The Austrian Gin Connection

Das Engagement ­öster­reichischer Brenner auf dem ­Ginmarkt hat ­hierzulande auch die Verfüg­barkeit

­internationaler Super-­Premiums deutlich verbessert.

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Das Engagement ­öster­reichischer Brenner auf dem ­Ginmarkt hat ­hierzulande auch die Verfüg­barkeit ­internationaler Super-­Premiums deutlich verbessert.

Das Engagement ­öster­reichischer Brenner auf dem ­Ginmarkt hat ­hierzulande auch die Verfüg­barkeit

­internationaler Super-­Premiums deutlich verbessert.

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Ausgerechnet in einen Markt, den die üblichen Verdächtigen seit Jahren okkupieren, der mehr als gesättigt ist und der das biedere Image von Standardware hat, kommt Schwung. Gutem Gin hat man bislang nicht mehr zugetraut als die unauffällige Unterpolsterung eines Cocktails, dessen andere Zutaten die erste Geige spielen. Doch die Verwendung bester Zutaten, das blitzsaubere Destillieren und erstklassiges Quellwasser machen den Unterschied.

In seiner Ursprungszeit war der Gin eine Medizin, die Kraft des Wacholders sollte allerlei ­Beschwerden lindern. Schließlich benutzten britische Soldaten den aus Holland stammenden Schnaps dazu, das bittere Indian Tonic, das sie gegen Malaria einnahmen, bekömmlicher zu machen. Der Gin Tonic war erfunden – doch dem Ansehen des Gins half das wenig. Selbst als er durch den Cocktailboom allgegenwärtig wurde, blieb er ein Nebendarsteller. Mehr noch, in der »Gin-Krise« im frühen 18. Jahrhundert war er ein Synonym für bedenklichen Fusel, der billiger als Brot war und zu erheblichen Suchtproblemen und einer völligen Verrohung der Sitten führte. Erst durch die Regulierung durch den Gin Act 1751 konnte die Qualität gesteigert werden, und der Gin hielt Einzug in die Oberschicht.

Gin als Objekt der Begierde

Was Gin ist, woraus und nach welchem Verfahren er hergestellt wird, ist auch heute noch weitgehend unbestimmt. Festgelegt ist in der EU lediglich, dass er einen Mindestgehalt von 37,5 Prozent Alkohol haben muss und dass einem London Dry Gin weder Zucker noch Farbstoffe zugefügt werden dürfen. Art und Anzahl der verwendeten »Botanicals« dagegen stehen jedem Erzeuger frei. Beim deutschen »Monkey 47« sind es genau 47 verschiedene. Öster­reichs Meis­terbrenner Hans Reisetbauer verwendet 27 mit dem aromatischen Schwerpunkt bei Wacholder, diese Charakteristik bezeichnet er als archetypisch für Gin – und sie ist historisch stringent. »Hendrick’s finde ich zitruslas­tig«, sagt er über den schottischen Top-Gin, der international am ehesten in seiner Liga spielt.

Gin Lebensstern
Gin Lebensstern

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Weder ob ein Gin dreifach oder fünfach gebrannt wird, noch ob er mittels Pot Still oder Kolonne destilliert wird, ist zwingend ein Qualitätskriterium. Viele Hinweise der Hersteller auf alte, restaurierte Destillationsanlagen, aus denen sie angeblich ihre Special Edition brennen, sind nur Legenden. Sauberkeit, Authentizität und Charakter dagegen sind Merkmale, die man mit Nase und Gaumen beurteilen kann, der Rest ist Mythos. Augenscheinlich ist daher, dass Gin zum Objekt der Begierde von Qualitätsproduzenten geworden ist.

Ein Spirit mit Charakter

Der aktuelle Gin-Boom ist gar nicht so verwunderlich. Immerhin wurde auch ein höchst geschmacksneutrales Destillat wie Wodka zum Hype. Dagegen hat Gin allemal mehr Charakter: Seine Spielarten und der Aromenreigen der Gewürze bieten betörenden Charme, Koriander, Orangenzesten, Engelswurz oder Rosenblüten bilden eine schillernde Begleitmusik. ­Entscheidend sind das Ertüfteln der gelungenen Mischung und Intensität sowie die passende zeitliche und verfahrenstechnische Abstimmung. Auf dem Guglhof in Hallein bei Salzburg werden manche Gewürze – durch Auslaugen in ­Alkohol – separat mazeriert und teils auch getrennt des­tilliert. Bei einem anderen Verfahren – wie es Hendrik’s und Bombay Sapphire ver­wenden – werden die aufsteigenden Dämpfe in einer sogenannten Carter-Head-Destille über die Gewürze geleitet. Abgesehen von den Botanicals spielt auch das Grunddestillat eine Rolle. Gute Hersteller verwenden hochwertige Getreidebrände. Hans Reisetbauer etwa baut dieses Getreide selbst an. Hans Wieser aus der Wachau dagegen bevorzugt ein Grunddestillat aus Trauben, wie es beim bekannten G’Vine aus Frankreich verwendet wird.

Wacholder war und ist eine bekannte Heilpflanze
Wacholder war und ist eine bekannte Heilpflanze

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Made in Austria

Warum aber macht sich ein österreichischer Brenner daran, Gin zu brennen? Wohl kaum um die internationalen Konzerne das Fürchten zu lehren. »Doch die Resonanz der Konsumenten und Händler ist erstaunlich positiv«, so Anton Vogl von der Brennerei Guglhof. Für Markus Wieser dagegen ist sein Uuahouua-Gin nur »Jux und Tollerei, eine Spielwiese, die so vielfältig sein kann wie etwa Schokolade«. Der erste Ginmacher in Österreich war Carlo Wolf, als er LeGin für Schloss Halbturn kreierte – einen Gin mit ruhigem, ausgewogenem Duft.

Gin UUAHOUUA
Gin UUAHOUUA

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Für Hans Reisetbauer war sein Blue Gin nicht zuletzt Selbstzweck. »Wenn ich einen ganzen Tag Schnaps oder Wein verkostet hatte, blieb am Ende nur mehr ein Getränk, auf das ich Lust hatte: Gin Tonic. Und das wollte ich in der ­Qualität meiner Fruchtbrände haben.« Der Blue Gin ist gewiss der ambitionierteste Versuch, auf dem großen Markt für Gin mitzumischen – und wie die Umsatzsteigerungen um 30 Prozent in Deutschland und den USA vom vergangenen Jahr belegen, hat sein Produkt neben Charme auch Substanz.Dass so etwas nicht von selbst geht und eine ganz andere Herangehensweise bei Distribution und Werbung voraussetzt als der Verkauf von Williams, liegt auf der Hand. Allerdings ist der Qualitätsbereich, in dem Hans Reisetbauer auftritt, jener mit den lukrativsten Aussichten: Den Super-Premium-Gins winkt derzeit das Glück. Reisetbauers Vorbild ist der London Dry Gin mit primärer Wacholdernote, und er legt mit dem aktuellen Jahrgang ein Destillat vor, das man zuallererst als »crispy« bezeichnen kann; es wirkt mineralischer und transparenter als das Meiste, das man bisher als Gin serviert bekam. Man darf auf die Zukunft der »Austrian Gin Connection« gespannt sein.

Hintergrundinformationen und Bewertungen der österreichischen Gins

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Falstaff Nr. 03/2011
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