Top 10: Würstelstände in Wien

»Bitzinger bei der Albertina« hinter der Oper, mit Dürer-Hasen am Dach und Champagner-Auswahl im Kühlfach.

© JFK | EXPA | picturedesk.com

»Bitzinger bei der Albertina« hinter der Oper, mit Dürer-Hasen am Dach und Champagner-Auswahl im Kühlfach.

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Das ist sie wohl, die alles umfassende Macht der Marke. Während seinerzeit ein Würstelstand dem anderen glich und es auch überall mehr oder weniger das gleiche Angebot an Würsten, Gebäck und Bier gab, sind die Wurstverkäufer seit einiger Zeit intensiv damit beschätigt, sich ein Image und ein individuelles Auftreten zu verpassen, um sich nur ja vom Kollegen ein paar Ecken weiter zu unterscheiden.

Und die Image-Politur funktioniert – drohten noch vor einigen Jahren Kebabstände und Burgerketten den Wiener Würstelstand aus der Fastfood-Arena zu fegen, so haben die Wurstsieder inzwischen neues Selbstbewustsein getankt. Und inzwischen haben sich sogar bereits die ersten »Bobo-Würstelstände« etabliert, wo früher nur Mistkübler und Taxifahrer ihre Mahlzeiten einnahmen. So ändern sich die Zeiten …

Würstelstand 2.0

Ein Paradebeispiel für den Würstelstand des 21. Jahrhunderts ist der »Bitzinger bei der Albertina« hinter der Staatsoper. Den modern-reduziert gestalteten Stand ziert ein grüner Dürerhase aus Kunststoff (wir sind schließlich vor der Albertina …), im Kühlfach lagern neben dem üblichen Dosenbier auch Importbiere aus aller Welt, Sekt und sogar ein kleines Champagner-Sortiment. Immerhin kommen Staatsopernbesucher gerne naxch der Vorstellung hierher, um ihren späten Gusto zu befriedigen. Und am Opernball-Abend stehen die Damen in ihren großen Roben und die Herren im Frack bis zu 15 Minuten in der Schlange, um Austern und Kaviar eine zünftige Käsekrainer, Klobasse oder Waldviertler hinterher zu schicken. That‘s life.

Design und Tradition

Ähnlich cool designt, aber mit einem wesentlich durchmischteren Publikum, ist der Stand »Zum goldenen Würstel« am Graben Ecke/Spiegelgasse. Der Würstelstand wurde auch schon in Architekturzeitschriften vorgestellt und ist vor allem für Wien-Touristen erste Anlaufstelle in Sachen Würstelkunde. Und so erklärt der Standler Abend für Abend geduldig, was der Wiener unter einer »Haaßen« versteht, weshalb eine »Eitrige« nix für den Arzt ist (oder manchmal eben doch …) und welche lustigen Spitznamen für die ganzen eingelegten Essiggemüse existieren.

Eine gänzlich andere Klientel bedient René Kachlir in seinem Stand »Zum scharfen René« am Schwarzenbergplatz. Bei ihm dreht sich alles um Scoville, die Maßeinheit für Schärfe in Speisen. Wer zu seiner Wurst ein leichtes Brennen möchte, muss es René nur sagen, wer sich die Speiseröhre wegätzen will, wird ebenfalls bedient – theoretisch. Natürlich checkt der Hausherr sein Publikum genau, ehe er zu den wirklich gefährlichen Stoffen greift.

Wiens erster Bio-Würstelstand

Beim erst vor Kurzem eröffneten »Wiener Würstelstand« im 8. Bezirk wird hingegen auf Nachhaltigkeit und Bio-Qualität gesetzt. Je drei Sorten Bratwurst und Käsekrainer von verschiedenen Fleischern, zwei Frankfurter und Lammbratwürste, dazu Holzofen-Sauerteigbrot vom Gragger und sogar vegane Würstel für die Bosna hat Betreiber Stefan Sengl im Angebot. So sieht moderne, genussorientierte Würstelstandkultur im Jahr 2020 aus. Ein spannendes Experiment in Sachen Genuss-Kultur, das hoffentlich bald Nachahmer findet.


Die 10 besten Würstelstände


Quiz: Würstelstannd-Jargon

Würden Sie sich am Wiener Würstelstand sprachlich zurechtfinden?

Am Wiener Würstelstand

Beantworten Sie die untenstehenden Fragen! Viel Spaß!

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