Paul Newman und die Rolex Daytona. Zwei Ikonen, eine aus der Filmgeschichte und eine aus der Luxusmarkenwelt, die genauso untrennbar verbunden sind wie James Bond und Aston Martin. Und die Verbindung, so ­erzählen Fans, stammt natürlich aus einem Film: Paul Newman trug 1969 in dem Rennfahrerfilm »Winning« eine Rolex Daytona. Unzählige Fotos von Newman im Cockpit von Rennautos mit einer Daytona am Handgelenk haben diesen Zeitmesser, speziell das Stahlmodell, seither zu einer Kultuhr gemacht. Und der zum Stoppen schneller Rundenzeiten gebaute Chronograf wird heute auch an Handgelenken gesehen, die das Lenkrad
lieber Chauffeuren überlassen. Ein Fall von geschicktem Product-Placement also – mit einem kleinen Schönheitsfehler: Die Story stimmt so nicht. Newman trug zwar 30 Jahre lang Rolex, aber nicht im Rennfahrerdrama »Winning« – und er war nie ein offizielles Werbetestimonial von Rolex.

 

Rolex / Fotos: beigestellt
Rolex / Fotos: beigestellt

Dabei hätte die Geschichte perfekt zu der 1905 vom deutschen Auswanderer Hans Wilsdorf gegründeten Uhrenmarke Rolex gepasst. Wilsdorf, der im Alter von zwölf zum Waisen wurde und im Internat aufwuchs, bewies nicht nur technischen wie wirtschaftlichen Weitblick, er war auch ein genialer Vermarkter seiner Uhren. 1926 entwickelte er die erste wasserdichte Uhr der Welt, die Rolex Oyster. Und um diese Uhr weltweit bekannt zu machen, nutzte er einen sportlichen Rekordversuch, der Schlagzeilen machen würde. Die junge Engländerin Mercedes Gleitze wollte am 7. Oktober 1927 als erste Frau den Ärmelkanal durchschwimmen. Und Wilsdorf verkündet davor groß, dass sie dabei eine Rolex Oyster am Handgelenk tragen würde. Die erste wasserdichte Uhr lief auch nach der Ärmelkanaldurchquerung auf die Sekunde genau. Um PR-mäßig sicherzugehen, schaltete Wilsdorf ein ­Inserat auf der ersten Seite der »Daily Mail«, das die Leistungen der jungen Schwimmerin und der Rolex bewarb. Dass der Versuch der Schwimmerin knapp vor der Küste scheiterte, wird in den Annalen heute kaum erwähnt. Es tut auch nichts zur Sache, die Rolex Oyster und Mercedes Gleitze sind zu Legenden  ­geworden.Und dennoch – der Markenname Rolex ­polarisiert bis heute. Für manche ist eine Rolex ein Werk zeitloser, unaufdringlicher technischer Präzision. Für andere ist sie Ausdruck für maßlosen vordergründigen Geltungsdrang. Der satirische Satz »Geld spielt keine Rolex« charakterisiert diese Haltung treffend. Doch eine Rolex wurde und wird auch von Persönlichkeiten getragen, die für ein ganz anderes Image stehen. Das Bild von Che Guevara mit der Rolex am Armgelenk ist legendär. Auch Clint Eastwood würde wohl kaum eine Uhr tragen, die nicht zu einem »echten Mann« passt. Und gleichzeitig war auch Pablo Picasso ein bekennender Rolex-Fan.Rolex verfolgt bis heute eine ganz klare Philosophie: Das Unternehmen verzichtet auf hochkomplizierte Uhrenmodelle. Dauerhaftigkeit, Präzision und Funktionssicherheit stehen im Vordergrund. So wurde beispielsweise die Schwingfrequenz des bis 2000 eingebauten Daytona-Automatikchronografenwerks von 36.000 auf 28.800 Halbschwingungen reduziert. Kontinuierliche Modellpflege ist ein weiterer wichtiger Kernpunkt der Rolex-Strategie. Fast alle der heute erhältlichen Uhrenmodelle gab es in ihrer jetzigen Erscheinungsform bereits vor rund 50 Jahren. Zwar wurden die meisten Modelle im Verlauf der letzten Jahrzehnte verändert, diese Veränderungen waren jedoch maßgeblich technischer Natur und ­wurden jeweils in sehr vorsichtigen einzelnen Schritten vollzogen. So wurde beispielsweise erst Ende der 1980er-Jahre das Plexiglas in ­allen Modellen Schritt um Schritt gegen das seit 1970 in der Rolex Quartz Date eingesetzte Saphirglas ausgetauscht. Die Kontinuität der Modelle und die hohe technische Verlässlichkeit sind die Hauptgründe, weshalb hohe Gebrauchtpreise für Rolex-Uhren erzielt werden, selbst wenn es sich nicht um gesuchte Sammlermodelle handelt.Zurück zu Hans Wilsdorf, der Rolex mit seinen visionären Leistungen zur erfolgreichsten Luxusuhrenmarke der Welt machte. Am Beginn standen nicht nur technische, sondern auch unternehmerische und marketingtechnische Bravurleistungen. Wilsdorf war überzeugt, dass Uhren bald nur mehr am Handgelenk und nicht als Taschenuhren getragen werden würden. Also überzeugte er den Uhr­macher Aegler im schweizerischen Biel, Werke herzustellen, die klein genug für Armbanduhren waren. Und Wilsdorf war einer der Ersten, der seinen Uhren nicht den Namen des Händlers, wie ­damals üblich, sondern einen eigenen Markennamen geben wollte. Er erfand den Namen Rolex, der nichts bedeutet und nur einen Zweck zu erfüllen hatte: einprägsam und überall auf der Welt leicht aussprechbar zu sein.Das Erfolgsrezept – außergewöhnliche technische Entwicklungen bei Uhren von dazupassenden Ereignissen in die Welt hinaustragen zu lassen – verfolgte Wilsdorf weiter. 1931 wurde von Rolex erstmals ein Automatikuhrwerk in die wasserdichte Armbanduhr ­Oyster Perpetual eingebaut und für Rolex weltweit patentiert. Weitere Meilensteine der Unternehmensgeschichte waren die 1953 vorgestellte Submariner, wasserdicht bis 200 Meter (heute bis 300 Meter), das aus der Submariner 1971 weiterentwickelte Modell Sea-Dweller, das als eine der ersten Armbanduhren über ein Heliumventil für Tief­seetaucher (wasserdicht bis 610 Meter, ab 2008 bis 3900 Meter) verfügte.Für die britische Mount-Everest-Expedition des Jahres 1953 entwickelte Rolex das Uhrenmodell Explorer. Der Neuseeländer Sir Edmund Hillary und der Sherpa Tenzing Norgay erreichten damit als Erste den höchs­ten Gipfel der Welt. Die Rolex Explorer I funktioniert mit absoluter Genauigkeit, trotz extremer Temperaturunterschiede und harter Stoßeinwirkun­gen. Als Reinhold Messner 1978 als Erster den Mount Everest ohne zusätzlichen Sauerstoff bezwang, trug er dabei eine Rolex Oysterquartz Datejust.1954 stellte Rolex das Modell GMT Mas­ter vor. Da Piloten bei den immer länger dauern­den Flügen mehrere Zeitzonen durchquerten, bat PanAm Rolex, eine spezielle Uhr für Piloten zu entwickeln. Die Uhrzeit zweier beliebiger Zeitzonen kann bei der GMT (Greenwich Mean Time) gleichzeitig abgelesen werden. Bei Sammlern steht das alte Modell mit der zweifarbigen Lünette heute hoch im Kurs.Mit dem Tiefsee-U-Boot Trieste tauchte Professor Jacques Piccard 1960 im Marianengraben im Pazifik bis in nahezu 11.000 Meter Tiefe – die tiefste bis jetzt bekannte Stelle der Erde. Die für diesen Zweck speziell hergestellte und an der Außenseite der Trieste angebrachte Rolex Oyster überstand anstandslos einen Druck von über einer Tonne pro Quadratzentimeter. 1960 verstarb der legendäre Rolex-Gründer Hans Wilsdorf. Ihm folgte sein langjähriger Vertrauter André J. Heiniger, der bereits ab 1954 kaufmännischer Direktor gewesen war. Rolex ist heute der mit Abstand größte und wichtigste Hersteller von Luxusuhren. Doch das Unternehmen selbst ist verschlossen wie seine Oyster. Zahlen werden nicht bekannt gegeben. Nach dem Tod seines Gründers ging Rolex in eine Stiftung über. Die ­beiden weitgehend eigenständigen Werke in Genf und Biel wurden 2004 in der Hans-Wilsdorf-Stiftung zusammengeführt. Seit Mai 2011 führt der frühere Rolex-Italien-Chef Gian Riccardo Marini das Unternehmen. ­Darüber, wer die Begünstigten der Stiftung des Rolex-Gründers Hans Wilsdorf sind, gibt es nur Gerüchte. Das eine besagt, junge Erfinder werden von ihr unterstützt, das andere, dass aus der Stiftung Geld an Waisenhäuser fließt. Mögen beide stimmen.EXPERTEN ÜBER ROLEX»Rolex ist seit der Gründung im Jahr 1905 Synonym für Qualität auf höchstem Niveau. Die präzisen, langlebigen chronometerzertifizierten Uhrwerke befinden sich in einem wasserdichten Gehäuse in zeitlosem, edlem ­Design. Die technologische Leader-Position der Marke basiert auf Beständigkeit und perfekt geplanter Weiterentwicklung. Rolex richtet alle unternehmerischen Aktivi­täten stets auf Langlebigkeit, Kontinuität und ­Professionalität aus. «Hermann Wagner-Gmeiner, Juwelier Wagnerwww.juwelier-wagner.at

 

 

»Die Uhren von Rolex sind für mich eine Ausnahme in der Uhrenwelt, da sich das Design über Jahrzehnte nur wenig verändert hat. Für den Kunden bedeutet es, dass er sich an einer Uhr, die er vielleicht vor dreißig Jahren erworben hat, noch immer erfreuen kann. Er hat einen Zeitmesser am Handgelenk, dem man das Alter nicht ­ansieht.«
Friedrich Rogi, stv. Geschäftsleiter Juwelier Bucherer
www.bucherer.com

»Unter den renommierten Schweizer Uhrenmanufakturen, die wir repräsentieren, nimmt Rolex eine Sonderstellung ein. Einerseits wegen der seit Jahrzehnten ­bemerkenswerten und kaum vergleichbaren Fertigungs­tiefe, die eigens entwickelten Spezialstahl oder Gold­legierungen für die Gehäuse und langjährige profunde Erfahrung in der Fertigung von Uhrwerkskomponenten wie etwa Unruhfedern umfasst. Andererseits resultiert daraus auch die hohe Verlässlichkeit der hauseigenen Manufakturkaliber. Alle Komponenten werden auf höchste Funktionstüchtigkeit, Zuverlässigkeit, Robustheit und Präzision überprüft.«
Herbert Schullin, Juwelier Schullin
www.schullin.com


Text von Thomas Martinek
Aus Falstaff Nr. 02/2012

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