Tischgespräch mit Sarah Wiener

Sarah Wiener

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Sarah Wiener

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Falstaff: Frau Wiener, wie wirkt sich Ernährung auf unseren Körper und auch auf unser Gehirn aus?
Sarah Wiener:
Essen sollte Genuss bereiten, ein sinnliches Erlebnis sein, das uns guttut. Wissenschaft und Forschung wissen schon sehr lange, dass unsere Ernährung nicht nur das Körpergewicht beeinflusst, sondern auch chronisch entzündliche Krankheiten, Diabetes 2 und viele Stoffwechselerkrankungen. Depressionen, Alzheimer und Parkinson – es gibt auch zahlreiche Studien, die nahelegen, dass stark verarbeitete Nahrungsmittel und besonders Zucker auf unser Gehirn wirken. Und der gute Geschmack und der richtige Genuss bleiben auf der Strecke.

Was können wir der »Verindustrialisierung« unserer Nahrung entgegensetzen?
Selber kochen! Mit möglichst regionalen, vielfältigen Grundzutaten, am besten aus ökologischem Anbau.

Was meinen Sie, wenn Sie auf die Notwendigkeit hinweisen, das Kochkulturgut zu verteidigen und zu retten?
Es wird immer weniger gekocht in den Familien. Viele können es nicht mehr oder es fehlt ihnen die Zeit, es ihren Kindern beizubringen. Kochen ist aber nicht nur Kultur, sondern auch Identität, Kommunikation und das Beste, um das eigene Körpergefühl und Verantwortung für sich selbst einzufordern und auszuleben. Wer nicht mehr weiß, wie man kocht, wird ein Leben lang fremdgefüttert werden. Meist mit billigen und schlechten Kopien köstlicher Originale. Kochen ist nicht nur ein kreativer, sondern auch ein sehr befriedigender und revolutionärer Akt.

Ist Wildbret eine Alternative zu abgepacktem Supermarkt-Fleisch beziehungsweise dem allgemein »zu hohen« Fleischkonsum?
Wildbret oder Wildfleisch wären eine gute Entscheidung. Das Warum liegt auf der Hand. Allerdings sollte das Fleisch vom Jäger des Vertrauens kommen und nicht vom anderen Ende der Welt.
 
Sie sind viel herumgekommen: Gibt es Unterschiede, wie Wildbret in Österreich, in Deutschland oder auch in der Schweiz zubereitet wird?  
Jede Region, manchmal jeder Jägerhaushalt, kann seine besonderen Eigenheiten pflegen. Besonders, was Beilagen oder die Gewürze betrifft. Aber ehrlicherweise: Ganz so unterschiedlich habe ich die Wildzubereitung der aufgezählten Länder nicht erlebt. Da gibt es meiner Meinung nach unter verschiedenen Köchinnen und Köchen größere Kreativität.
 
Heutzutage wird überall »kochen in kurzer Zeit, ganz schnell etc.« angepriesen. Heißt etwas zuzubereiten nicht auch, sich Zeit dafür zu nehmen?
Wer immer in 15 Minuten fertig sein will, wird niemals dem verführerischen Duft von Marillentopfenknödeln erliegen können. Ganz zu schweigen von großen Braten, selbst gemachter Pasta oder einem echten Gulasch.

Sarah Wiener

Die prominente Köchin begann ihre Karriere mit Kuchenkreationen und gründete 1990 ihre erste Cateringfirma. »Das Speisezimmer«, ihr erstes Restaurant, eröffnete Sarah Wiener 1999 in Berlin-Mitte. Es folgten weitere Restaurants in Berlin, Hamburg, Bremen und Stuttgart. Ihre Kochbücher und Fernsehsendungen machten sie einem breiten Publikum bekannt. Seit 2019 ist sie Abgeordnete zum Europäischen Parlament für die Grünen.

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