Tischgespräch mit Conchita

© Jansenberger Fotografie

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FALSTAFF »Respekt« ist ein Leitthema der diesjährigen Wiener Festwochen. Auch Sie appellieren immer wieder dafür. Wie achtsam gehen Sie mit sich und Ihrer Ernährung um?

Conchita (lacht): Jaja, der Respekt vor sich selbst ... Der kommt oft auch bei mir zu kurz. Ich versuche, mich gesund zu ernähren. Das ist nicht immer leicht, denn ein Sandwich ist schneller geordert und gegessen als ein gesundes ausgewogenes Menü. Sie merken, wo’s hakt?

Welchen Stellenwert hat denn kulinarischer Genuss in Ihrem Leben?

Ich liebe es, gut zu essen! Wenn ich auf meinen Reisen etwas für mich kulinarisch Neues kennenlerne, schwärme ich wochenlang davon. Eigentlich sollte man jeden Moment genießen, ich schaffe das aber nicht immer. Deswegen ist Genuss für mich ein Luxusgut. Und Luxus ist nur dann aufregend, wenn man ihn nicht immer haben kann.

Dabei hatten Sie ihn in Ihrer Kindheit stets verfügbar – Sie sind in einem Wirtshaus aufgewachsen.

Ich war natürlich sehr verwöhnt, denn ich konnte jeden Tag aus der Speisekarte auswählen. Es hat meine Neugier gefördert, unbekannte Gerichte zu probieren. Aber ich koche kaum selbst – musste ich ja nie. Das sehe ich als Defizit. Ich kann zwar kochen, mache es aber nicht gern.

Kochen und Kunst liegen aber nah beieinander. Der österreichische Künstler Peter Kubelka sagte: »Das Kochen ist nicht nur ein bildender Prozess wie andere Künste, sondern beides: unmittelbares Ein-greifen in die Natur und künstlerisch bildender Prozess.« 

Kochen ist definitiv etwas sehr Kreatives. Deswegen denke ich, dass es mir gefallen könnte, würde ich mich darauf einlassen.

Die Werbewelt verkauft uns das Bild, dass sich Frauen am liebsten von Salat ernähren und Männer von einem saftigen Stück Fleisch. Gibt es typisches Frauen- oder Männeressen?

Ich tue mir etwas schwer mit geschlechter-spezifischen Verhaltensmustern in der Kulinarik ... Ich habe ein so vielfältiges Umfeld, dass ich sowohl Männer als auch Frauen kenne, die sich gesund bzw. ungesund ernähren, »leichtes« oder »schweres« Essen bevorzugen. Da ich kein Fan von Schubladendenken bin, kann ich dieses Klischee nicht verstehen.

Geht ein Paar in ein Restaurant essen, wird beinahe immer – ohne zu fragen – dem Mann der Wein zum Kosten eingeschenkt.  

Ich weiß nicht, ob es bei meinen Restaurantbesuchen ausschließlich Männer waren, die zum Probieren aufgefordert wurden. Allerdings bin ich froh, wenn das jemand anderes macht. Denn ich kenne mich null aus.

Zur Person

In einem kleinen steirischen Dorf aufgewachsen, erlangte Tom Neuwirth mit seiner Kunstfigur Conchita Weltruhm. Der internationale Durchbruch gelang Conchita mit ihrem Sieg beim Eurovision Song Contest im Mai 2014. Seitdem tourt sie nicht nur als Musikerin um die Welt, sie setzt sich auch aktiv für Toleranz und die Einhaltung von Menschenrechten ein.

Aus dem Falstaff Wiener Festwochen Spezial 2017

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