja teilweise sogar wieder umgekehrt. Verunsicherung macht sich unter Sammlern und Inves­toren breit. Die Herausforderungen für 2012 sind vielfältig, manche erscheinen hausgemacht, andere durch äußere Einflüsse bedingt.

Es sind zwei Schlüsselfaktoren, von denen die Entwicklung des Fine-Wine-Segments 2012 besonders abhängig ist: erstens wie die Preise für die En-primeur-Kampagne für die 2011er gesetzt werden, zweitens wie sich die Krise der Eurozone entwickelt. Sollte es hier zu keinen wesentlichen Problemen kommen (Bordeaux zu teuer, Griechenland geht pleite), dann erwarten die internationalen Experten mehrheitlich einen Wertzuwachs im Fine-Wine-Sektor um etwa zehn Prozent. Man geht davon aus, dass die Nachfrage in Asien, speziell in China und Hongkong, anhält und so die Preise antreibt. An der Spitze der gefragten Weine werden die besten Bordeaux, angeführt von den ­Ersten ­Gewächsen aus Spitzenjahren, bleiben, aber Weine aus dem Burgund, der Neuen Welt und Italien werden ebenso zur erwarteten ­Preissteigerung beitragen.

Wie sehen die Empfehlungen für 2012 aus? Bei den Premiers Grands Crus aus vergangenen Spitzenjahrgängen gibt es nach den Preiskorrekturen von 2011 eine ausgezeichnete Möglichkeit, von den Marktgegebenheiten zu profitieren. Auch am rechten Ufer werden einige Spitzengüter noch weiter anziehen. Optimismus ist speziell für das Burgund angesagt, wo nun weitere Spitzenweingüter aus dem Schatten von DRC treten, Gewinn versprechend sind insbesondere Leroy und Rousseau, alte Henri Jayers und Dugat-Py, bei den Weißweinen insbesondere Coche-Dury und Leflaive. Die Nachfrage für die Top-Weine aus dem Burgund wird 2012 sowohl in Europa als auch in Asien weiter angeheizt werden.

Wird die öko­nomische Situation auf die Weinwirtschaft negativ wirken? Nicht auszuschließen. Trinken die Leute weniger Wein? Vielleicht. Wie hält sich der österreichische Wein in der zu erwartenden Rezession? Lesen Sie den vollständigen Artikel im aktuellen Falstaff Nr. 02/12.

Text: Peter Moser
aus Falstaff Nr. 02/12

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