Beim Törggelen dreht sich alles um die perfekte Symbiose aus Kastanien und Jungwein
Beim Törggelen dreht sich alles um die perfekte Symbiose aus Kastanien und Jungwein / Foto: Marketinggesellschaft/Frieder Blockle

»Den Leuten aus dem Dorf ist das Törggelen heute fast überall unerträglich geworden, deshalb kommen sie zu uns«, sagt Michaela Raich-Augschöll vom »Fuschg« in St. Valentin bei Villanders – ohne selbstgefällig zu wirken. Gemeinsam mit ihrem Mann Anton führt sie den Betrieb oberhalb von Klausen im Eisacktal und hat ihn bis heute erfolgreich vor jeder touristischen Vereinnahmung bewahrt. Touristische Vereinnahmung, das bedeutet nur allzu oft Gruppenbusfahrten statt Herbstwanderungen bis vor die Gaststätte, lieblose Törggelemenüs mit Zutaten aus dem nächsten Supermarkt und Kastanien aus der Türkei, alles untermalt von schaurig-schunkeliger Schlagermusik. Seit vor gut 40 Jahren das touristische Potenzial des Törggelens erkannt wurde, gibt es vielerorts kein Halten mehr, und der bei Südtirolern wie Gästen gleichermaßen beliebte herbstliche Brauch verkam immer mehr zur Massenabfertigung.

Dabei hat das alles mit authentischem Törg­gelen nichts mehr gemein. Die Ursprünge des Brauchs sind bis heute nicht restlos geklärt, doch kann man den Begriff auf die über Jahrhunderte gebräuchliche Weinpresse, die »Torggl« (lat. torquere »drehen«), zurückführen – ein hölzernes Ungetüm, das heute nur noch von musealem Wert ist.

Man vermutet, dass sich die Weinbauern nach eingebrachter Ernte gegenseitig besuchten, um den neuen Jahrgang zu verkosten. Mit der Zeit entwickelte sich daraus wohl eine Art Erntedankfest, das frühestens zu Martini (11. November) begann und bei dem ordentlich aufgetischt wurde: Speck, hausgemachtes Brot, dampfendes Sauerkraut und frische Würste, Gerstensuppe und Knödel aller Art, feinwürzi­-ges Surfleisch und vielleicht auch mal ein saftiger Schweinsbraten – was der eigene Hof gerade hergab, wurde gereicht und gehört bis heute zu einem gelungenen Törggelen dazu.

Besondere Spezialität sind die »Schlutzkrapfen«, mit Spinat und Topfen gefüllte Teigtaschen, die so lange mit brauner Butter übergossen werden, bis sie eben ordentlich »schlutzen«, also über den Teller gleiten. All das dient der kulinar-ischen Begleitung zum »Nuien«, wie der Jungwein knapp genannt wird. Den krönenden Abschluss eines jeden Törggelens bilden die »Keschtn«, gebratene Edelkastanien, deren herrlich mürb-nussigen Geschmack man sich meist mit rußig-schwarzen Fingern erschälen muss; ein »Sußer«, der Traubenmost, passt am besten dazu. All diese deftigen Gaumenfreuden verlangen natürlich nach gebührendem Appetit – eine kleine Wanderung wirkt hier Wunder.

Als Wiege des Kastanienkults gilt heute unbestritten das Eisacktal, das zwischen Vahrn-Neustift und Klausen das nördlichste Weinbaugebiet Italiens beherbergt. Der Großteil der steilen Anbaufläche ist heute mit weißen Sorten wie Sylvaner, Müller-Thurgau und Kerner bepflanzt, obwohl noch um 1950 etwa 80 Prozent der erzeugten Weine Rotweine waren – und die passen auch am besten zum Törggelen.

Tipps: Die besten Adressen auf einen Blick.

Die vollständige Geschichte lesen Sie im Falstaff Nr. 7/2010.


von Georg Schullian

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